Zweifel ausgeräumt! Bilder aus DDR-Kunstraub sind echt, aber viel weniger Wert als gedacht

Gotha/Berlin - Gut 40 Jahren nach dem spektakulären Diebstahl in Gotha sind letzte Zweifel wissenschaftlich ausgeräumt: Die fünf bedeutenden Gemälde sind authentisch.

Kut Kreuch, Oberbürgermeister Gothas und stellvertretender Stiftungsratsvorsitzender der Stiftung Schloss Friedenstein vor den gestohlenen Bildern.
Kut Kreuch, Oberbürgermeister Gothas und stellvertretender Stiftungsratsvorsitzender der Stiftung Schloss Friedenstein vor den gestohlenen Bildern.  © DPA

Das ergab eine Prüfung im Rathgen-Forschungslabor der Staatlichen Museen zu Berlin, wie dessen Direktor Stefan Simon am Freitag in Berlin bestätigte.

Die Kunstwerke galten nach dem Diebstahl 1979 als verschollen. 2018 wurden sie über einen Anwalt der Stiftung Schloss Friedenstein, deren stellvertretender Vorsitzender Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch ist, zum Kauf angeboten. Bei der Übergabe der Werke 2019 wurden sie in das Forschungslabor gebracht, um untersucht zu werden.

Doch dabei kam nicht nur heraus, dass es sich um die damals gestohlenen Bilder handelte, sondern auch, dass die Gemälde viel weniger Wert sind, als eigentlich gedacht. Ihr Wert wurde bisher immer auf rund 50 Millionen Euro geschätzt worden, dieser Wert wurde am Freitag drastisch auf vier Millionen gesenkt.

Grund dafür ist unter anderem, dass die Bilder teilweise nicht von den Malern stammen, denen sie eigentlich zugeordnet waren.

Nur das Bild von Hans Holbein dem Älteren stammt wirklich von ihm. Bei den anderen vier Bildern haben die Untersuchungen ergeben, dass sie teilweise nur von Malern aus den Werkstätten der Künstler stammen - so bei dem Werk, dass Jan Brueghel dem Älteren zugeordnet wurde.

Bilder stammen nicht von den zugeordneten Malern

Das Schloss Friedenstein ist eines der am besten erhaltenen Barockschlösser in Deutschland.
Das Schloss Friedenstein ist eines der am besten erhaltenen Barockschlösser in Deutschland.

Das Selbstporträt von Anthonis van Dyck soll ein Bild des Malers sein, dass durch einen anderen noch unbekannten Künstler geschaffen wurde, das Bild, das der Werkstatt von Frans Hals zugeordnet wurde, soll nun doch vom Meister persönlich gemalt worden sein.

Das Bild von Jan Lievens stammt den Erkenntnissen zufolge auch nicht von ihm, sondern von Meister Ferdinand Dol. Vor der Übergabe der Bilder habe es zudem keinen Geldaustausch gegeben, die Ernst-von-Siemens-Kunststiftung übernehme aber die Kosten für die anwaltliche Beratung und die Logistik im Rahmen der Abwicklung für die Überbringer der Bilder.

Rechtlich sei die Sache für die Stiftung Schloss Friedenstein Gotha damit abgeschlossen, hieß es bei der Vorstellung, die Ermittlungen der Polizei und des LKA in Berlin laufen aber weiter.

Nach der Präsentation werden die Bilder nun verpackt und nach Gotha transportiert. Hier sollen sie von kommendem Montag bis Sonntag im Herzoglichen Museum zu sehen sein, bevor sie aufwendig restauriert werden. 2021 soll dann umfassende Ausstellung stattfinden.

Titelfoto: DPA

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