Diese Flüchtlings-Geschichte ist wie ein kleines Wunder

Schwester und Bruder durch Zufall in Dresden vereint.
Schwester und Bruder durch Zufall in Dresden vereint.

Dresden - Diese Geschichte könnte Hollywood nicht besser inszenieren. Es ist ein kleines Wunder, das sich dieser Tage in Dresden ereignete. Wir nennen es mal "Das kleine Flüchtlings-Wunder von Dresden".

Alles begann am 25. September in der Bundespolizeiwache im Dresdner Hauptbahnhof. Es ist ein Freitag, als plötzlich eine junge Frau in der Tür stand und die Beamten bat "Help me!". Schnell brachte man sie in die Dienststelle Schweizer Straße, um sie "asylrechtlich" zu registrieren.

Dazu wurde ein Dolmetscher bestellt. Doch als der eintraf, fielen alle im Raum aus allen Wolken. Denn der Dolmetscher fiel der jungen Frau direkt in die Arme. Er kannte sie nicht nur, sie war sogar seine Schwester, die er seit vier Jahren nicht mehr gesehen hatte.

Die junge Frau hatte sich allein auf die Reise gemacht, illegal, unter großen Strapazen - und sehr mutig. Sie konnten es beide kaum fassen, fielen sich in die Arme und berichteten der Polizei ihre Geschichte.

Und diese Geschichte geht so:

Herr Amairi (46) kam als Ältester von sieben Geschwistern bereits 1988 nach Deutschland. In diesem Jahr wurde seine jüngste Schwester geboren. Ab 1989 studierte er in Dresden Wirtschaftsinformatik und lebt seitdem in der Landeshauptstadt.

Ab 1998 war Herr Amairi als Dolmetscher für den Bundesgrenzschutz und nach der Umbenennung weiterhin für die Bundespolizei tätig. Seine Angehörigen verblieben in Damaskus/Syrien, aber der Kontakt blieb immer bestehen. Auch als 2011 die Situation in seinem Heimatland eskalierte und er im Dezember aus den Nachrichten erfuhr, dass der elterliche Wohnblock nach heftigen Bombardierungen völlig zerstört worden war. Die Angehörigen kamen zunächst in der Nähe von Damaskus unter.

Die Situation in Syrien wurde jedoch immer prekärer, seine Geschwister hatten "genug mit sich selbst zu tun" und so überlegte Herr Amairi, wie er seine Mutter und seine jüngste Schwester auf legalem Wege nach Deutschland holen könnte. Aufgrund der deutschen Bestimmungen musste Herr Amairi sich jedoch entscheiden - entweder für seine damals 26 Jahre alte Schwester oder seine mittlerweile erkrankte Mutter. Die schwere Entscheidung fiel auf seine Mutter.

Seine Schwester hielt sich weiterhin "über Wasser" und arbeitete so gut es ging in ihrem Beruf als Computerfachfrau. Nachdem der Bereich um Damaskus komplett durch Militär gesperrt wurde, entschied sich Frau Amairi ebenfalls, den schweren Weg nach Europa anzutreten.

"Es war einfach nicht mehr sicher", sagt sie. Wie Tausend andere nutzte sie ebenfalls die Ostbalkanroute und gelangte von der Türkei über Griechenland, Mazedonien, Serbien, Ungarn und Österreich nach Deutschland. Während der gesamten Flucht nutzte die gelernte Computerspezialistin alle Möglichkeiten, um mit ihrem Bruder in Kontakt zu bleiben.

Doch nachdem Sie Österreich erreicht hatte, war plötzlich "Funkstille". Über mehrere Tage gab es kein Lebenszeichen mehr. Herr Amairi: "Ich wollte noch 24 Stunden warten und dann eine Vermisstenanzeige aufgeben. Ich habe sogar befreundete Dolmetscher angerufen, aber niemand hatte etwas gehört!

Als Herr Amairi seine Schwester erkannte, die er zuletzt vor vier Jahren bei der Beerdigung ihres Vaters gesehen hatte, gab es kein Halten mehr. Beide umarmten sich überglücklich."

Die Polizisten waren bewegt, als sie die Geschichte hörten. Aber noch viel emotionaler reagierte die Familie. "Als ich die Nachricht an meine Mutter und meine Familie übermittelte, wollten alle sofort zur Dienststelle der Bundespolizei kommen. Aber ich habe gesagt, dass wir später gemeinsam nach Hause dürfen", sagt der Dolmetscher.

Nachdem die Registrierung abgeschlossen war, fuhren Bruder und Schwester wirklich zusammen in die Dresdner Wohnung der Familie. Dort wohnt die 27-Jährige jetzt auch. Und von den Polizisten heißt es: "Dieser bewegende Moment wird sich noch lange in den Köpfen der Bundespolizisten in Dresden halten."

Eine wunderbare Geschichte. Ein kleines Wunder.


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