Zum ersten Mal seit über 200 Jahren: Notre-Dame bleibt heute dicht

Paris (Frankreich) - Acht Monate nach dem verheerenden Brand der Notre-Dame wird erstmals wieder das Weihnachtsfest gefeiert. Für die Pariser wird es jedoch anders werden als sonst.

© Thibault Camus/AP/dpa

Zur Stunde freuen sich Millionen von Franzosen auf ihre Geschenke. Während das Fest für die meisten von ihnen so wie immer wird, herrscht in Paris jede Menge Wehmut.

Zum ersten Mal seit über 200 Jahren wird es in der Nacht vom 15. zum 16. April ausgebrannten Kathedrale Notre-Dame (TAG24 berichtete) keinen Weihnachtsgottesdienst geben.

Letztmalig fiel der kurz nach der Französischen Revolution im Jahr 1802 aus. Selbst während der deutschen Besatzung im 2. Weltkrieg konnte Weihnachten in der Kathedrale gefeiert werden, so der Deutschlandfunk.

Damit der Geist von Notre-Dame nicht ganz erlischt, finden Liturgie und Weihnachtsfeierlichkeiten in der nahe gelegenen Kirche Saint-Germain-l'Auxerrois statt.

Dort werden laut Zeit zur traditionellen Mitternachtsmesse viele Gläubige aus Frankreichs berühmtester Kirchgemeinde erwartet.

Wiederaufbau startet 2021, doch es gibt heftigen Streit

Die Schäden sind heftig: Wird Notre Dame originalgetreu oder zeitgemäß wieder aufgebaut?
Die Schäden sind heftig: Wird Notre Dame originalgetreu oder zeitgemäß wieder aufgebaut?  © Gigarama.Ru/Gigarama.ru/dpa

Aktuell laufen immer noch Absicherungsarbeiten an der Kathedrale. Der eigentliche Wiederaufbau soll 2021 starten und bis 2024 abgeschlossen sein.

Grund für den ambitionierten Plan von Präsident Emmanuel Macron sind wohl auch die Olympischen Spiele, die dann in der französischen Hauptstadt stattfinden.

Ob das Ziel gehalten werden kann, ist mehr als unklar. Experten hatten den Termin zuletzt immer wieder massiv infrage gestellt.

Außerdem muss zuvor noch eine wichtige Frage geklärt werden, über die ein heftiger Streit ausgebrochen ist. Soll die Kathedrale originalgetreu oder zeitgemäß wieder aufgebaut werden?

Jean-Louis Georgelin, Sonderbeauftragter des Präsidenten für den Wiederaufbau, beschimpfte zuletzt Frankreichs Chefarchitekten für historische Bauwerke Villeneuve öffentlich.

Der setzt sich laut Welt für eine historische Notre-Dame ein und möchte im Vergleich zu Georgelin nichts von zeitgemäßen Experimenten wie Glasdächern oder einem modernen Spitzturm wissen:

"Ich habe ihm (Villeneuve) schon mehrmals erklärt [...], dass er die Klappe halten sollte und dass wir weise vorankommen sollten, damit wir in Ruhe die beste Wahl für Notre-Dame, für Paris, für die Welt treffen können."

Zwar wurde Georgelin daraufhin von Kulturminister Riester in die Schranken gewiesen, dennoch zeigt sich, dass die Leidenszeit der Pariser und ihrer Kathedrale lange nicht vorbei ist.

Fest steht nur, dass wohl noch einige Weihnachtsmessen im Exil gefeiert werden müssen.

Titelfoto: Thibault Camus/AP/dpa

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