Coronavirus: Infizierter Kinderarzt mit Ehefrau in Isolation

Hamburg - Bei dem ersten im Norden an dem neuen Coronavirus erkrankten Mann handelt es sich um einen Arzt der Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikums Eppendorf (UKE) in Hamburg.

Der mit dem Coronavirus infizierter Mann arbeitete als Kinderarzt in der Kinderklinik am Hamburger UKE.
Der mit dem Coronavirus infizierter Mann arbeitete als Kinderarzt in der Kinderklinik am Hamburger UKE.  © Bodo Marks/dpa

Damit sei eine Einrichtung des Gesundheitswesens betroffen, sagte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am Freitag bei einer Pressekonferenz.

Es seien etwa 50 enge Kontaktpersonen des aus Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg) stammenden erkrankten Arztes ermittelt worden.

Die Betroffenen seien auf die Erkrankung getestet worden. "Alle bisher vorliegenden Ergebnisse sind negativ", sagte die Senatorin.

Es gehe aber nicht nur darum, die betroffenen Kontaktpersonen zu testen, sondern auch zu isolieren. Entweder Patienten und Patientinnen im UKE gemeinsam mit ihren Eltern oder aber - wenn ihre Situation das zulasse - zuhause. "Das sind Maßnahmen, die das Gesundheitsamt verhängt und auch überwacht", sagte die Senatorin.

Nach Angaben des Leiters des zuständigen Fachstabs, Martin Dirksen-Fischer, waren von den rund 50 Betroffenen 27 Patienten, die auf der Station im UKE isoliert worden sind.

Dem erkrankten Mediziner gehe es gut, sagte UKE-Vorstand Joachim Prölß. Er habe keine Symptome. Prölß betonte, "das UKE ist weiterhin voll handlungsfähig". Es sei nichts gesperrt. "Keiner muss sich Sorgen machen."

Update, 16.20 Uhr: Arzt hatte zu 100 Menschen Kontakt

Heiner Garg (FDP), Gesundheitsminister in Schleswig-Holstein, informiert über die Ausbreitung des Coronavirus im Norden.
Heiner Garg (FDP), Gesundheitsminister in Schleswig-Holstein, informiert über die Ausbreitung des Coronavirus im Norden.  © Frank Molter/dpa

Dem infizierten Mann gehe es den Umständen entsprechend gut, sagte Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) am Freitag in Kiel.

Nach Erkenntnissen der Behörden hatte der Mann nach seiner Rückkehr aus Italien neben etwa 50 Kontakten im beruflichen Umfeld am UKE auch Kontakte an seinem Wohnort.

"Im privaten Umfeld sind wir ungefähr bei 50 Kontakten", sagte Landrat Jan Peter Schröder. Die Behörden seien dabei, eine entsprechende Liste aufzustellen und die Personen zu kontaktieren.

Es werde untersucht, ob weitere Menschen infiziert sind. "Bisher sind aber noch keine Tests angeordnet worden."

Das Testergebnis der Ehefrau des Kinderarztes wird am Samstag erwartet. "Wir erwarten, dass wir weitere Fälle in Schleswig-Holstein haben werden", sagte Schröder.

Es gebe allen Anlass, die Situation ernst zu nehmen, sagte Gesundheitsminister Garg. Er sehe aber keinen Grund, vor Einkäufen am Wochenende oder der Teilnahme an Volksfesten wie dem laufenden Kieler Umschlag zu warnen. "Nichts von beidem ist angebracht: weder eine Verharmlosung, noch eine Übertreibung."

Die Infektionsreferentin des Gesundheitsministeriums, Anne Marcic, sprach von Einzelfällen. "Es gibt keinen Hinweis auf eine Zirkulation im Land." Das Virus sei noch neu, aber es gebe erste Hinweise, dass es in 15 Prozent der Fällen zu schwereren Formen kommen könne, die in Krankenhäusern behandelt werden müssten.

Bei der Verbreitung des Virus scheine eine Tröpfcheninfektion im Vordergrund zu stehen.

Marcic sieht aber keine Notwendigkeit, jede Person nach der Rückkehr aus einem Risikogebiet sofort zu testen. Dies sei nur sinnvoll, wenn Menschen Symptome zeigten. Nach Ansicht von Minister Garg gelte dabei das Motto: "Lieber einmal öfter testen als einmal zu wenig."

Die Frage der Kostenerstattung sei bundesweit geklärt.

Update, 14.35 Uhr: Arzt mit Ehefrau isoliert

Der Mann ist gemeinsam mit seiner Ehefrau in häuslicher Isolation, wie Landrat Jan Peter Schröder am Freitag in Kiel mitteilte. Es werde untersucht, ob auch sie infiziert ist.

Der Mann sei Jahrgang 1955. "Wir erwarten, dass wir weitere Fälle in Schleswig-Holstein haben werden", sagte Schröder. Es gebe allen Anlass, die Situation ernst zu nehmen, sagte Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP). Es gebe aber keinen Grund, vor Einkäufen am Wochenende oder der Teilnahme an Volksfesten wie dem laufenden Kieler Umschlag zu warnen.

Das Virus kursiere nicht in der Bevölkerung, betonte die Infektionsreferentin des Gesundheitsministeriums, Anne Marcic.

Update, 13.25 Uhr: Betroffene UKE-Mitarbeiter vom Dienst freigestellt

Unter den rund 50 Kontaktpersonen befinden sich 20 Ärzte und Mitarbeiter des UKE, davon sind zwölf Ärzte, der Rest setzt sich aus Pfleger und anderen Mitarbeitern zusammen. Sie wurden für die kommenden 14 Tage von ihrem Dienst freigestellt.

Zudem sind 27 Patienten bis sechs Jahre der Säuglings- und Kleinkindstation in Isolation. Keines dieser Kinder ist allerdings ohne Begleitung in der Klinik. Insgesamt 16 Begleitpersonen wurde ebenfalls isoliert.

Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks äußerte sich zu dem Coronavirus-Fall.
Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks äußerte sich zu dem Coronavirus-Fall.  © Christian Charisius/dpa

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