Dresdner laden Wildfremde zu sich auf die Couch ein

Schon über 10.000 Dresdner bieten fremden Menschen aus der ganzen Welt ihre Couch an ...
Schon über 10.000 Dresdner bieten fremden Menschen aus der ganzen Welt ihre Couch an ...

Von Juliane Bauermeister

Dresden - "Komm unter meine Decke ..." Dresden ist gastfreundlich! Den Beweis liefern Hunderte zufriedene Sofaschläfer! Denn aktuell bieten mehr als 10.000 Dresdner fremden Menschen aus der ganzen Welt ihr Sofa zum Übernachten an.

Die Internetplattform couchsurfing.com wurde 2004 in San Francisco gegründet. Inzwischen gibt es über zehn Millionen Nutzer weltweit. Das Prinzip ist simpel: Jeder kann sich dort anmelden, einen Schlafplatz anbieten oder nach einem suchen.

Das Ganze ist kostenlos und dient dazu, dass Menschen die Welt erkunden können, ohne teure Hotels zu buchen. Außerdem kommt man so direkt mit Einheimischen ins Gespräch und erfährt viel schneller etwas über Land und Leute - sowohl der Reisende als auch der Einheimische.

Besonders in der jetzigen Zeit, in der unsere Stadt eher als fremdenscheu und intolerant dasteht, ist das doch ein Lichtblick. Dresden kann anders, Dresden ist anders. Drei Dresdner Gastgeber berichten, warum sie ihre Couch der ganzen Welt anbieten.

Neustadt

Wer die Managerin besucht, bekommt die volle Ladung Gastfreundschaft: Kaffee, Übernachtungsplatz und Insider-Tipps.
Wer die Managerin besucht, bekommt die volle Ladung Gastfreundschaft: Kaffee, Übernachtungsplatz und Insider-Tipps.

Storemanagerin Anne Kuch (22) wohnt in einer 50 Quadratmeter großen 2-Raum-Wohnung: „Mir geht es darum, mich sozial zu engagieren. Das sind oft junge Leute, die gern in der Welt herumreisen und einfach nicht das Geld fürs Hotel haben. Viele sind dann sehr dankbar, oft bekomme ich kleine Gastgeschenke aus ihrem Herkunftsland. Und ich kann dadurch mein Englisch verbessern. Ich nehme aber nur Mädels auf, da ich ja meist hier alleine bin. Einmal hatten hier zwei Frauen übernachtet, eine aus Italien, eine aus Island. Sie hatten eine Gesangsaudition in der Semperoper. Eine hat es sogar geschafft und zieht bald nach Dresden. Da werden wir uns wiedersehen.“

Johannstadt

Student Amaid Jafri (29) kommt aus Pakistan und wohnt in einer kleinen 13-Quadratmeter-Studentenbude: „Ich bin im Oktober letzten Jahres für mein Studium nach Dresden gekommen. Seitdem hatte ich schon rund 45 Gäste. Mein Zimmer ist zwar nicht groß, aber die Leute wollen ja was von der Stadt sehen, da spielt das keine Rolle. Das ist Globalisierung und bringt Leute und Kulturen zusammen. Für mich ist es auch eine Möglichkeit, Fragen der Leute zu meiner Herkunft zu beantworten. Und andersherum. In meinem kleinen Raum kann ich so die ganze Welt sehen.“

Großzschachwitz

Finanzdienstleisterin Edith Bombach (65) hatte schon über hundert Couchsurfer zu Besuch: „Zusammen mit meinem Mann wohne ich auf 112 Quadratmetern in einer 5-Raum-Wohnung. Die vier Kinder sind schon aus dem Haus, deshalb haben wir unheimlich viel Platz. Wenn Couchsurfer da sind, zeige ich ihnen ganz Dresden. Dabei lerne ich auch oft etwas von ihnen. Ob Mann oder Frau, ist mir egal, ich habe 30 Jahre Judo gemacht, an mir kommt so schnell keiner vorbei. Aber bisher waren alle immer sehr freundlich und nett. Ich war selbst schon mit meinem Mann in Neuseeland bei einem echten Maori und in Helsinki - alles über Couchsurfing.“

Obwohl Anne allein wohnt, nimmt sie regelmäßig Besucher bei sich auf.
Obwohl Anne allein wohnt, nimmt sie regelmäßig Besucher bei sich auf.

Fotos: Holm Helis, Thomas Türpe


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