Darmstadt 98: Nervosität vor Saisonauftakt beim HSV? So entspannt sind die Lilien

Darmstadt - Wer bei Fußball-Zweitligist SV Darmstadt 98 derzeit nach dem Ziel für die neue Saison fragt, bekommt überall die gleiche vage Antwort: Erstmal abwarten.

Der Kader des SV Darmstadt 98 für die Spielzeit 2019/20.
Der Kader des SV Darmstadt 98 für die Spielzeit 2019/20.

"Lasst uns nicht irgendwelche Tabellenplätze ausrufen", appellierte Präsident Rüdiger Fritsch kürzlich an die Fans. "Lasst uns mal die ersten Spiele spielen. Dann können wir analysieren."

Diese Zurückhaltung hat Gründe: Zum einen erlitt der Verein mit dem letztjährigen Ziel "sorgenfreie Saison" eine Bruchlandung, musste die Vorgabe modifizieren und schließlich doch den Trainer wechseln. Zum anderen sind die Fragezeichen vor der neuen Saison groß.

Vieles ist anders als in den Vorjahren. Da hatten die Lilien die Vorbereitung in der Regel mit zahlreichen offenen Stellen im Kader begonnen, die erst nach und nach besetzt wurden. Diesmal reiste eine nahezu komplette Mannschaft ins Trainingslager. Zudem setzt man unter dem neuen Sportlichen Leiter Carsten Wehlmann verstärkt auf junge Spieler.

Zwei Stammspieler verloren die Lilien: Keeper Daniel Heuer Fernandes (Hamburger SV) und Innenverteidiger Marcel Franke (Hannover 96). Vor allem Heuer Fernandes hinterlässt große Fußstapfen. In Marcel Schuhen kam vom SV Sandhausen zwar ein zweitliga-erfahrener Keeper. Allerdings patzte der beim Vorbereitungsspiel gegen Werder Bremen (1:1) schwer.

Besonders in der Offensive hat Trainer Dimitrios Grammozis deutlich mehr Optionen als im Vorjahr - zumindest auf dem Papier. Denn die Verletzungen der Neuzugänge Erich Berko (Dynamo Dresden), Braydon Manu (Hallescher FC) und Mathias Honsak (RB Salzburg) sowie von Dauer-Pechvogel Felix Platte machten diesen Vorteil zunichte.

Vieles deutet darauf hin, dass Grammozis mit ähnlichem Stamm und ähnlicher Taktik agieren wird wie zuletzt und die Mannschaft nach vorne kombinieren lässt. Das hat gut funktioniert, ist aber keine Garantie für die Zukunft.

Gehen noch gelassen in den Saisonauftakt: Lilien-Coach Dimitrios Grammozis (Li.), Sportkoordinator Carsten Wehlmann (Mi.) und Präsident Rüdiger Fritsch.
Gehen noch gelassen in den Saisonauftakt: Lilien-Coach Dimitrios Grammozis (Li.), Sportkoordinator Carsten Wehlmann (Mi.) und Präsident Rüdiger Fritsch.

Das haben die Lilien mit Dirk Schuster schmerzlich erlebt: In der Rückrunde 2017/18 war die Mannschaft mit dessen Defensivtaktik eines der erfolgreichsten Teams. In der Hinrunde 2018/19 rutschte sie damit in die Abstiegszone.

Ein weiteres Fragezeichen steht hinter Mittelfeldspieler Marvin Mehlem. Der Vertrag des begabten 21-Jährigen läuft nach der Saison aus, ein kolportierter Flirt mit dem VfB Stuttgart blieb bislang ohne Ergebnis. Sollte das Thema weiter gären, könnte das Unruhe ins gesamte Team bringen.

Beim Stadionumbau gibt es ebenfalls Unwägbarkeiten. Mit der Fertigstellung der Stehplätze auf der neuen Gegengerade ist man etwas in Verzug. Zum ersten Heimspiel soll dort immerhin der Bereich für die Heimfans fertig sein.

Der Gästebereich soll ein Spiel später folgen, wie Geschäftsführer Michael Weilguny der Deutschen Presse-Agentur sagte. Auch beim neuen Funktionsgebäude läuft nicht alles glatt. Und mit dem für 2020 angepeilten Haupttribüne-Neubau steht der größte Brocken noch bevor.

Sportlich geht es zudem gleich mit einem schwierigen Auftaktprogramm mit dem Spiel beim Hamburger SV und gegen Holstein Kiel richtig zur Sache. "Wir werden in jedes Spiel gehen, um zu gewinnen", verspricht Grammozis. "Wir werden uns nicht kleiner machen, als wir sind." Doch Neuzugang Fabian Schnellhardt weiß, wie unberechenbar die Liga ist. Mit dem MSV Duisburg ist er vergangene Saison sang- und klanglos abgestiegen, nachdem das Team im Jahr davor an den Aufstiegsrängen gekratzt hatte.

"Nach vier, fünf, sechs, sieben Spieltagen kann man eine erste Prognose abgeben", sagt er. "Aber jetzt wäre es vermessen - und auch Schwachsinn - zu sagen: Wir wollen den und den Platz erreichen."

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