Emotionales Flüchtlingsdrama "Das Wunder von Marseille" mit Depardieu bewegt!

Deutschland - Großartig! Das Flüchtlingsdrama "Das Wunder von Marseille" von Regisseur Pierre-Francois Martin-Laval ("School Camp - Fies gegen mies") beruht auf der wahren Geschichte des illegalen Immigranten Fahim Mohammad und ist ein wichtiger Film geworden, der perfekt in die heutige Zeit passt.
Fahim (l., Assad Ahmed) kommt beim Schachklub Creteil unter, wo Sylvain Charpantier (r., Gerard Depardieu) sein Lehrer ist.
Fahim (l., Assad Ahmed) kommt beim Schachklub Creteil unter, wo Sylvain Charpantier (r., Gerard Depardieu) sein Lehrer ist.  © PR/TOBIS Film

Fahim ist in den ersten Sekunden noch nicht zu sehen. Da ist der Bildschirm noch schwarz. Dafür sind Gewehrschüsse und das Feuer schwerer Geschosse zu hören.

Dann werden auch die heftigen Szenen dazu gezeigt. In Dhaka, der Hauptstadt Bangladeschs, kommt es zu schweren Ausschreitungen zwischen Demonstranten und Polizisten.

Mittendrin ist Nura Mohammad (Mizanur Rahaman). Doch was genau ist seine Rolle? Das erfährt man erst im späteren Verlauf des Filmes.

Auf jeden Fall steht - aufgrund der Gefahr für seine Familie - der Entschluss des Feuerwehrmannes, sein Heimatland zu verlassen, schnell fest.

Er nimmt nur seinen ältesten Sohn Fahim (Assad Ahmed) mit. Der Achtjährige ist ein Schach-Genie und hat bereits mehrere Pokale gewonnen.

Mithilfe von Bestechungsgeldern schaffen sie es über die Grenze nach Indien und von dort aus mit dem Flugzeug nach Paris, wo sie in ein Hotel einchecken, aber nur Geld für drei Tage Unterkunft haben. Danach beginnt für die beiden eine lange Odyssee.

Sie landen in einem Flüchtlingsheim und ihr Asylantrag läuft ebenfalls nicht gut an. Doch Fahim integriert sich schnell. Er landet beim Schachklub Creteil, wo Sylvain Charpantier (Gerard Depardieu) sein eigenwilliger Lehrer ist. Fahim hat nämlich ein großes Ziel vor Augen: Schachweltmeister werden!

"Das Wunder von Marseille" weiß mit einer tiefschürfenden Geschichte zu gefallen

Fahim (Dritter von rechts, Assad Ahmed) und die anderen Kinder des Schachklubs am Abend beim Lagerfeuer am Strand mit Mathilde (M., Isabelle Nanty)
Fahim (Dritter von rechts, Assad Ahmed) und die anderen Kinder des Schachklubs am Abend beim Lagerfeuer am Strand mit Mathilde (M., Isabelle Nanty)  © PR/TOBIS Film

Diese Geschichte hat Martin-Laval fantastisch umgesetzt. Sein Film ist ein bewegendes, vielschichtiges Drama mit Tiefgang geworden, das anhand eines expliziten Beispiels nachvollziehbar aufgezeigt, in welch einer Extremsituation ein Familienvater mit seinem Sohn seine Heimat verlassen muss.

Da ihr Leben in Gefahr ist, beantragt er hoffnungsvoll Asyl in Frankreich und versucht, die wahren Gründe für die Flucht vor seinem Sohn geheimzuhalten.

Letzteres zieht sich wie ein roter Faden durch "Das Wunder von Marseille". Das gilt auch für die vielen interessanten Alltagsdetails, die eingearbeitet wurden. Gerade die Unterschiede zwischen den Generationen werden deutlich aufgezeigt.

Während Fahim sich sofort integriert und Französisch lernt, spricht sein Vater auch nach Monaten nicht mehr als ein paar Brocken und ist daher unwissentlich einem Übersetzer ausgeliefert, der ihm die Worte im Mund verdreht.

