"Das Vorspiel": Eine Affäre sorgt für großes Gefühls-Chaos!

Deutschland - Ambivalent! Das deutsche Drama "Das Vorspiel" von Regisseurin Ina Weisse ("Der Architekt") wurde international auf Festivals ausgezeichnet. Doch überzeugen kann der Film, der ab 23. Januar in den Kinos läuft, leider nicht, weil er emotional nicht mitzureißen vermag.

Anna Bronsky (Nina Hoss) hat in ihrem Leben einige Probleme.
Anna Bronsky (Nina Hoss) hat in ihrem Leben einige Probleme.  © PR/Judith Kaufmann / Port au Prince Pictures

Im Fokus steht Anna Bronsky (Nina Hoss), die Geigenlehrerin an einem Musikgymnasium ist und mit ihren Kollegen über die Zukunft mehrerer potenzieller Schüler entscheidet.

Sie setzt dabei durch, dass Alexander Paraskevas (Ilja Monti) aufgenommen wird, da Anna besondere Fähigkeiten in ihm sieht, weshalb sie ihn persönlich auf die Zwischenprüfung vorbereitet.

Doch seine Verbesserungen reichen Bronsky nicht aus, was sie zu immer drastischeren Methoden führt, die sicherstellen sollen, dass er am Ende besteht.

Ihr eigener Sohn Jonas (Serafin Mishiev) bleibt derweil auf der Strecke, ist daher wütend über die fehlende Aufmerksamkeit seiner Mutter und verhält sich ihr gegenüber abweisend.

Auch Annas Beziehung zu ihrem Mann Philippe (Simon Abkarian) wird auf die Probe gestellt, denn immer wieder kriselt es, obwohl die Chemie zwischen ihnen grundsätzlich stimmt.

Dennoch hat sie eine Affäre mit ihrem Kollegen Christian Wels (Jens Albinus), was ihr eigenes Gefühlschaos nur noch verstärkt. Doch warum verhält sich Anna so?

"Das Vorspiel": Es fehlen die emotionalen Einstiegspunkte!

Philippe (Simon Abkarian) ist Annas Ehemann. Richtig gut läuft ihre Ehe nicht, obwohl die Chemie zwischen ihnen eigentlich stimmt.
Philippe (Simon Abkarian) ist Annas Ehemann. Richtig gut läuft ihre Ehe nicht, obwohl die Chemie zwischen ihnen eigentlich stimmt.  © PR/Judith Kaufmann / Port au Prince Pictures

Diese Frage ist die Antriebsfeder des Films. Es gibt mehrere Lösungsansätze, wie etwa die eigene Erziehung durch ihren schwierigen Vater Walter (Thomas Thieme).

Natürlich spielt Philippe auch eine entscheidende Rolle. Er sagt etwa den denkwürdigen Satz: "Ich kann nicht den ganzen Tag Gefühle haben."

Zuvor meinte Anna, dass er ihr nie ein Kompliment macht, was er nicht abstreitet. Obwohl diese Dinge verständlich herausgearbeitet werden und das Drama Tiefe hat, kann man mit den Figuren nur wenig anfangen.

Denn ihre Motive, Handlungen und Motivationen geben (zu) lange Zeit Rätsel auf, weil sich nahezu durchweg die Frage stellt: Warum sind die Personen die, die sie sind? Und warum verhalten sie sich dementsprechend?

So werden sie zwar differenziert dargestellt, doch es fehlt ein emotionaler Einstiegspunkt, der es einem ermöglicht, wirklich mitzugehen.

Dem vergleichbaren Drama "Lara" von Jan-Ole Gerster mit Corinna Harfouch ist das deutlich besser gelungen, obwohl es auch hier einige Stimmen gab, die angaben, mit Harfouchs Figur nicht warm zu werden.

Als Kino-Zuschauer betrachtet man "Das Vorspiel" aus der Distanz

Alexander Paraskevas (l., Ilja Monti) ist Annas Schüler. Deren Sohn Jonas (Serafin Mishiev) ist nicht gerade begeistert, dass sie ihm so viel Aufmerksamkeit schenkt.
Alexander Paraskevas (l., Ilja Monti) ist Annas Schüler. Deren Sohn Jonas (Serafin Mishiev) ist nicht gerade begeistert, dass sie ihm so viel Aufmerksamkeit schenkt.  © PR/Judith Kaufmann / Port au Prince Pictures

In "Das Vorspiel" passiert genau das. Anna Bronsky ist und bleibt einem fremd. Daran hat auch die sperrige Inszenierung ihren Anteil.

Natürlich hat jede einzelne Sequenz irgendwo ihren Sinn und ihre Bedeutung. Doch es dauert viel zu lange, bis man wirklich etwas Handfestes über die Protagonisten erfährt.

Ein Beispiel: Anna und Philippe gehen essen, wo deutlich wird, dass sie einige Ticks hat. Philippe nimmt das großmütig und verständnisvoll hin, was die Situation für Anna erkennbar erleichtert.

Warum sie dann aber in der nächsten Szene Sex mit Christian hat, ist nicht nachzuvollziehen. Auch am Ende bleibt man mit einigen offenen Fragen zurück. Das hat auch mit dem behäbigen Schnitt und dem durchwachsenen Drehbuch zu tun.

Durch all diese Schwächen weicht das anfängliche Interesse bald Langeweile, durch die sich auch im weiteren Verlauf keine Sogwirkung entfaltet, was an sich schade ist.

Denn die Machart ist angenehm subtil, die Dialoge sind ausgefeilt und die schauspielerischen Leistungen klasse.

Nina Hoss und Simon Abkarian zeigen in "Das Vorspiel" starke Leistungen

Anna hat eine Affäre mit Christian Wels (Jens Albinus).
Anna hat eine Affäre mit Christian Wels (Jens Albinus).  © PR/Judith Kaufmann / Port au Prince Pictures

Gerade Hoss (TV-Serie "Homeland", "Die weiße Massai", Anonyma - Eine Frau in Berlin") und Abkarian ("Einsam zweisam", "James Bond 007 - Casino Royale", "Operation Duval - Das Geheimprotokoll") tun sich hier mit differenzierten und vielschichtigen Darstellungen hervor und füllen ihre Figuren aus.

Doch auch sie schaffen es nicht, für Spannung zu sorgen, was zur Folge hat, dass sich der 99 Minuten lange Film hinzieht, spröde ist und eine mitunter extrem zähe sowie ermüdende Angelegenheit ist.

Die gefühlsmäßige Distanz lässt sich nämlich nicht überbrücken. Daran können auch die ruhige Kameraführung, die authentischen Locations, die stimmige Musikuntermalung, die angemessen einfachen Kostüme und einige gute Einzelszenen nichts ändern.

Deshalb ist das Werk von Weisse nur etwas, für Szeneliebhaber und Fans der Schauspieler.

Denn als Gesamtfilm funktioniert das Drama nur bedingt. Schließlich steht das Kino für Emotionen. "Das Vorspiel" aber leider nicht.

Egal, wie gut Nina Hoss spielt: Mit ihrer Figur kann man emotional nichts anfangen, weshalb "Das Vorspiel" eine äußerst spröde Angelegenheit geworden ist.
Egal, wie gut Nina Hoss spielt: Mit ihrer Figur kann man emotional nichts anfangen, weshalb "Das Vorspiel" eine äußerst spröde Angelegenheit geworden ist.  © PR/Judith Kaufmann / Port au Prince Pictures

Titelfoto: PR/Judith Kaufmann / Port au Prince Pictures

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