Daimler-Kündigung wegen rassistischer Beleidigung: Demo vor Gericht

Stuttgart - Der Streit um eine Kündigung von zwei Daimler-Mitarbeitern, die einen Kollegen rassistisch beleidigt haben sollen, sorgt für Aufsehen. Demonstranten haben sich am Donnerstag vor dem Landesarbeitsgericht versammelt.

Demonstranten und Polizisten am Donnerstag in Stuttgart.
Demonstranten und Polizisten am Donnerstag in Stuttgart.  © Andreas Rosar/Fotoagentur Stuttgart

Der Fall hatte für Aufsehen gesorgt, nachdem die Gruppe "Zentrum Automobil", die sich als "alternative Gewerkschaft" bezeichnet, die Kündigung in einem Video thematisiert und den gekündigten Mitarbeiter als Opfer eines Komplotts dargestellt hatte.

Daimler veröffentlichte damals eine Erklärung von Vorstandschef Ola Källenius, in der dieser Stellung gegen Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz bezog. "Im Film kommt es aus Unternehmenssicht zu einer äußerst bedenklichen Verzerrung der Wahrnehmung zwischen Opfern und Tätern", hieß es darin.

Am Donnerstag versammelte sich eine Demonstration gegen Rassismus vor dem Gericht. Wie die Polizei auf Anfrage von TAG24 mitteilt, ist die Versammlung bislang friedlich verlaufen.

Ab 11.30 Uhr wird der Prozess vor dem Landesarbeitsgericht geführt.

Das Arbeitsgericht als erste Instanz hatte die Kündigung für rechtmäßig erachtet. Es ist der zweite Fall dieser Art, der vor dem Landesarbeitsgericht landet. Der erste war zugunsten von Daimler ausgegangen.

Update 16.20 Uhr: Auch in einem zweiten Fall bleibt die Kündigung eines Daimler-Mitarbeiters wegen fremdenfeindlicher Beleidigungen eines Kollegen bestehen. Das Landesarbeitsgericht Baden-Württemberg bestätigte am Donnerstag in zweiter Instanz die fristlose Kündigung eines 58-Jährigen, der einen türkischen Arbeitskollegen muslimischen Glaubens mehrfach massiv verbal beleidigt und ihm monatelang Nachrichten mit fremdenfeindlichen und den Nationalsozialismus verherrlichenden Inhalten übersandt haben soll. Obendrein ließ das Gericht keine Revision zum Bundesarbeitsgericht zu.

Bereits vor zwei Wochen hatte das Landesarbeitsgericht in Stuttgart die fristlose Kündigung eines 46-Jährigen bestätigt - dieser soll denselben türkischen Kollegen ebenfalls massiv beleidigt haben. Die beiden schwerbehinderten Männer waren im Sommer 2018 beim Autokonzern rausgeflogen und hatten dagegen Klage eingereicht. Die Kläger seien befreundet, sagte ein Gerichtssprecher. Obwohl die Fälle miteinander zu tun haben, gab es zwei unterschiedliche Verfahren.

Polizisten stehen in Stuttgart vor dem Gerichtsgebäude.
Polizisten stehen in Stuttgart vor dem Gerichtsgebäude.  © Andreas Rosar/Fotoagentur Stuttgart

Titelfoto: Andreas Rosar/Fotoagentur Stuttgart

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