Coronavirus: Krankenhaus-Mitarbeiter aus Hamburg infiziert

Hamburg - Ein Mitarbeiter der Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) hat sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Es ist die erste nachgewiesene Infektion mit Sars-CoV-2 in Hamburg, wie die Klinik und die Behörde für Gesundheit am späten Donnerstagabend mitteilten.

Das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) bestätigte den Coronavirus-Fall.
Das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) bestätigte den Coronavirus-Fall.  © Georg Wendt/dpa

Der Mann sei in Italien im Trentino im Urlaub gewesen und am Sonntag an seinen Wohnort nach Schleswig-Holstein zurückgekehrt.

Am Montag habe er noch am UKE gearbeitet - und dann am Dienstag während der Arbeit Krankheitssymptome entwickelt. Daraufhin habe er den Dienst abgebrochen, hieß es weiter.

Alle Kinder und Eltern, die engen Kontakt mit dem Mitarbeiter hatten, gehen demnach nun 14 Tage in Quarantäne - je nach Gesundheitszustand im UKE oder zu Hause. Auch andere Mitarbeiter gehen nun in eine häusliche Isolation. Auf der betroffenen Station sollen vorerst keine neuen Patienten mehr aufgenommen werden.

Der Infizierte selbst ist demnach in stabilem Zustand und in häuslicher Quarantäne. Seine Kontaktpersonen sollten informiert und getestet werden. Das Trentino sei nicht als Risikogebiet für das neuartige Coronavirus definiert gewesen, hieß es.

Der Fachstab Seuchenschutz der Hamburger Gesundheitsbehörde kam noch in der Nacht mit Experten des UKE zusammen, um über die Maßnahmen und das weitere Vorgehen zu beraten. Details sollen in einer Pressekonferenz am Freitag bekanntgegeben werden.

Höhere Sterberate als bei Grippe

Der infizierte UKE-Mitarbeiter arbeitete in der Kinder- und Jugendmedizin.
Der infizierte UKE-Mitarbeiter arbeitete in der Kinder- und Jugendmedizin.  © Georg Wendt/dpa

Zuvor waren schon Coronavirus-Fälle in Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz bekanntgeworden. Allein in NRW wurden am Donnerstagabend 14 neue Infektionen bekannt. Deutschlandweit sind aktuell mehr als 30 Infizierte bekannt, vor mehr als zwei Wochen waren schon 16 weitere Sars-CoV-2-Infektionen gemeldet worden.

Am Freitag will auch der Krisenstab der Bundesregierung über weitere Vorkehrungen beraten. Thema soll nach Angaben von Gesundheits- und Innenministerium unter anderem der Umgang mit Großveranstaltungen wie Messen sein. So geht es um Auswirkungen auf die Internationale Tourismusbörse (ITB), die am 4. März in Berlin beginnen soll.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnte am Donnerstag, der neue Erreger habe "pandemisches Potenzial" und könnte ohne die richtigen Maßnahmen "außer Kontrolle geraten". Sars-CoV-2 kann die Lungenkrankheit Covid-19 verursachen.

Die meisten Infizierten haben nur eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen oder gar keine Symptome. 15 von 100 Infizierten erkrankten schwer, sagte der Chef des Robert Koch-Instituts (RKI). Sie bekommen etwa Atemprobleme oder eine Lungenentzündung.

Nach bisherigen Zahlen sterben ein bis zwei Prozent der Sars-CoV-2-Infizierten, was höher als bei der Grippe ist.

Update, 9.55 Uhr: UKE- und Behörden geben Pressekonferrenzen

Nach der ersten nachgewiesenen Infektion mit Sars-CoV-2 in Norddeutschland wollen die Behörden am Freitag (14 Uhr) über die Vorkehrungen am Wohnort des Patienten in Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg) informieren. Der Mann befindet sich dort in häuslicher Isolation, wie das Gesundheitsministerium in Kiel mitteilte.

Neben Schleswig-Holsteins Gesundheitsminister Heiner Garg (FDP) wollen auch der Segeberger Landrat Jan Peter Schröder, der Fachdienstleiter Infektionsschutz Uwe Petry und die Infektionsreferentin des Ministeriums, Anne Marcic, über die konkreten Maßnahmen in dem Kreis berichten.

Infiziert hat sich ein Mitarbeiter der Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE), der in Henstedt-Ulzburg lebt. Ihm gehe es so weit gut, und er sei in häuslicher Isolation, sagte eine UKE-Sprecherin am Freitag.

Am Mittag wollen Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD), Behörden und die Klinik bei einer Pressekonferenz weitere Details zu dem Fall bekannt geben.

Update, 11.05 Uhr: Bürgermeister rät zur Besinnung

Die Infektion eines Bewohners von Henstedt-Ulzburg mit dem neuartigen Coronavirus hat nach Angaben der Stadt bisher keine Einschränkungen des öffentlichen Lebens zur Folge. So gebe es auch keine Straßensperrungen oder ähnliches, sagte Bürgermeister Stefan Bauer (parteilos). "Wir reden über einen Einzelfall."

Es gebe derzeit keinerlei Hinweise, dass die Stadt in den Katastrophenschutzmodus gehen müsse. "Auch die Bürgermeisterwahl am Sonntag findet statt", sagte Bauer. Er trete zur Wahl nicht wieder an.

Bauer rief die Bewohner der Stadt im Kreis Segeberg auf, besonnen und ruhig zu bleiben und die Verhaltensregeln des Robert-Koch-Instituts zu befolgen.

Update, 12.15: Kontaktpersonen ermittelt

Bei dem ersten im Norden an dem neuen Coronavirus erkrankten Mann handelt es sich um einen Arzt. Das sagte Hamburgs Gesundheitssenatorin Cornelia Prüfer-Storcks (SPD) am Freitag bei einer Pressekonferenz. Er arbeitet in der Kinder- und Jugendmedizin am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE).

Nach Angaben der Senatorin wurden etwa 50 Kontaktpersonen des Erkrankten aus Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg) identifiziert.


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