Sechs Coronavirus-Fälle in NRW: Hunderte in Quarantäne, Aufruf zur Besonnenheit

Mönchengladbach - Bei einem Arzt aus dem Kreis Heinsberg ist nach Angaben der Stadt Mönchengladbach das neuartige Coronavirus nachgewiesen worden.

Karl-Josef Laumann (CDU), Gesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen, beantwortet Fragen von Journalisten. Im Kreis Heinsberg ist der erste bestätigte Coronavirus-Fall in Nordrhein-Westfalen aufgetreten.
Karl-Josef Laumann (CDU), Gesundheitsminister von Nordrhein-Westfalen, beantwortet Fragen von Journalisten. Im Kreis Heinsberg ist der erste bestätigte Coronavirus-Fall in Nordrhein-Westfalen aufgetreten.  © Federico Gambarini/dpa

Die Stadt geht davon aus, dass die Infektion des Mediziners in den zuvor veröffentlichten Zahlen des Kreises Heinsberg bereits enthalten ist - also dass er einer der fünf nachweislich Infizierten ist.

Der Arzt sei in einem Krankenhaus in Mönchengladbach tätig.

Nach bisherigen Erkenntnissen habe der Mediziner eine Karnevalsveranstaltung im Kreis Heinsberg besucht, auf der auch Kontaktpersonen des schwer erkrankten Mannes aus Gangelt anwesend gewesen sein sollen, der an der Uniklinik in Düsseldorf behandelt werde, teilte ein Stadtsprecher der Deutschen Presse-Agentur mit.

Der Arzt befindet sich derzeit in häuslicher Quarantäne und sei angewiesen, dort vorerst zu bleiben. Der Verdacht, der sich am Mittwochnachmittag ergeben habe, sei gegen 20 Uhr durch einen Laborbefund bestätigt worden.

Es gibt bisher fünf nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus-Infizierte in Nordrhein-Westfalen, alle wohnen im Kreis Heinsberg. Die "Rheinische Post" hatte online über eine Coronavirus-Fall bei einem Arzt in Mönchengladbach berichtet.

Update, 16.20 Uhr: Wenige Labore in NRW führen Corona-Tests durch

Der Essener Virologe Prof. Ulf Dittmer schätzt, dass in Nordrhein-Westfalen mittlerweile 10 bis 15 Labore testen können, ob ein Patient mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 infiziert ist.

"Inzwischen sind das alle Unikliniken, aber auch schon private Laboranbieter", sagte Dittmer der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag. In NRW gibt es sechs Unikliniken.

An der Uniklinik Essen werden nach seinen Angaben seit Mittwoch täglich rund zehn Tests vorgenommen. Wenn möglich, sollen die Proben jeweils bis 13 Uhr vorliegen. "Wir testen dringende Fälle aber auch außerhalb dieser Zeiten, allerdings nicht in der Nacht."

Ein Test benötige mit Auswertung 3,5 Stunden. Dittmer ist Spezialist für Viruserkrankungen und leitet das Institut für Virologie der Essener Uniklinik.

Update, 16.15 Uhr: Öffentlicher Nahverkehr fährt ohne Einschränkungen

Trotz mehrerer Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus ist der Öffentliche Nahverkehr in Nordrhein-Westfalen bislang nicht beeinträchtigt. Man habe bislang keine besonderen Maßnahmen eingeleitet, hieß es von mehreren Verkehrsbetrieben. Es gebe auch keine Einschränkungen.

Im Pendlerland NRW begegnen sich tagtäglich große Menschenmengen in Bussen und Bahnen auf engstem Raum. Zum Schutz vor einer Ansteckung tragen einzelne Fahrgäste Schutzmasken.

Update, 13.12 Uhr: Bislang keine Maßnahmen im Kölner Dom

Im Kölner Dom gibt es vorläufig noch keine Maßnahmen wegen des Coronavirus. "Aktuell gibt es keine Einschränkungen oder besonderen Hygienemaßnahmen", sagte Domsprecher Markus Frädrich am Donnerstag.

"Wir beobachten die Entwicklung der Coronavirus-Zahlen aber genau und behalten uns gesundheitliche Sicherheitsvorkehrungen vor."

Update, 12.25 Uhr: Hunderte Menschen unter Quarantäne

Mehrere Hundert Menschen stehen wegen des Coronavirus nach Schätzungen des Kreises Heinsberg von Donnerstag unter häuslicher Quarantäne.

Betroffen seien vor allem Besucher einer Karnevalssitzung in Gangelt, die auch das infizierte Paar besucht hatte. Es gelte auch für das Personal und Kinder des Kindergartens, in dem die Frau beschäftigt ist.

Betroffen seien auch die Menschen, die mit diesen Betroffenen in einem Haushalt lebten, sagte der Sprecher des Kreises Heinsberg, Ulrich Hollwitz. Genaue Zahlen erhebe der Kreis nicht.

Die Leute dürften 14 Tage lang ihre Wohnungen nicht verlassen und müssten sich von Freunden, Verwandten oder Nachbarn mit Lebensmitteln versorgen lassen, die dann die Einkäufe vor der Haustür abstellten. Das funktioniere sehr gut.

