Fakten, Tipps und Aufklärung: Was Ihr jetzt zum Coronavirus wissen müsst

Sachsen - Die Ausbreitung des neuen Coronavirus "Sars-CoV-2" schreitet weltweit voran. Die Zahl der Infizierten steigt - auch in Deutschland. Es scheint nur eine Frage der Zeit, wann sich auch in Sachsen Infizierte in Behandlung begeben. Die aktuelle Entwicklung besorgt Millionen Menschen. Hysterie macht sich breit - das ist gefährlich und unangebracht. Die Gefahr sollte man aber auch nicht unterschätzen! Es ist jetzt angezeigt, umsichtig, klug und wissenschaftlich zu agieren. Hier Fakten rund um "Sars-CoV-2".

Ein Experte klärt auf

Hält aktuell insgesamt 14 Isolations-Betten vor: Prof. Dr. Alexander Dalpke (48) von der Uniklinik Dresden.
Hält aktuell insgesamt 14 Isolations-Betten vor: Prof. Dr. Alexander Dalpke (48) von der Uniklinik Dresden.  © Holm Helis

Prof. Dr. Alexander Dalpke (48), Direktor des Instituts für Virologie an der Uniklinik Dresden, entschlüsselt das neue Coronavirus.

  • Der Erreger: "Es gibt bereits vier nachgewiesene vergleichsweise harmlose Coronaviren, die klassische Erkältungssymptome wie Schnupfen verursachen, und die viele von uns schon befallen haben. Der neue Covid-19-Erreger aus der Familie der Coronaviren ähnelt den gefährlicheren SARS- und MERS-Erregern und sprang wahrscheinlich von Fledermäusen auf den Menschen über."
  • Die Übertragung: "Covid-19 wird durch Tröpfcheninfektion übertragen, wird auf unbelebten Gegenständen wie Paketen oder Lebensmitteln relativ schnell inaktiv. Das Virus vermehrt sich im Rachenraum und den unteren Atemwegen. Im Gegensatz zur Grippe ist die Ansteckungsfähigkeit viel höher, sodass auch kurze Kontakte mit dem Erreger ausreichen." Die Viren werden auch über den Stuhl ausgeschieden. Ob der infektiös ist - noch unklar.
Grassiert eine Angst vor der falschen Bedrohung? Das kugelförmige Coronavirus verbreitet Panik.
Grassiert eine Angst vor der falschen Bedrohung? Das kugelförmige Coronavirus verbreitet Panik.  © dpa, imago images/Guiseppe Ciccia/Science Photo
  • Der Test: Das Erbgut des Virus' ist entschlüsselt, kann in Rachenabstrichen oder Gurgelwasser nachgewiesen werden - wahrscheinlich aber erst einige Tage vor ersten Krankheitsanzeichen. Das am Konsiliarlabor für Coronaviren in Berlin entwickelte Testverfahren ist sehr sicher. Prof. Dalpke: "Die Virenlast in einem Hustentröpfchen ist millionenfach. Für den Nachweis reichen schon zehn Viren in einer Probe aus." Der Test kann in allen molekularbiologisch ausgestatteten Laboren durchgeführt werden, dauert etwa drei Stunden.
  • Die Kosten: Die Krankenkassen erstatten 59 Euro pro Test, wenn ein Atemwegsinfekt diagnostiziert wurde und der Patient aus einem Risikogebiet kommt oder Kontakte zu infizierten Personen hatte.
  • Immunität: "An einem völlig neu zu entwickelnden Impfstoff wird mit Hochdruck geforscht, der aber realistisch nicht vor Ende des Jahres vorliegen kann. Wer die Krankheit überstanden hat, ist wahrscheinlich immun gegen Covid-19. Mit Antikörpern aus dem Blut von Genesenen wird deshalb in China an einem Impfstoff geforscht", sagt Prof. Dalpke. "Eine herkömmliche Impfung gegen Grippe oder Keuchhusten schützt übrigens nicht." Durch konsequente Isolation wird versucht, die Verbreitung von Covid-19 zu begrenzen. So konnte auch SARS eingedämmt werden, von dem seit 2004 keine Infektionen mehr bekannt sind.

Wie schütze ich mich und meine Familie?