Als würde Fahim das Unheil kommen ahnen, sagte er zuvor: "Das erfährst du, wenn du endlich Französisch lernst", nachdem er in der neuen Sprache geschimpft hatte und sein Vater fragte, was los sei.

"Das Wunder von Marseille" ist mehr als nur ein reines Flüchtlingsdrama

Fahim (M., Assad Ahmed) bringt zwei Freunden im Flüchtlingsheim das Schachspielen bei.
Fahim (M., Assad Ahmed) bringt zwei Freunden im Flüchtlingsheim das Schachspielen bei.  © PR/TOBIS Film

Doch Nura hat große Anpassungsprobleme. Während Schachlehrer Sylvain beispielsweise viel Wert auf Pünktlichkeit legt, trudelt Nura mit Fahim erst 20 Minuten nach Beginn der Stunde ein.

Außerdem findet Nura so erst recht keinen Job und muss sich als Straßenverkäufer durchschlagen. Obwohl oder vielleicht gerade weil er erkennbar Fehler macht und der Film diese auch nicht verschweigt, leidet man mit ihm und seiner harten, existenziellen Geschichte mit.

Wenn er auf der Straße schläft und mit zunehmender Dauer immer schlechter aussieht, geht das auch dem Publikum emotional nahe.

Denn seine Hoffnungen erfüllen sich nur bedingt, dazu vermisst er seine Frau und Kinder und schleppt deshalb eine zentnerschwere Last mit sich herum.

Doch nicht nur die aktuelle und brisante Flüchtlingsthematik reißt mit. Auch die Sportfilm-Dramaturgie generiert viel Spannung und hebt "Das Wunder von Marseille" deshalb weit über den Genre-Durchschnitt.

Außerdem gelingt es Martin-Laval, eine äußerst schwere Mischung aus ernsten und humorvollen Szenen zu finden und das Drama gekonnt auszubalancieren, weshalb es auch noch ein großartiger Feel-Good-Film geworden ist.

Gerard Depardieu und Assad Ahmed reißen in "Das Wunder von Marseille" mit

Nura Mohammad (l., Mizanur Rahaman) flieht mit seinem Sohn Fahim (r., Assad Ahmed) aus Bangladesch nach Frankreich, wo Sylvain Charpantier (Gerard Depardieu) in Paris der Schachtrainer von Fahim wird.
Nura Mohammad (l., Mizanur Rahaman) flieht mit seinem Sohn Fahim (r., Assad Ahmed) aus Bangladesch nach Frankreich, wo Sylvain Charpantier (Gerard Depardieu) in Paris der Schachtrainer von Fahim wird.

Daran haben die Schauspieler einen großen Anteil. Allen voran Depardieu ("Verliebt in meine Frau", "Asterix & Obelix: Mission Kleopatra", "Cyrano von Bergerac"), der sich mit seiner ganzen körperlichen Präsenz und Erfahrung in seine vielschichtige Rolle wirft und viele Szenen hat, in denen er glänzen kann.

Außerdem stimmt die Chemie zwischen ihm und Ahmed, der bei Drehbeginn erst drei Monate in Frankreich lebte und die Sprache noch gar nicht richtig beherrschte - am Ende allerdings schon.

Das Zusammenspiel des Altmeisters und Newcomers ist das Herz des Filmes und funktioniert erstklassig.

Auch die hervorragende Kameraführung, die abwechslungsreichen Locations, der klug komprimierende Schnitt und die authentischen Kostüme sind weitere Stärken dieses ausnehmend guten Sozialdramas, das zudem die komplizierten Zustände in Frankreich auf intelligente Art und Weise beleuchtet und ein deutliches Zeichen für Integration setzt.

Deshalb ist "Das Wunder von Marseille" ein wichtiger, spannender, brisanter und aktueller Film über einen jungen Flüchtling geworden, der sich schnell im neuen Land akklimatisiert, obwohl er es schwer hat. Die harte Geschichte bewegt und hat dennoch humorvolle Szenen, auch die Schauspieler sind großartig aufgelegt - sehenswert!

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