So groß wie nie: CSD-Parade in Köln bricht Rekord!

Köln - In Köln hat sich am Sonntagmittag die bisher größte Christopher-Street-Day-Parade in Bewegung gesetzt.

Dieser Gast setze ein buntes Zeichen beim Christopher Street Day.
Dieser Gast setze ein buntes Zeichen beim Christopher Street Day.  © DPA

"148 Gruppen - so viele waren es noch nie", sagte Colognepride-Sprecher Oliver Lau.

Aufgrund des angenehmen Wetters rechne man mit deutlich mehr als einer Million Besucher.

Das diesjährige Motto des CSD lautet "50 Years of Pride. Viele. Gemeinsam. Stark!"

Es erinnert an die "Stonewall"-Proteste 1969 in New York: Dort wehrten sich Homosexuelle gegen Polizeischikanen, später entstand daraus der CSD.

Die Veranstalter betonen den politischen Charakter des Umzugs. "Auch bei uns in Deutschland ist Homo-, Trans- und Biphobie wieder auf dem Vormarsch", kritisieren sie.

"Mühsam erkämpfte sexuelle Vielfalt wird zunehmend offen in Frage gestellt." Deshalb sei der CSD-Umzug keineswegs so etwas wie Karneval im Sommer, sondern eine politische Demonstration.

Teilnehmer sprechen über den CSD

Die Teilnehmer überzeichnen mit ihren Kostümen die Szene.
Die Teilnehmer überzeichnen mit ihren Kostümen die Szene.  © DPA

Dirk (37) hat in Köln den legendären Barkeeper aus der New Yorker "Stonewall Inn" getroffen, wo die Proteste damals losgingen. "Das ist gelebte Geschichte", schwärmt er. "Wenn man hier mitläuft, hat man das Gefühl, man ist Teil dieser Revolution von damals. Ich finde das bewegend, wenn man sich bewusst macht, wie viele Generationen vor uns für uns gekämpft haben."

Und dieser Kampf gehe weiter, betont der Wuppertaler: "Wenn ich lese, dass in Pirna in Sachsen der CSD gefährdet ist, weil AfD und NPD massiv Stimmung gegen die Schwulenparade machen, Regenbogenflaggen zerstören, dann denke ich: Der CSD ist politischer als je zuvor."

Dragqueen Uwe (54) aus Dortmund sieht das genauso: "Gerade jetzt, wo Homophobie wieder salonfähiger wird."

Doch nicht alle aus der Community finden es uneingeschränkt gut, wenn Schwule und Lesben so extrovertiert Flagge zeigen. "Ich bin absolut nicht gegen den CSD", sagt Alexander aus Köln, der selbst schwul ist.

"Mit den Grundgedanken - Gleichberechtigung, jeder kann sein, wie er will - kann ich mich voll identifizieren. Das Problem ist nur: Die Leute, die das noch nicht so sehen - und von denen gibt es ja noch reichlich - die sitzen abends vor der "Tagesschau" und sehen da den 16-Jährigen mit Feder-Boa und die Dragqueen. Und denken dann natürlich: "Ach guck an, die sind ja alle nicht normal!".

Natürlich gehe es hier um bewusste Überzeichnung mit dem Ziel, Aufmerksamkeit zu erzeugen und so für Offenheit, Respekt und Gleichbehandlung zu werben. Nur komme das außerhalb der Community häufig nicht rüber.

Dragqueen Uwe kennt diesen Einwand. "Dazu sage ich immer: Wenn wir alle als graue Mäuse rumlaufen, dann fallen wir nicht auf. Wir müssen sichtbar sein."

Travestie-Künstler Mira Coli (47) hat neulich erst wieder die Erfahrung gemacht, dass es noch einiges zu tun gibt. Er wollte mit seinem Freund in Aachen einen Tanzkurs machen, aber viele Tanzschulen wiesen das Männerpaar ab.

Der CSD ist für ihn eine Möglichkeit, solche Vorbehalte abzubauen. Denn unter den Hunderttausenden Zuschauern müssen zwangsläufig auch ein paar Heteros sein. "Wir können uns hier einem Publikum präsentieren, das nicht zur Community gehört. Wenn sie uns erstmal kennengelernt haben, merken sie: Wir haben ganz normale Berufe, wir sind ganz normale Menschen wie sie auch. Und das ist schön."

Uwe drückt es so aus: "Es muss in die Herzen der Menschen, das ist das Allerwichtigste. Wichtiger als Weihnachten, Geburtstag und alles andere zusammen."

Die CSD-Parade am Kölner Neumarkt.
Die CSD-Parade am Kölner Neumarkt.  © TAG24
Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos).
Kölns Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos).  © DPA

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