Ausreichender Schutz durch einfache Hygienemaßnahmen: Zellstofftaschentücher nicht benutzt in die Hosentasche stecken (im Abfalleimer mit Deckel entsorgen), Hände öfters täglich gründlich mit Seife waschen.
Ausreichender Schutz durch einfache Hygienemaßnahmen: Zellstofftaschentücher nicht benutzt in die Hosentasche stecken (im Abfalleimer mit Deckel entsorgen), Hände öfters täglich gründlich mit Seife waschen.  © DPA

Um die Infektionskette zu unterbrechen, gibt es einige sinnvolle Vorsichtsmaßnahmen, die derzeit übrigens auch in Anbetracht der Grippewelle gelten.

Ein Mundschutz ist nur sinnvoll, wenn man selber infiziert ist. Ebenso für die, die infizierte Menschen versorgen. Auch spezielle FFP-Masken ("Filtering face Piece") bieten nur ein paar Stunden Schutz.

Ansonsten rät das Bundesgesundheitsministerium zu einer guten Handhygiene, Husten- und Nies-Etikette (in die Armbeuge oder in ein Einwegtaschentuch) sowie Abstand (ein bis zwei Meter) zu Erkrankten. Vermeiden Sie außerdem Kontakt der Hände mit Mund, Nase und Augen.

Und wie schützen wir Kinder? Nicht sofort wegen Husten und Schnupfen zum Arzt gehen! Das wirkt in diesem Fall wie ein Brandbeschleuniger. Mit dem Ansturm besorgter Eltern auf Praxen besteht nur noch größere Gefahr, das Virus zu verbreiten. Stattdessen können Eltern erst einmal bei Telefon-Hotlines anrufen und sich informieren.

Das gilt auch für Erwachsene. Die Barmer-Krankenversicherung bspw. hat eine kostenlose Hotline zum Coronavirus geschaltet. Unter 0800/8484-111 kann sich jeder (auch bei anderen Kassen Versicherte) an Medizinexperten wenden.

Zehnmal tödlicher als Grippe

Eine Krankenschwester auf einer Essener Infektionsstation betrachtet in Schutzkleidung und mit einer Atemmaske zwei Abstrichröhrchen. In Sachsen ist noch kein Patient nachweislich an dem neuartigen Coronavirus erkrankt.
Eine Krankenschwester auf einer Essener Infektionsstation betrachtet in Schutzkleidung und mit einer Atemmaske zwei Abstrichröhrchen. In Sachsen ist noch kein Patient nachweislich an dem neuartigen Coronavirus erkrankt.  © Bernd Thissen/dpa

Die Inkubationszeit - also die Zeit von der Infektion bis zum Ausbruch der Krankheit - beträgt nach derzeitigem Kenntnisstand zwischen zwei und 14 Tage. "80 Prozent der Erkrankten zeigen bei Ausbruch der Krankheit nur milde Symptome wie bei einem grippalen Infekt, die ambulant behandelt werden können", sagt der Virologe Prof. Dr. Alexander Dalpke.

15 Prozent der Fälle verlaufen schwerer. "Patienten klagen über Kurzatmigkeit, Luftnot, hohes Fieber und die unteren Atemwege sind befallen."

Einige müssen sogar beatmet oder in ein künstliches Koma versetzt werden. Die Sterblichkeitsrate liegt derzeit bei etwa 2 Prozent (zum Vergleich Grippe: 0,2 Prozent).

Wer ist gefährdet? "Ältere Menschen und dabei vor allem Männer im Alter von über 70 Jahren erkranken häufiger. Kinder scheinen dagegen nicht so sehr gefährdet zu sein und zeigen harmlosere Krankheitsverläufe", weiß Prof. Dalpke.

Für Menschen mit Vorerkrankungen (Herz-, Kreislauf-, Gefäßsystem, Niere, Immundefekt) scheint Covid-19 besonders gefährlich zu sein. Sie müssen auf speziellen Isolierstationen der Krankenhäuser behandelt werden.

Prof. Dalpke: "Es gibt noch keine Medizin gegen die Erkrankung. Wir können nur die Symptome lindern."

Was tun bei Corona-Verdacht?

Bin ich auch infiziert und wie verhalte ich mich im Verdachtsfall? Im Unterschied zur Grippe sind bei Covid-19 starke Atembeschwerden mit Husten und Kurzatmigkeit charakteristisch. Aber auch bei anderen typischen Covid-19-Beschwerden wie Fieber, Frösteln oder Halsschmerzen (siehe Grafik) gilt: Arzt konsultieren. Achtung: Nicht einfach ins volle Wartezimmer setzen! Besser in der Praxis anrufen und den Verdacht schildern - zum Beispiel einen Aufenthalt oder Kontakt mit Personen aus Risikoregionen. Mindestens einen Meter Abstand zu anderen Personen halten!

