Coronavirus: Werden jetzt auch in Deutschland ganze Städte abgeriegelt?

München - Die Abschottung ganzer Städte wegen des Coronavirus wie jetzt in Italien darf aus Sicht von Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml nur die Ultima Ratio sein.

Für Melanie Huml (44, CSU), Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, ist eine Abschottung ganzer Städte nur die allerletzte Lösung.
Für Melanie Huml (44, CSU), Staatsministerin für Gesundheit und Pflege, ist eine Abschottung ganzer Städte nur die allerletzte Lösung.  © Peter Kneffel/dpa

"Bevor über die Abriegelung einer Stadt entschieden wird, sollte zunächst auf andere Lösungsmöglichkeiten gesetzt werden", sagte die CSU-Politikerin der Deutschen Presse-Agentur in München.

Der Schutz der Bevölkerung in Bayern habe oberste Priorität. "Deshalb können auch einschneidende Maßnahmen vorgenommen werden, um eine Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen", so Huml. Wichtig sei aber, immer im konkreten Einzelfall zu entscheiden und mit Augenmaß vorzugehen.

Italien hat mehrere Gemeinden im Norden des Landes wegen des Virus-Ausbruchs abgeriegelt (TAG24 berichtete). Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte am Montag gesagt, notwendig sei so ein Schritt nicht. "Von der Absage von Großveranstaltungen (...) bis zum kompletten Abriegeln ganzer Städte gibt es ja auch noch viele Zwischenstufen."

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar H. Wieler, sagte im "heute-journal" des ZDF: "Quarantäne von ganzen Ortschaften kann ich mir in Deutschland nicht vorstellen." Die Menschen müssten dann mit Lebensmitteln und Wasser, aber auch mit ärztlicher Hilfe versorgt werden. Das sei in einem Quarantänegebiet sehr schwierig.

Viele Ärzte und Menschen hierzulande seien aufmerksam und würden sich wohl rechtzeitig auf das neuartige Virus testen lassen. Sobald ein Fall entdeckt werde, würden unter anderem Kontaktpersonen gesucht, erläuterte der RKI-Chef. "Das können die deutschen Behörden, das haben sie in Bayern sehr gut gezeigt."

Im Freistaat gab es 14 der 16 bisher in der Bundesrepublik positiv getesteten Covid-19-Patienten. So habe der Ausbruch eingedämmt werden können, sagte Wieler weiter.

SPD fordert Aufklärung über Coronavirus-Folgen

Ein Beamter der italienischen Gendarmerie Carabinieri kontrolliert den Grenzbereich des abgesperrten Gebietes um die unter Quarantäne stehenden Stadt Codogno.
Ein Beamter der italienischen Gendarmerie Carabinieri kontrolliert den Grenzbereich des abgesperrten Gebietes um die unter Quarantäne stehenden Stadt Codogno.  © Antonio Calanni/AP/dpa

Die SPD im Landtag fordert von der bayerischen Staatsregierung mehr Informationen über die Gefahren, Gegenmaßnahmen und Verhaltensweisen bezüglich des Coronavirus.

"Der Ausbruch des Virus in Italien schafft eine neue Situation und hat auch für Bayern Auswirkungen", sagte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion, Ruth Waldmann, laut am Dienstag in München verbreiteter Mitteilung.

"Nicht zuletzt in der Faschingswoche fahren viele Bayern nach Norditalien und könnten sich dort anstecken."

Um Panik zu vermeiden, müsse die Staatsregierung die Bevölkerung umfassend aufklären, forderte Waldmann.

"Die Leute müssen wissen, was auf sie zukommen kann und wie sie sich angesichts der potenziellen Bedrohung oder im Ansteckungsfall verhalten sollen."

Gegen Angst und Gerüchte helfen aus Sicht der Sozialdemokratin Information am besten: "Maßnahmen wie Abriegelungen oder häusliche Quarantäne müssten erklärt und begründet werden" - und das rechtzeitig vorher.


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