Spieler wütend über Rassismus: "Kann nicht erwarten, dem Fußball den Rücken zuzukehren"!

London (England) - So kann es nicht weitergehen! Englands Nationalspieler Danny Rose (28) regen die rassistischen Auswüchse in den Fußballstadien zurecht auf.

Danny Rose (l.) ist bei den Tottenham Hotspurs Stammspieler und Leistungsträger. Hier duelliert er sich in der Champions League mit dem damaligen BVB-Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang.
Danny Rose (l.) ist bei den Tottenham Hotspurs Stammspieler und Leistungsträger. Hier duelliert er sich in der Champions League mit dem damaligen BVB-Stürmer Pierre-Emerick Aubameyang.  © DPA

Erst Ende März wurde Rose beim EM-Qualifikationsspiel Englands in Montenegro (5:1) zusammen mit seinen ebenfalls dunkelhäutigen Mitspielern Callum Hudson-Odoi und Raheem Sterling rassistisch beleidigt.

Im Gespräch mit englischen Journalisten, unter anderem von BBC, sagte er: "Ich habe noch fünf oder sechs Jahre im Fußball und ich möchte das Spiel noch genießen, so gut ich kann. Aber es ist so viel Politik und sonst etwas im Fußball."

Denn das war nicht der einzige Vorfall, den Rose in seiner Karriere miterleben musste.

Am 16. Oktober 2012 wurde er beim EM-Quali-Spiel der englischen U21 in Serbien (1:0) sogar mit Steinen beworfen, sah sich bei jedem Ballkontakt Affenlauten ausgesetzt, wurde beleidigt und als England in der Nachspielzeit zum Sieg traf, jubelte er entsprechend ausgelassen, was wiederum zur Folge hatte, dass er zwei Mal von serbischen Spielern "geschlagen" wurde, wie er damals sagte.

Als er daraufhin den Ball wegschoss, wurde er mit Gelb-Rot vom Platz geschickt. Er sagte: "Ich war einfach so wütend und es war so schwer, sich zu konzentrieren."

Maßnahmen der Verbände fruchten nicht

Danny Rose im EM-Qualifikationsspiel gegen Montenegro. Während der Partie wurde er rassistisch beleidigt.
Danny Rose im EM-Qualifikationsspiel gegen Montenegro. Während der Partie wurde er rassistisch beleidigt.  © DPA

Denn was Rose wirklich frustriert, ist die Tatsache, dass die Verbände seiner Ansicht nach viel zu wenig im Kampf gegen Rassismus unternehmen: "Wenn Länder eine Geldstrafe in Höhe einer Summe bekommen, die ich vielleicht in einer Nacht in London ausgebe, was will man da erwarten?"

Er motiviert sich dennoch weiter, indem er sich sagt: "Ich habe noch fünf oder sechs verbleibende Jahre im Fußball und kann es nicht erwarten, ihm den Rücken zuzukehren."

Die UEFA hat unterdessen ein Verfahren gegen den montenegrinischen Verband eingeleitet. Verhandelt werden die Vorfälle am 16. Mai.

Die Mindeststrafe sieht einen Zuschauer-Teilausschluss vor, erst im Falle eines erneuten Vorfalls drohen Montenegro ein Spiel vor leeren Rängen, Punktabzüge und eine Geldstrafe in Höhe von 50.000 Euro.

Rose, der vor der Weltmeisterschaft 2018 in Russland offen zugab, an Depressionen zu leiden und danach viel Unterstützung erhielt, sind genau solche vergleichsweise geringfügigen Strafen ein Dorn im Auge. Denn es ändert sich durch sie nichts.

Nächster Rassismus-Vorfall in Italien

Moise Kean wurde Opfer von rassistischen Beleidigungen.
Moise Kean wurde Opfer von rassistischen Beleidigungen.  © DPA

Auch Leroy Sané und Ilkay Gündogan wurden beim Testspiel der deutschen Nationalmannschaft in Wolfsburg rassistisch beleidigt (TAG24 berichtete) und erst am Mittwoch gab es mal wieder in Italien einen Vorfall, der weltweit in die Schlagzeilen geriet.

Moise Kean, ein 19-jähriger Stürmer von Juventus Turin, hatte für Juve zum 2:0-Endstand getroffen und stellte sich mit ausgebreiteten Armen vor die Fankurve von Gegner Caligiari Calcio.

Neben Buhrufen und Pfiffen gab es auch rassistische Beleidigungen. Kean sagte nach dem Spiel, dass es schon vor seinem Jubel dazu kam, weshalb das seine Reaktion war.

Vor allem die Aussagen von seinem Team- und Nationalmannschaftskollegen Leonardo Bonucci stießen vielen sauer auf. Denn der erfahrene Innenverteidiger sagte: "Die Schuld steht 50:50, Moise hat einen Fehler gemacht und die Kurve hat einen Fehler gemacht."

Daraufhin erfuhr Bonucci viel Gegenwind und Kean Unterstützung. Neben BVB-Star Jadon Sancho, der Keans Post bei Instagram mit "Respekt" kommentierte, bezeichnete Sterling Bonuccis Aussage als "lächerlich", Paul Pogba sagte "die guten Italiener müssen aufwachen und laut werden" gegenüber dem Rassismus in ihrem Land.

Eine Ecke deutlicher wurde Mario Balotelli, der in Italien selbst oft genug rassistisch beleidigt wurde: "Sag Bonucci, dass er froh sein kann, dass ich nicht da war. Statt dich zu verteidigen macht er sowas? Wow! Ich bin echt geschockt. Ich liebe dich, Bruder", so der Stürmer von Olympique Marseille.

Bonucci ist mittlerweile zurückgerudert und hat bei Instagram ein Statement veröffentlicht, in dem er "alle Formen von Rassismus und Diskriminierung verbannt."

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