Coronavirus in Deutschland: Wie gut ist Hessen gerüstet?

Frankfurt am Main - Das Coronavirus ist bei einem Patienten in Bayern nachgewiesen worden. Hessen sieht sich weiterhin vorbereitet, im Ernstfall schnell reagieren zu können.

Der erste bestätigte Coronavirus-Patient in Deutschland liegt auf der Isolierstation im Münchner Klinikum Schwabing.
Der erste bestätigte Coronavirus-Patient in Deutschland liegt auf der Isolierstation im Münchner Klinikum Schwabing.  © dpa/Sven Hoppe

Die Gefahr, dass sich die neue Lungenkrankheit hierzulande weiter verbreitet, sei "nach wie vor gering", heißt es im Bundesgesundheitsministerium.

Dennoch sind auch in Hessen Institutionen und Experten in Alarmbereitschaft und rüsten sich für den Fall der Fälle.

Sozialministerium: Ob und welche Folgen der Nachweis des Erregers in Bayern für Hessen hat, werde derzeit abgestimmt, sagte eine Sprecherin am Dienstag in Wiesbaden. Alle Beteiligten stünden im engen Austausch.

Am Vortag hatte das Sozialministerium mitgeteilt, Hessen sei vorbereitet, im Ernstfall schnell zu reagieren, damit es nicht zu einer Verbreitung komme. Bürger können sich auf der Webseite des Ministeriums rund um das Virus informieren - und für weitergehende Fragen mittlerweile auch bei einer Hotline.

Das Frankfurter Gesundheitsamt habe diese in Abstimmung mit dem Ministerium eingerichtet, teilte die Sprecherin weiter mit.

"Lage kann sich jederzeit ändern": Flughafen Frankfurt ist gewappnet

Am Wochenende war ein Fluggast aus China mit Fieber-Symptomen in Frankfurt gelandet (Archivbild).
Am Wochenende war ein Fluggast aus China mit Fieber-Symptomen in Frankfurt gelandet (Archivbild).  © dpa/Boris Rössler

Deutschlands größter Flughafen in Frankfurt sei gewappnet für einen möglichen Krankheitsfall, sagte eine Sprecherin der Betreibergesellschaft Fraport.

Seit dem Wochenende werden Passagiere via Monitore über den Virus und über Schutzvorkehrungen informiert. Generelle Fieberkontrollen bei Passagieren aus China werden weiterhin nicht durchgeführt.

"Wir sind im engen Austausch mit den Gesundheitsämtern", heißt es. "Die Lage kann sich jederzeit ändern."

Am Wochenende war ein Fluggast auch China mit Fieber-Symptomen in Frankfurt gelandet. Er sei noch an Bord von einem Mediziner untersucht und befragt worden, dieser habe dann Entwarnung gegeben.

Und was, wenn es in anderen Fällen Hinweise auf eine mögliche Erkrankung mit dem Coronavirus gäbe? "Dann entscheidet der beauftragte Arzt über weitere Schritte und gegebenenfalls über die Verlegung auf die Isolierstation der Frankfurter Uniklinik", so die Sprecherin.

Uni-Kliniken: Sonder-Isolierstation für den Fall der Fälle

Im Fall des Falles verfügt die Uniklinik Frankfurt für eine Behandlung über eine Sonder-Isolierstation für Patienten (Archivbild).
Im Fall des Falles verfügt die Uniklinik Frankfurt für eine Behandlung über eine Sonder-Isolierstation für Patienten (Archivbild).  © dpa/Boris Rössler

Auch die hessischen Uni-Klinken sehen sich gerüstet. Verdachtsfälle auf den Coronavirus gab es bereits in Marburg und Frankfurt - wurden aber nicht bestätigt.

Solche Patienten werden nach einem Standardverfahren betreut, wie eine Sprecherin des Frankfurter Universitätsklinikums erläuterte.

