"Wir jagen Seehofer und zwingen ihn zu kämpfen": CSU wegen Asylpolitik wie die AfD?

Berlin - Der Streit um eine schärfere Flüchtlingspolitik wird so schnell nicht beigelegt sein. Noch wäre sogar eine Spaltung der Unionsparteien möglich - mit verheerenden Auswirkungen. So könnte es zu einer Auflösung der großen Koalition kommen. Eine neue Regierung müsste her. Doch einer, der dem Ganzen gelassen entgegen sieht, ist AfD-Chef Alexander Gauland (77).

Alexander Gauland, Fraktionsvorsitzender der AfD, nimmt an einer Pressekonferenz teil.
Alexander Gauland, Fraktionsvorsitzender der AfD, nimmt an einer Pressekonferenz teil.  © Kay Nietfeld/dpa

So glaubt der 77-Jährige nicht daran, "dass die SPD in ihrer gegenwärtigen Verfassung oder aber die CDU/CSU sehr scharf auf Neuwahlen sind", wie er gegenüber der Deutschen Presse-Agentur sagte.

Wahrscheinlicher sei "irgendein Formelkompromiss". Sollte es aber zu Neuwahlen kommen, hätte seine Partei gute Chancen, Stimmen hinzuzugewinnen, meint Gauland.

Sollte die CSU tatsächlich die Fraktionsgemeinschaft mit der CDU kündigen, weil Bundeskanzlerin Angela Merkel (63, CDU) die von Bundesinnenminister Horst Seehofer (68, CSU) geplante Zurückweisung von bereits registrierten Asylbewerbern nicht akzeptiert, wäre der "Austausch einer Koalitionspartei" das wahrscheinlichere Szenario.

"Frau Merkel kann die CSU zum Beispiel durch die Grünen ersetzen, das ist ja sowieso ihr Lieblingspartner", sagte Gauland, der auch Vorsitzender der Bundestagsfraktion ist.

Horst Seehofer, CSU-Vorsitzender und Bundesminister für Inneres, Heimat und Bau, spricht auf einer Pressekonferenz.
Horst Seehofer, CSU-Vorsitzender und Bundesminister für Inneres, Heimat und Bau, spricht auf einer Pressekonferenz.  © Peter Kneffel/dpa

Allerdings wäre auch dies nicht so einfach, "denn viele in der CDU werden das nicht mitmachen - dann würde es wahrscheinlich auch die CDU zerreißen".

Es sei schwer einzuschätzen, wann der Punkt gekommen sei, an dem die CSU sagen würde: "Das geht mit uns nicht mehr, denn wir haben hier Schuhe und Strümpfe zu verlieren in den nächsten bayerischen Landtagswahlen."

Auf die Frage, ob Seehofer mit seinem "Masterplan Migration" die AfD jetzt noch weiter nach rechts treibe oder sogar "jage", antwortete der AfD-Chef: "Das hat mit rechts oder links gar nichts zu tun und außerdem würde ich sagen, nicht Seehofer jagt uns, sondern wir jagen in der Tat Herrn Seehofer. Wir zwingen ihn zu kämpfen."

Um die absolute Mehrheit in Bayern zu verteidigen, habe der CSU-Vorsitzende nun begonnen, Positionen der AfD zu übernehmen.


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