Schon der sechste Coronavirus-Fall in Berlin: Infizierter arbeitet in einem Großraumbüro

Berlin - Nach den ersten bekannt gewordenen Coronavirus-Infektionen in Berlin müssen Ärzte viele weitere Tests auswerten. Wie viele Menschen haben sich noch infiziert?

Blick auf den Eingang des Virchow-Klinikums in Berlin-Wedding. In Berlin gibt es bereits sechs Coronavirus-Infizierte.
Blick auf den Eingang des Virchow-Klinikums in Berlin-Wedding. In Berlin gibt es bereits sechs Coronavirus-Infizierte.  © Jörg Carstensen/dpa

Bis Dienstagabend meldete die Senatsverwaltung für Gesundheit sechs Fälle. Die meisten dieser Infizierten liegen in Krankenhäusern. Kontaktpersonen werden untersucht.

Bundesweit gibt es mit Stand Dienstag knapp 200 Fälle. Das Robert Koch-Institut (RKI) rechnete aber mit weiteren Infektionen und Ausbrüchen in Deutschland.

"Es kann durchaus passieren, dass wir mehrere Jahre mit dem Virus leben müssen. Keiner kann die Ausbreitung verhindern", sagte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD).

An der Charité sollte die Arbeit in einer eigens eingerichteten Untersuchungsstelle weitergehen. Dort werden Abstriche genommen und untersucht. Aufgrund stark gestiegener Anruferzahlen soll außerdem die Berliner Coronavirus-Beratungshotline mit mehr Personal aufgestockt werden, hatte Gesundheitssenatorin Dilek Kalayci (SPD) am Dienstag angekündigt.

Nach der Charité wollen auch Vivantes-Kliniken in Berlin Einrichtungen zur Abklärung von Coronavirus-Verdachtsfällen eröffnen. Berliner, die befürchten, sich angesteckt zu haben, sollen zunächst aber die Hotline der Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit (030/90282828) oder ihren Hausarzt anrufen, hieß es. Dort werde eine Empfehlung zum weiteren Vorgehen ausgesprochen.

Michael Müller schließt Absage von Großveranstaltungen nicht aus

Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) spricht über die weitere Entwicklung der Coronavirus-Fälle in Berlin
Berliner Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) spricht über die weitere Entwicklung der Coronavirus-Fälle in Berlin  © Frank May/dpa - Zentralbild/dpa

Mehrere Schulen wurden wegen des Coronavirus geschlossen. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) begrüßte zwar das schnelle Handeln der Schulen, lehnte aber flächendeckende Schließungen ab.

Zu Absagen von Großveranstaltungen sagte er: "Wir müssen reagieren auf diese besondere Situation, auch mit der Absage von Veranstaltungen." Von Veranstaltungen mit vielen Besuchern gehe ein besonderes Risiko aus. Es sei wichtig, kein Risiko einzugehen.

Bei dem sechsten am Dienstagabend bekannt gewordenen Fall handelt es sich um einen Mann aus Mitte, der mit dem ersten Berliner Patienten, einem 22-Jährigen, in einem Großraumbüro zusammengearbeitet hat. Die Senatsgesundheitsverwaltung schrieb, sie habe alle zuständigen Amtsärzte aufgefordert, alle Personen in dem Großraumbüro umgehend zu testen.

Bei den anderen Infizierten handele es sich um eine Frau und vier Männer, darunter ein Lehrer aus Marzahn-Hellersdorf und ein Arzt einer Neuköllner Tagesklinik, so Kalayci. Bei ihnen sei ein Zusammenhang mit Reisen festzustellen. Eine weitere Auffälligkeit sei, dass die fünf Fälle nichts miteinander zu tun hätten. Mehrere Kontaktpersonen der Erkrankten seien kontaktiert und isoliert worden. Sie sollten getestet werden.

Die große Mehrheit der Infizierten hat keine Beschwerden oder lediglich Erkältungssymptome, die rasch wieder abklingen. Schwerere Krankheitsverläufe - etwa eine Lungenentzündung - entwickeln nach den bisherigen weltweiten Erkenntnissen bis zu 15 Prozent. Häufig sind darunter alte Menschen und Patienten mit Vorerkrankungen. Die Isolation der Betroffenen und die Suche nach Kontaktpersonen erfolgt, damit sich die Ausbreitung des Virus möglichst verlangsamt. Dadurch soll möglichst viel Kapazität im Gesundheitssystem erhalten bleiben.

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