Coronavirus: zwei weitere Berliner infiziert, erste öffentliche Schule geschlossen

Berlin - Nach den ersten nachgewiesenen Fällen der neuen Coronavirus-Infektion in Berlin erwarten die Behörden an diesem Dienstag weitere Testergebnisse. Rund 60 Menschen wurden ausfindig gemacht, die als Kontaktpersonen eines bereits infizierten 22-Jährigen gelten.

Dilek Kalayci (l-r, SPD), Senatorin für Gesundheit, Lukas Murajda, Amtsarzt, und Ulrich Frei, Ärztlicher Direktor der Charité, informieren auf einer Pressekonferenz über den ersten Coronavirus-Fall in Berlin.
Dilek Kalayci (l-r, SPD), Senatorin für Gesundheit, Lukas Murajda, Amtsarzt, und Ulrich Frei, Ärztlicher Direktor der Charité, informieren auf einer Pressekonferenz über den ersten Coronavirus-Fall in Berlin.  © Jörg Carstensen/dpa

Darunter sind unter anderem Mitbewohner und Kollegen des jungen Mannes aus Berlin-Mitte. Auch seine Eltern, die aus Nordrhein-Westfalen stammen und in der Hauptstadt zu Besuch waren, wurden isoliert. In Nordrhein-Westfalen gibt es mit mehr als 90 Fällen bisher die größte Häufung von Infektionen in Deutschland.

Am Montagabend wurden nach dem ersten bekannt gewordenen Fall des 22-Jährigen noch zwei weitere Infektionen in Berlin gemeldet. Es handle sich um einen Mann in Marzahn-Hellersdorf und eine Frau in Mitte, teilte die Senatsverwaltung für Gesundheit am Montagabend mit.

Sie sollen nach bisherigen Erkenntnissen nicht mit dem Fall des erkrankten 22-Jährigen in Verbindung stehen. Der junge Patient wird weiter auf einer Isolierstation im Virchow-Klinikum der Charité behandelt.

Die Lehrkraft aus Marzahn-Hellersdorf habe sich offenbar auf einer Italien-Reise infiziert. Der Mann war mit zwei Gruppen aus 74 Schülern sowie sechs Lehrkräften auf Skifahrt in Südtirol und entwickelte nach der Rückkehr Krankheitssymptome. Er wird nun im Vivantes-Klinikum Kaulsdorf isoliert und behandelt.

Als Vorsichtsmaßnahme bleibt die Emanuel-Lasker-Oberschule in Friedrichshain, an der der Patient unterrichtet, bis auf Weiteres geschlossen. Schüler und Lehrer sollen zu Hause bleiben, bis die Testergebnisse der Kontaktpersonen vorliegen.

Auch Privatschule in Berlin-Mitte am Dienstag geschlossen

Die private Schule "Berlin Metropolitan School" in Berlin Mitte ist wegen des Coronavirus geschlossen.
Die private Schule "Berlin Metropolitan School" in Berlin Mitte ist wegen des Coronavirus geschlossen.  © Annette Riedl/dpa

Zuvor war bekannt geworden, dass die Berlin Metropolitan School ihren Schulbetrieb am Dienstag vorübergehend einstellt. Bei ihr handelt es sich um eine Privatschule in Berlin-Mitte, die Vor- und Grundschule sowie die Sekundarstufe umfasst. Nach Medienberichten soll es Verbindungen vom ersten Berliner Infektionsfall "in die Elternschaft" geben.

Die Charité richtet am Dienstag eine Untersuchungsstelle für Tests am Standort Virchow-Klinikum als eine spezielle Anlaufstelle ein. Bürger, die eine Infektion mit dem Erreger befürchten, können sich dorthin wenden, hatte Charité-Vorstand Ulrich Frei am Montag erläutert.

Die Charité bat auch auf Twitter aber darum, die Untersuchungsstelle nicht eigenmächtig aufzusuchen, sondern sich zuerst an die Hotline des Senats (030/90282828) oder an den Hausarzt zu wenden.

Das sei zunächst vor allem ein Angebot, um die eigene Notaufnahme zu entlasten. Der zuständige Amtsarzt vom Bezirk Mitte, Lukas Murajda, hatte am Montag gesagt, es sei nur eine Frage der Zeit, bis in der Stadt weitere Fälle entdeckt würden.

In Deutschland sind bislang rund 170 Infektionen (Stand: 2. März) mit dem Virus Sars-CoV-2 bekannt, das die Erkrankung Covid-19 verursachen kann. Die meisten Infizierten haben eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen oder gar keine Symptome.

15 von 100 Infizierten erkrankten schwer, hieß es vom Robert Koch-Institut. Sie bekommen etwa Atemprobleme oder eine Lungenentzündung.

Update, 15 Uhr

Die in Nordrhein-Westfalen lebenden Eltern des ersten bekannten Berliner Coronavirus-Patienten sind nicht infiziert. Tests seien negativ ausgefallen, sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Dienstag in Berlin. Zu den weiteren Kontaktpersonen lägen noch keine Ergebnisse vor.

Update, 13.35 Uhr

Wie die Gesundheitssenatorin Dilek Kalyci am Dienstagmittag mitgeteilt hat, sind in Berlin zwei weitere mit dem Coronavirus infiziert worden. Damit steigt die Zahl der Erkrankten auf nun fünf. Bei einem der Patienten soll es sich um einen jungen Mann aus Tempelhof-Schöneberg handeln. Alle 16 Personen, die zuvor mit ihm Kontakt standen, seien isoliert worden.

Bei dem anderen Infizierten handelt es sich um einen Arzt einer Tagesklinik in Neukölln.

Update, 12.57 Uhr

Nach der Emanuel-Lasker-Schule in Friedrichshain-Kreuzberg wurde auch ein nahe gelegener Teil der Modersohn-Grundschule geschlossen. Dabei gehe es um eine Filiale der Grundschule, die sich auf dem Gelände der weiterführenden Lasker-Schule befindet, sagte ein Sprecher der Senatsbildungsverwaltung am Dienstag.

Update, 11.45 Uhr

Nach dem ersten Coronavirus-Fall in Brandenburg versucht der Landkreis Oberhavel, alle Kontaktpersonen des Mannes der vergangenen Tage ausfindig zu machen. "Ziel ist es, die Infektionskette schnellstmöglich zu unterbrechen", sagte Amtsarzt Christian Schulze am Dienstag in einer Mitteilung. Der Mann selbst wurde bereits am Montag "häuslich isoliert". "Er befindet sich in einem stabilen Zustand", teilte der Landkreis mit.

Der 51 Jahre alte Mann aus Hohen Neuendorf war den Angaben zufolge am Montagvormittag zunächst in die Asklepios-Klinik in Birkenwerder gekommen und anschließend in die Rettungsstelle Hennigsdorf gebracht worden. Dort wurde er auf den neuartigen Erreger Sars-CoV-2 positiv getestet. Alle Personen des Pflegepersonals, mit denen der Mann in den Kliniken unmittelbaren Kontakt gehabt habe, wurden dem Landkreis zufolge umgehend isoliert. "Häusliche Quarantäne wurde für sie ebenso angeordnet wie für die Ehefrau des Mannes."


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