Hiesige Behörden raten zur Ruhe

Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping warnt vor "Panikmache".
Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping warnt vor "Panikmache".  © Petra Hornig

Für Deutschland gibt es einen verbindlichen "Pandemie-Plan" der Regierung. Noch greift der nicht. Trotzdem koordiniert ein großer Krisenstab in Berlin schon jetzt ein bundeseinheitliches Vorgehen in Sachen Gesundheitsschutz und Innere Sicherheit.

Der Stab stimmt sich in diesen Fragen eng mit den betroffenen Ländern ab. Sachsens Gesundheitsministerin Petra Köpping (SPD) wiederholt angesichts der aktuellen Lage gebetsmühlenartig eine Bitte: "Keine Panik. Ruhe bewahren." Hamsterkäufe nennt sie "unnötig".

Auch das Robert-Koch-Institut hält das sächsische Gesundheitsministerium auf dem Laufenden über aktuelle Entwicklungen und Erkenntnisse. Köpping will die Informationen entsprechend verbreiten (Verlinkung über Ministeriums-Homepage sms.sachsen.de). In den vergangenen Tagen überprüften die Behörden die "Meldeketten" im Ernstfall. Gesundheitsämter, Ärzte, Krankenhäuser, Landesärztekammer sind gut vorbereitet, heißt es aus dem Ministerium.

Zudem tauschen sich die Behörden ständig mit bereits betroffenen Bundesländern aus, um von deren Erfahrungen im Umgang mit Infektionsfällen zu lernen. Man hält an der Strategie fest, Erkrankte im Einzelfall zu isolieren. Nur schwere Krankheitsfälle sollen in Kliniken behandelt werden.

Was Reisende jetzt wissen sollten

Trotz zahlreicher Neuinfektionen: Reisewarnungen gibt es bisher keine.
Trotz zahlreicher Neuinfektionen: Reisewarnungen gibt es bisher keine.  © imago images/Photocase

Italien, Österreich oder die Kanaren - einige Urlaubsregionen sind bereits vom SARS-CoV-2 betroffen. Reisewarnungen hat das Auswärtige Amt bis dato noch nicht ausgesprochen.

Airlines und die Deutsche Bahn reagieren aber auf das Coronavirus: "Reisende mit Fahrscheinen in die vom Coronavirus betroffenen Gebiete in Italien, die ihre Reise nicht mehr antreten möchten, können Ihren Fahrschein kostenfrei erstatten lassen", so ein Bahn-Sprecher.

"Unsere Verbindungen von und nach Italien finden wie geplant statt", meldet eine Lufthansa-Sprecherin. Die Airline bietet kostenlose Umbuchungen für Flüge von/nach Bologna, Mailand, Turin, Verona, Venedig, Triest und Genua an.

Wer aus China oder anderen betroffenen Regionen zurück nach Deutschland fliegt, braucht eine sogenannte Aussteigerkarte. Falls ein Fluggast infiziert ist, können alle Reisenden schnell informiert werden.

Aussteigerkarten sollen auch im grenzüberschreitenden Verkehr mit Zügen und Bussen ausgefüllt werden. Im Schiffsverkehr werde dies angeordnet.

Holger Wintraken vom Reisebüro Wintraken flugcenter in Dresden: "Asien-Reisen sind derzeit wenig gefragt. Das ist kein Zufall." Mehrere Kunden, so Wintraken, hätten sich bereits im Reisebüro informiert. "Dennoch denke ich, dass wir alle auf dem Boden der Tatsachen bleiben sollten." Gute Nachrichten für Pauschalreisende: Wer einen Urlaub in die vom Covid-19-Ausbruch betroffenen Gebiete in Norditalien geplant hat, kann ohne Gebühren stornieren.

Atemschutzmasken werden zur Mangelware, gleichzeitig tobt eine ganz reale Grippewelle mit derzeit schon 25 Toten in Sachsen!
Atemschutzmasken werden zur Mangelware, gleichzeitig tobt eine ganz reale Grippewelle mit derzeit schon 25 Toten in Sachsen!  © dpa, imago images/Guiseppe Ciccia/Science Photo
Klarheit nach rund drei Stunden: Der molekularbiologische Test zum Nachweis des Sars-CoV-2-Virus schlägt schon bei vier einzelnen Viren an.
Klarheit nach rund drei Stunden: Der molekularbiologische Test zum Nachweis des Sars-CoV-2-Virus schlägt schon bei vier einzelnen Viren an.  © imago images/Fotoarena

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