Kommentar zu Katzenbergers "Ekelhaft"-Attacke: So verschwindet Mobbing nicht!

Stuttgart - Wir alle kennen ihn: den Blick in den Spiegel. Manchmal fürchten wir ihn auch. Weil uns nicht passt, was wir sehen. Weil der Bauch zu groß ist. Die Schenkel zu dick. Oder wir (ausgerechnet heute!) Pickel haben.

Hätte deutliche Worte an ihre Hater schicken können: Daniela Katzenberger.
Hätte deutliche Worte an ihre Hater schicken können: Daniela Katzenberger.  © DPA

Kurzum: Manchmal fühlt man sich einfach scheiße, wenn man in den Spiegel schaut. Geht mir so. Geht Euch. Geht vermutlich fast jedem auf der Welt so.

Damit man dann nicht den ganzen Tag mit gesenktem Kopf herumläuft, braucht es gesundes Selbstbewusstein. Davon haben manche viel, manche wenig. Ich persönlich finde mich okay. Nicht geil, aber okay. Manchmal ein klitzekleines bisschen wie der späte Russell Crowe mit Bart und Wampe.

Für andere ist es aber nicht so leicht, mit sich selbst im Reinen zu sein. Gerade junge Frauen sind anfällig dafür. Weil ihnen die Werbung gerne mal einredet, ihre Haut sei nicht perfekt. Oder ihre Haare. Oder ihr Busen. Oder ihr Hintern. Oder, oder, oder...

Da finde ich es super, dass sich viele Frauen dem Diktat von vermeintlicher Perfektion entgegenstellen. Mittlerweile haben wir selbstbewusste Models, die ihre Kurven zeigen - etwa Ashley Graham.

Deutschland sucht inzwischen nicht nur vermeintlich perfekte Topmodels von Heidi Klums Gnaden, sondern auch das "Curvy Topmodel".

Autor Patrick Hyslop ist mit sich selbst im Reinen.
Autor Patrick Hyslop ist mit sich selbst im Reinen.  © privat

Und Chantelle Brown-Young wurde wegen ihrer Vitiligo-Erkrankung als Kind noch beschimpft, verließ die Schule. Heute ist sie als Model unter dem Namen Winnie Harlow gefragt - und widerlegt Vorstellungen von perfekter Haut.

Man sollte also meinen, wir wären ein bisschen weitergekommen als Gesellschaft. Und doch sind wir es offenbar nicht. Denn das Aussehen ist immer noch der häufigste Anlass für Mobbing im Internet.

Laut einer britischen Studie, für die mehr als 10.000 junge Menschen im Alter von zwölf bis 20 Jahren befragt wurden, seien etwa Frauen, Transgender und körperlich behinderte Ziel des Online-Mobbings. Die Top-Orte im Netz fürs Niedermachen: Instagram und Facebook.

Jetzt sollte man meinen, dass sich Promis, die ja gerne auf beiden Plattformen unterwegs sind, ihrer Wirkung dort bewusst sind.

Vielleicht sogar Verantwortung empfinden, gerade gegenüber ihren jüngeren (und weiblichen) Fans. Und daran denken, dass das, was sie dort vormachen, besonders diejenigen beeinflussen könnte, die nicht mit einem Mega-Selbstbewusstsein ausgestattet sind.

Jenny Frankhauser zeigte den Online-Hatern die Krallen.
Jenny Frankhauser zeigte den Online-Hatern die Krallen.  © DPA

Und dann kam Daniela Katzenberger. Die 32-Jährige war auf Instagram von ihren Anhängern teilweise richtig mies kritisiert worden.

Vorwurf: Sie würde ekelhaft aussehen. Genau das wäre der richtige Moment gewesen, um den Hatern zu sagen: "Leute, ich muss nicht immer aufgestylt sein. Ich muss nicht immer perfekt aussehen. Niemand muss das!"

Sie hätte ein Vorbild für diejenigen unter ihren 1,3 Millionen Instagram-Abonnenten sein können, die mit sich hadern. Die vielleicht schon mal verspottet und gehänselt wurden. Sie hätte selbstbewusst reagieren, junge Frauen stärken und den Hassern ordentlich einschenken können. Sie hätte. Hat sie aber nicht.

Stattdessen sagte sie in ihrer Insta-Story zu den "ekelhaft"-Vorwürfen doch tatsächlich, es stimme schon. Sie sei faul geworden, was ihre "Visage" angehe. Künftig wolle sie wieder mehr auf ihr Äußeres achten. Bumm! Chance vertan. Schade, dass sie so eingeknickt ist.

Viel, viel besser und vorbildlicher hat sich da ihre Halbschwester Jenny Frankhauser (26) vor wenigen Tagen präsentiert. Online-Hater meinten da, die Ex-Dschungelkönigin sei zu fett. Zuvor hatte sie ein Foto auf Instagram gepostet, das ihren Allerwertesten zur Geltung brachte. Ihr Kommentar zum Bild: "Ich bin stolz auf meinen Apfelarsch 😂🍎".

Doch Jenny zeigte, wie man solche Hasser in die Schranken weist. "Selbst wenn jemand etwas dicker ist, dann ist das kein Grund, jemanden auszulachen oder zu beleidigen", sagte die 26-Jährige verärgert. Ihre Botschaft: "Das Wichtigste ist, dass Ihr Euch in Eurem Körper wohl fühlt."

Amen, liebe Jenny! Ab heute hast Du einen Fan mehr.


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