Nach Freital-Brand: Wie sicher ist Dresdens Kanalisation?

Kann auch in Dresden passieren: In Freital brannte am Dienstag die Kanalisation.
Kann auch in Dresden passieren: In Freital brannte am Dienstag die Kanalisation.

Von Anneke Müller

Dresden - Flammen in der Kanalisation - was Freital in Angst und Schrecken versetzte, kann das auch in Dresden passieren? Ja! Kunststoff-Innenrohre, wie sie in Freital in Brand gerieten, sind auch massenhaft im Dresdner Untergrund verlegt. Ein achtlos weggeworfener Glimmstengel kann reichen, ein Inferno auszulösen.

„Was in Freital passiert ist, kann auch bei uns geschehen“, bestätigt Netzmeister Frank Lieber (55) von der Dresdner Stadtentwässerung.

In den letzten Jahren wurden in Dresden fast hundert Kilometer alte Abwasserkanäle mit einer Kunststoff-Innenhaut versehen - ein relativ preiswertes Mittel, um die oft über hundert Jahre alten Gemäuer abzudichten.

Arbeiter sanieren Rohre in einem Abwasserkanal.
Arbeiter sanieren Rohre in einem Abwasserkanal.

Doch die Risiken, die damit verbunden sind, werden möglicherweise unterschätzt. Ins Abwasser geleitete Fette, Öle, Benzin oder andere brennbare Stoffe, die sich an den Kunststoffrohren ablagern, können wie Brandbeschleuniger wirken.

Ein brennende Zigarettenstummel, achtlos durch einen Gulli geworfen, können Folgen wie in Freital haben: Es kommt zu einer Verpuffung, Hitze entsteht, der Kunststoff des Rohres schmilzt, fängt an zu tropfen, es beginnt zu brennen.

„Jedes Kanalnetz gilt als explosiver Raum“, so der Netzmeister. „Wir messen deshalb ständig die explosiven Gase und den Sauerstoffgehalt vor Ort.“

Kanalarbeiter Sebastian Härtel (24) zeigt MOPO-Redakteurin Anneke Müller (48) im Dresdner Abfang-Kanal unter der Semperoper die jüngsten Messergebnisse: Alles o.k.!
Kanalarbeiter Sebastian Härtel (24) zeigt MOPO-Redakteurin Anneke Müller (48) im Dresdner Abfang-Kanal unter der Semperoper die jüngsten Messergebnisse: Alles o.k.!

Sinkt der Sauerstoffgehalt oder zeigt der Gaswert keine Null, gibt das Messgerät einen Signalton ab. Alle Kanalnetzarbeiter müssen die Kanalisation verlassen, weitere Maßnahmen müssen ergriffen werden.

Das Jahresende ist nicht ungefährlich: In der Vorweihnachtszeit fliegen bereits wieder die ersten Böller - könnten das Untergrund-Inferno auslösen.

Beim Brand in Freital ist es vermutlich ähnlich gelaufen: Auch dort fing ein Plastikinnenrohr Feuer.

Wegen der Hitze konnte der Brandbereich noch nicht untersucht werden. Doch eines steht fest: „Wir gehen von fahrlässiger Brandstiftung aus“, so Polizeisprecher Thomas Geithner (40).

Das ist Dresdens Kanalnetz

Sechs Meter unter der Erde im Dresdner Kanalsystem: Wenn hier brennbare Stoffe auf einen Zünder treffen, kann es gefährlich werden.
Sechs Meter unter der Erde im Dresdner Kanalsystem: Wenn hier brennbare Stoffe auf einen Zünder treffen, kann es gefährlich werden.

Dresdens Kanalnetz ist rund 1800 Kilometer lang. 98 Kilometer lang ist die Kanalstrecke, die davon mit Kunststoffrohren ausgelegt ist.

Verwendet werden die Plastikrohre in Dresden seit etwa 15 Jahren. Wo Reparaturbedarf im Kanalnetz besteht, wird oft mit Inlinern, wie diese Plastikrohre heißen, gearbeitet. Sie sind kostengünstig und sparen das Aufbuddeln der Straßen.

In Dresden liegen diese Inliner etwa im Bereich der Semperoper, dem Terrassenufer bis zur Carolabrücke.

Im historischen Zentrum werden sie auch an Stellen verlegt, an denen nicht gegraben werden kann. 60 Mitarbeiter sind für Reinigung, Reparatur und Erhalt des Dresdner Kanalnetzes beschäftigt.

Fotos: dpa, Thomas Türpe, Eric Münch, Roland Halkasch


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