Shitstorm nach Finale: Ex-DDR-Rocker gewinnt "The Voice Senior"

Berlin - Seit Jahren begeistern "The Voice of Germany" und dessen Ableger "The Voice Kids" ein Millionen-Publikum vor den deutschen TV-Bildschirmen. Das Senior-Format sorgte für massig Gänsehaut. Dennoch bleibt Kritik nicht aus - zurecht!

Lutz Salzwedel (64) alias Dan Lucas hat sie alle umgehauen.
Lutz Salzwedel (64) alias Dan Lucas hat sie alle umgehauen.  © Sat.1/André Kowalski

Doch einer darf sich am Ende freuen: Dan Lucas, bürgerlich Lutz Salzwedel. Der 64 Jahre alte Sänger holte sich den Sieg in der Premierenstaffel von "The Voice Senior". Doch so glanzvoll sein Triumph - der Shitstorm im Anschluss überdeckt alles.

In den sozialen Netzwerken häufen sich die negativen Kommentare. Die zum Teil sagenhaften Auftritte wurden bereits vorher aufgezeichnet. Der Charme eines denkwürdigen Finales spürt man kaum, obwohl es die Kandidaten verdient hätten.

Dennoch konnten die Zuschauer während der TV-Ausstrahlung über den Gewinner abstimmen. Aber ohne viel Tamtam wurde der Gewinner im Anschluss des Votings live in einem Mini-Studio gekürt.

Die verbliebenen Zuschauer konnte man einer Hand abzählen und auch die Coaches waren bereits mehr im Feierabend als bei ihren Schützlingen. Eine Videobotschaft musste reichen.

Wertschätzung gegenüber den Senioren und ihrer Leistung... Fehlanzeige. Auch bei Moderator Frank Buschmann kippte die Stimmung auf dem heimischen Sofa. War es zunächst ein Freudensturm während Lucas' Auftritt: "Dan Lucas! Der Kerl zaubert mir ne Hühnerpelle! Lecko mio, ich schäme mich nicht dafür!", so schwenkte es bei "Buschi" schnell in bittere Enttäuschung und Frust um.

"Da begeistern Charaktere über Wochen ein Publikum, zeigen Persönlichkeit, können singen und werden zurecht gefeiert und dann so ein Ende? So sehr ich die Auftritte und die Idee geliebt habe, das ist einfach unwürdig. Ich finde es soooo schade!", schrieb er auf Twitter.

Moderator Frank Buschmann war nach dem Finale sehr enttäuscht.
Moderator Frank Buschmann war nach dem Finale sehr enttäuscht.  © Henning Kaiser/dpa

SAT.1 wollte die Kritik nicht auf sich sitzen lassen und äußerte sich kurz darauf ebenfalls auf Twitter.

"Liebe #TheVoiceSenior-Fans, wir mussten das Finale aus produktionstechnischen Gründen bereits im Dezember aufzeichnen. Damit Ihr live abstimmen könnt, haben wir diesen Weg gewählt", so der Sender.

Doch wirklich schlichten konnten die Verantwortlichen die aufgebrachten TV-Zuschauer damit nicht.

Kommentare wie "Keine ausreichende Entschuldigung", "Mein Kopfschütteln wird mit dieser Erklärung eher größer als kleiner" oder "Ich muss aus konsumtechnischen Gründen zukünftig darauf verzichten euer Programm zu konsumieren" häufen sich in den sozialen Netzwerken.

Eine Userin glaubt, den wahren Grund für diese Entscheidung zu kennen und spricht damit vielen aus der Seele:"Das hättet ihr euch mit #TVOG nie geleistet. Aber bei #TheVoiceSenior geht's ja nur um Leute jenseits der werberelevanten Zielgruppe. Wer so ein Format in die Prime Time legt, sollte es schon so durchziehen wie das 'Hauptformat'. Es ist echt beschämend."

Doch der Sender gelobt Besserung: "Wir nehmen uns Eure Kritik wie immer zu Herzen. Sollten wir eine weitere Staffel machen, werden wir sie gerne berücksichtigen."

Die "The Voice Senior"-Jury um die The BossHoss-Sänger Alec Völkel (l.) und Sascha Vollmer (r.) sowie Sasha (2.v.l.), Mark Forster (M.) und Yvonne Catterfeld.
Die "The Voice Senior"-Jury um die The BossHoss-Sänger Alec Völkel (l.) und Sascha Vollmer (r.) sowie Sasha (2.v.l.), Mark Forster (M.) und Yvonne Catterfeld.  © Sat.1

Doch während sich in der digitalen Welt gezankt wurde, feierte Dan Lucas seinen Sieg.

"Wenn man etwas anfängt und durchzieht, will man am Ende auch Erfolg haben. Und der ist mir heute beschieden. Deswegen bin ich total glücklich", sagte Lucas der Deutschen Presse-Agentur.

Der Rocksänger mit grauer Mähne und Ohrring begeisterte die prominenten Coaches Mark Forster, Yvonne Catterfeld, Sasha und The BossHoss schon von der ersten Folge an.

Mit hoher, kräftiger und präziser Stimme schmetterte Lucas 80er-Rockballaden wie "You're The Voice" oder "Don't Stop Believin'". Im Finale überzeugte er mit "Alone" von Heart und einer rockigen Version des Beatles-Klassikers "Help". "Dans Stimme haut einen weg. Ich bin immer noch fassungslos, weil ich so begeistert bin", meinte Gewinner-Coach Sasha.

Dabei war sein Leben nicht immer so triumphal.

Der 64-Jährige, der bürgerlich Lutz Salzwedel heißt und in Brandenburg zur Welt kam, war in den 80er-Jahren Sänger der populären DDR-Band Karussell ("Als ich fortging") und nutzte 1985 ein Konzert in Westdeutschland zur Flucht. "Für uns ostdeutsche Musiker entschied der Staat, welche Lieder wir spielen durften", erzählte der gebürtige Brandenburger einst in einem Interview mit dem Merkur. Er hatte genug, nahm seine Sachen und floh.

Danach nahm er mehrere Platten auf, doch der erhoffte Erfolg blieb aus.

In München fand er seine neue Heimat und arbeitete dort bis zuletzt als Sozialpädagoge. Der Sieg bei "The Voice Senior" ist für nochmal ein verspäteter, persönlicher und zugleich großer musikalischer Erfolg.

Nun geht er mit 10.000 Euro und einem Auto nach Hause und hofft nun auf eine zweite Karriere.

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