Coole Sache! So versorgt Ihr Euch selbst!

Wartet auf seinen Einsatz:
Mit dem Oldtimer-Traktor der
Firma Eicher, Baujahr 1956,
holen Olaf Schirmer (50) und
seine Frau Heike (49) die
Ernte ein.
Wartet auf seinen Einsatz: Mit dem Oldtimer-Traktor der Firma Eicher, Baujahr 1956, holen Olaf Schirmer (50) und seine Frau Heike (49) die Ernte ein.  © Thomas Türpe

Chemnitz - Ob Gemüse, Eier oder Fleisch: Familie Schirmer aus Köthensdorf (bei Chemnitz) weiß, woher ihr Essen auf dem Teller stammt - nämlich aus dem heimischen Garten und der eigenen Zucht.

Sie sind Selbstversorger, können das ganze Jahr von ihren Erzeugnissen leben. Dafür kündigte Vater Olaf (50) sogar seinen Job. Doch ganz autark geht es auch bei ihnen (noch) nicht...

Die Sonne strahlt über dem Vierseithof von Familie Schirmer. Gut für die Photovoltaikanlage auf dem Dach, aber auch für die Erdbeeren, die im Garten zu reifen beginnen. Zwischen Bohnen und Kohlrabi kauert Olaf Schirmer, zupft bedächtig Unkraut. „Den ganzen Tag ist immer etwas zu tun“, sagt der Selbstversorger - voller Herzblut und Tatendrang.

Der elterliche Hof mit zehn Hektar Land machte den Traum vom Selbstversorger-Reich überhaupt erst möglich. „Ich bin hier bei meiner Omi groß geworden und die hat mir das Gärtnern mitgegeben“, erzählt er.

Was dann als Hobby begann, ist für den inzwischen 50-Jährigen zur Lebensaufgabe geworden.

Als „Chef“ des Hofes gibt Schäferhund
Gonzo (8) Obacht, was Frauchen
und Herrchen so machen.
Als „Chef“ des Hofes gibt Schäferhund Gonzo (8) Obacht, was Frauchen und Herrchen so machen.  © Thomas Türpe

Auf 500 Quadratmetern wachsen Kartoffeln, Zwiebeln, Möhren, Rote Bete, Porree und sämtliche Kohlsorten. Im Gewächshaus zieht er Salat, Gurken, Tomaten und Paprika. Auf den Streuobstwiesen tragen die Bäume Äpfel, Birnen, Quitten, Kirschen und Pflaumen. Auch Beerenobst fehlt natürlich nicht.

„Was ich ernte, verarbeitet meine Frau Heike.“ So werden Obst und Gemüse getrocknet, eingekocht, eingefroren, zu Saucen und Marmeladen verarbeitet. Aus Milch vom Bauern wird Butter, Joghurt und Käse gemacht. „Bei uns kommt aber auch Fleisch auf den Tisch“, sagt Olaf Schirmer.

Acht Kamerun-Mutterschafe weiden zwischen den Obstbäumen. Ihre Lämmer sind schon fast groß. Einmal im Jahr wird geschlachtet, das Fleisch eingefroren oder getrocknet. Ein Fleischer macht außerdem Wurst daraus. Masthähnchen ergänzen den Speiseplan, genauso wie sechs Hühner, die fleißig Eier legen. „Und mein großer Sohn ist Jäger, der steuert im Herbst Wild bei.“

Im Juni sollen außerdem zwei Sattelschweine dazu kommen. „Die fressen vor allem Gras und Heu, so dass wir kein Kraftfutter zufüttern müssen“, erklärt der Tierhalter. Denn auch das Futter soll möglichst aus der eigenen Produktion stammen.

Olaf Schirmer kniet
sich jeden Tag voll in die
Gartenarbeit rein. Denn es
gibt immer was zu tun ...
Olaf Schirmer kniet sich jeden Tag voll in die Gartenarbeit rein. Denn es gibt immer was zu tun ...  © Thomas Türpe

„Ich denke, dass wir uns zu 80 Prozent selbst versorgen können“, meint Olaf Schirmer.

„Aber natürlich muss man immer Kompromisse eingehen. Kaffee, Gewürze und Kleidung müssen wir nach wie vor kaufen.“

Das Geld dafür, ebenso wie für Steuern und Gebühren, verdient seine Frau in einer Zahnarztpraxis. Außerdem betreibt der zweifache Familienvater eine Mosterei. „Bei mir bekommt jeder Saft von seinem eigenen Obst.“

Seinen Job als Techniker in einem Chemiebetrieb hatte er vor einem Jahr gekündigt. „Ich wollte schon lange aussteigen, hatte mich aber nie getraut“, erzählt Schirmer. Stein des Anstoßes war schließlich die Reise zum 25. Hochzeitstag nach Vietnam und Kambodscha. „Die Straßen dort sind voller Mopeds und jeder will ein Auto haben.

Das kann man denen nicht verübeln. Aber unsere Erde würde kollabieren“, machte sich der Sachse so seine Gedanken. Die Welt weiter auszubeuten, da wollte er nicht länger mitmachen. „Ziel ist es natürlich, irgendwann autark zu sein.“

Titelfoto: Thomas Türpe


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