"In Zusammenarbeit mit dem Stadtgesundheitsamt stellen wir sicher, dass Patienten, die sich mit einer akuten Atemwegserkrankung vorstellen und aus einer Risikoregion kommen oder einen Risikokontakt hatten, schnell identifiziert und sicher behandelt werden."

Die Verdachtsfälle werden demnach isoliert und mit einem speziellen Test auf den Corona-Erreger untersucht.

Dieser liefere rasch Ergebnisse, so die Sprecherin. Im Fall des Falles verfügt die Klinik für eine Behandlung über eine Sonder-Isolierstation für Patienten.

Unternehmen empfehlen Home Office

Der Bad Homburger Gesundheitskonzern hat ebenfalls Niederlassungen in China.
Der Bad Homburger Gesundheitskonzern hat ebenfalls Niederlassungen in China.  © DPA/Arne Dedert

Im Rhein-Main-Gebiet gibt es eine große chinesische Community. "Wir sind eine der wichtigsten Standorte für chinesische Firmen in Europa", sagt Sonja Müller von der Industrie- und Handelskammer (IHK) in Frankfurt.

Über 800 Unternehmen aus China hätten hier eine eigene Niederlassung. "Ich habe mit ein paar größeren Firmen gesprochen, die wirkten alle vorbereitet und gefasst."

Einige würden ihre Mitarbeiter bitten, so sie gerade aus China kommen, die ersten Tage im Home-Office zu arbeiten, um eventuelle Ansteckungen auszuschließen.

Umgekehrt betreiben etwa 700 und 800 hessische Unternehmen laut IHK Sparten oder Niederlassungen in China, so auch der Bad Homburger Gesundheitskonzern Fresenius.

Vertriebsmitarbeitern der Flüssigmedizinsparte Kabi in der Region Wuhan habe man empfohlen, möglichst von zu Hause zu arbeiten, erklärte Fresenius am Dienstag. Die Beschäftigten vor Ort seien für Notfallpläne sensibilisiert worden.

Fresenius habe am Standort Wuhan mehr als 50 Mitarbeiter. In der abgeriegelten Metropole war das Coronavirus erstmals aufgetreten.

Lufthansa-Personal kann sich auf Wunsch mit Atemmasken schützen

Mitarbeiter der Lufthansa können auf Wunsch Atemmasken tragen (Symbolbild).
Mitarbeiter der Lufthansa können auf Wunsch Atemmasken tragen (Symbolbild).  © dpa/Georg Wendt

Die Furcht vor dem Virus trifft auch die Lufthansa. "Wir verzeichnen ein leicht zurückgehendes Buchungsverhalten bei Flügen von und nach China", sagte ein Sprecher der Fluggesellschaft in Frankfurt.

Genaue Zahlen wurden zunächst nicht genannt. Das Personal könne sich auf Wunsch mit Masken schützen.

"Wir stellen unseren Mitarbeitern frei, ob sie auf den Flügen nach und von China einen Atemschutz tragen wollen", hieß es. Auch auf dem Aktienmarkt bekam die Lufthansa die Auswirkungen des Coronavirus zu spüren.

Auf der Frankfurter Messe war vorerst kein Einbruch durch den Ausbruch in China spürbar. Es gebe bislang keine Absagen zur Weltleitmesse "Ambiente", die am kommenden Freitag eröffnet werden soll, wie ein Sprecher der Messegesellschaft erklärte.

2019 hatten die Chinesen bei der Ambiente mit 601 Firmen die zweitgrößte Ausstellergruppe gestellt. Auf der Ausstellerliste 2020 sind 664 Einträge aus China zu finden, darunter drei Firmen, die direkt aus der Stadt Wuhan kommen.

Bei dem am Dienstag beendeten Ausstellungstrio Christmasworld - Paperworld - Creativeworld sei die Zahl der Besucher aus Asien zwar insgesamt zurückgegangen.

Dies habe aber eher mit der zeitlichen Überschneidung zum chinesischen Neujahrsfest zu tun, erklärte eine Sprecherin. "Das erleben wir alle paar Jahre mal."

Titelfoto: DPA/Picture Alliance