Außerdem müssten die Menschen in Quarantäne nach Vorgaben des Gesundheitsamtes eine Art Protokoll zu ihrem Gesundheitszustand erstellen. Das Gesundheitsamt bleibe in der Zeit in Kontakt mit den Betroffenen.

Update, 12.10 Uhr: Absage von Fußballspielen im Kreis Heinsberg

Am kommenden Wochenende werden alle Spiele im Verbands- und Kreisspielbetrieb im Fußballkreis Heinsberg abgesagt. Dies habe der Fußball-Verband Mittelrhein und der Fußballkreis Heinsberg entschieden, wie der Fußballverband mitteilte.

Oberste Priorität habe die Gesundheit der Menschen.

Update, 10.30 Uhr: Keine Infektion in Leverkusen

Eine am Mittwoch in ein Leverkusener Krankenhaus gebrachte Frau ist nicht am neuartigen Coronavirus erkrankt. Das sagte am Donnerstag eine Sprecherin der Stadt Leverkusen.

Der 25-Jährigen gehe es den Umständen entsprechend gut, sie weise keine starken Erkältungssymptome auf und werde heute aus der Klinik entlassen.

Die Mitarbeiterin des Leverkusener Chemparks hatte sich am Mittwoch bei der dortigen Gesundheitsstation gemeldet und war als Verdachtsfall isoliert und untersucht worden.

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums haben sich bis zum Donnerstagmorgen in Nordrhein-Westfalen bislang sechs Menschen mit dem Coronavirus infiziert.

Update, 10 Uhr: Sechs Infizierte in NRW

Bei dem Coronavirus-Ausbruch in Gangelt im Westen Nordrhein-Westfalens wurden nach Angaben des NRW-Gesundheitsministeriums insgesamt sechs Patienten infiziert. Einer von ihnen - ein 41-jähriger Bundeswehrsoldat - werde in Rheinland-Pfalz behandelt.

Infiziert sind demnach ein 47-jähriger Mann und seine 46 Jahre alte Frau, die derzeit in der Uniklinik Düsseldorf behandelt werden.

Bestätigt wurde der Coronavirus-Verdacht außerdem bei einer Mitarbeiterin des 47-Jährigen und bei deren Lebensgefährten.

Hinzu komme der Soldat sowie ein Arzt, der in den Kliniken Maria Hilf in Mönchengladbach arbeitet, wie eine Ministeriumssprecherin am Donnerstag sagte.

Update, 8.12 Uhr: Die Lage in Köln

Gute Nachrichten gab es in der Nacht auf Donnerstag aus der Stadt Köln: Bei allen getesteten Patienten und Mitarbeitern der Uniklinik habe der Test keinen Nachweis auf Coronaviren ergeben.

Der schwer erkrankte 47-Jährige aus Gangelt hatte sich im Februar zweimal in der Uniklinik zu ambulanten Untersuchungen zu einer anderen Erkrankung aufgehalten.

Zehn Mitarbeiter der Uniklinik Köln und 31 Personen, die in den gleichen Wartezimmern gesessen haben, waren als mögliche Kontaktpersonen ermittelt worden. Für sie gilt weiterhin eine zweiwöchige Isolation. Die Stadt Köln hat für Bürger ebenfalls eine Info-Seite zum Coronavirus eingerichtet

Update, 8.09 Uhr: Städtetag warnt vor übertriebener Sorge

Der Städte- und Gemeindebund in NRW ruft die Menschen zur Besonnenheit angesichts der Coronavirus-Fälle im Land auf.

"Für Panik ist absolut kein Grund. Wir sind vorbereitet", versicherte der Präsident des Kommunalverbands, Roland Schäfer, am Donnerstag im WDR5-Interview.

Man müsse die wenigen bestätigten Coronavirus-Fälle im Verhältnis sehen - etwa zur viel stärker verbreiteten Influenza-Grippe: "In den letzten zwei Jahren sind jeweils pro Jahr über 20.000 Menschen gestorben an der Grippe, ohne dass wir (...) hier in der Bundesrepublik Panikkäufe oder Hamsterkäufe oder so etwas hätten", sagte Schäfer.

Eine Gefahr im Moment seien aber gezielte Falschinformationen, mit denen im Internet Panik geschürt werden solle. Schäfer riet, sich Informationen ausschließlich auf der Internetseite der zuständigen Stadt- oder Kreisverwaltung zu besorgen.

"Dort finden Sie die Informationen, die gültig sind. Da muss man nachgucken, und sich nicht von irgendwelchen Diskussionsgruppen beeinflussen lassen."

Das Robert-Koch-Institut und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung haben Webseiten eingerichtet.

Bisher "keine Erkenntnisse über eine Infektionskette" mit Ursache in Mönchengladbach

Das Gesundheitsamt Mönchengladbach sei dabei, mit Unterstützung der Klinik die Kontaktpersonen, mit denen der Arzt in den letzten beiden Tagen zu tun hatte, zu ermitteln, hieß es.

"Es gibt keine Erkenntnisse über eine Infektionskette, die ihre Ursache in Mönchengladbach hat. Somit gibt es – im Gegensatz zur Suche nach der Infektionskette im Kreis Heinsberg - keinen Sachverhalt, der das Schließen öffentlicher Einrichtungen zum jetzigen Zeitpunkt erforderlich macht", erläuterte ein Sprecher der Stadt am späten Mittwochabend zu dem Fall.


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