Co-Pilot stirbt auf Sachsenring

Hier (Pfeil) fuhr das erfahrene Duo Hock/Becker statt um die Kurve in die Leitplanke (o.).
Hier (Pfeil) fuhr das erfahrene Duo Hock/Becker statt um die Kurve in die Leitplanke (o.).

Von Andre Rydzik

Hohenstein-Ernstthal - Der Deutschland-Grand-Prix auf dem Sachsenring ist von einem Todesfall überschattet worden!

Im Qualifying zur Seitenwagen- WM raste das deutsche Duo Kurt Hock (53) und Enrico Becker (31) am Eingang der Sachsenkurve mit Tempo 200 in die Leitplanke.

Der jüngere Beifahrer überlebte den Horror-Unfall nicht. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den Fahrer.

Kurt Hock (Oberursel) und Enrico Becker (Drübeck-West) waren ein erfahrenes Team. Mit ihrer LCR-Suzuki waren sie sechsmal deutsche Vizemeister der Internationalen Deutschen Motorradmeisterschaft geworden.

Für den WM-Lauf auf dem Sachsenring rechnete sich das Seitenwagen-Gespann viel aus. Doch beim Qualifying Sonnabendabend passierte das Undenkbare. Nur von wenigen Fans beobachtet, rauschte die Maschine auf dem schnellsten Streckenabschnitt in die Leitplanke.

Für Enrico Becker kam jede Hilfe zu spät. Fahrer Kurt Hock kam mit schwersten Verletzungen ins Chemnitzer Klinikum. Tags darauf herrschte am Traditionskurs tiefe Betroffenheit.

„Mir fehlen die Worte, die Stimmung ist gedrückt. Ich fühle mit den Angehörigen“, sagt Wolfgang Streubel (61), Chef des Grand-Prix-Veranstalters SRM.

Er war es, der sich trotz Widerständen von MotoGP-Vermarkter Dorna für die Seitenwagen im Rahmenprogramm ein - gesetzt hatte. Streubel resigniert: „2015 wird es kein Seitenwagenrennen geben.“

Kurt Hock liegt im Koma. Via Twitter meldete die Clinica Mobile (Mobilklinik) an der Strecke, sein Zustand sei lebensbedrohlich. Die Staatsanwaltschaft Zwickau ermittelt vorerst gegen Hock wegen fahrlässiger Tötung.

„Fahrzeug und Unfallursache müssen erst mal untersucht werden“, erklärt Polizeisprecher Jan Meinel (41). Auf Wunsch der Familie des Getöteten wurde das Seitenwagenrennen dennoch gestartet.

Die Sachsenring-Toten

1. Juli 1934: Erik Haps (Belgien/Motorrad)
1. Juli 1934: Pol Demeuter (Belgien/Motorrad)
1. Juli 1934: Gunnar Kalén (Schweden/Motorrad)
8. August 1937: Jimmie Guthrie (Großbrit./ Motorrad)
5. September 1952: Helmut Arnold (DDR/Seitenw.)
19. August 1956: Gerhard Hofmann (DDR/Motorrad)
17. Juli 1967: Werner Daubitz (DDR/Motorrad)
12. Juli 1969: Bill Ivy (Großbritannien/Motorrad)
9. Juli 1971: Günter Bartusch (DDR/Motorrad)
10. Juli 1977: Vladislav Ondrejík (CSSR/Auto)
13. Juli 1979: Ottó Gunyits (Ungarn/Motorrad)
11. Juli 1981: Heinrich Kurtha (CSSR/Motorrad)
9. Juli 1982: Frank Herrmann (DDR/Motorrad)
13. Juli 1985: Bertram Queck (DDR/Motorrad)
14. Juli 1985: Erhard Tatarczyk (DDR/Auto)
10. Juli 1988: Werner Wilfert (DDR/Auto)
8. Juli 1990: Rainer Tews (BRD/Motorrad)
8. Juli 1990: Bernhard Findeisen (BRD/Motorrad)
10. Juli 1990: Edgar-Peter Leyer (BRD/Motorrad)
12. Juli 2014: Enrico Becker (BRD/Seitenwagen)

Fotos: PEGGY REICHL, RALPH KÖHLER/PROPICTURE, WEISSE/PROPICTURE


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