Bilder nach 40 Jahren wieder aufgetaucht: Das passierte beim größten Kunstraub der DDR-Geschichte

Gotha - Zum ersten Mal seit 40 Jahren werden am Freitag in Berlin die fünf gestohlenen Gemälde aus dem größten Kunstraub der DDR-Geschichte gezeigt. Doch was ist über den Weg der Bilder eigentlich bekannt?

Diese Bilder wurden 1979 gestohlen: (v.li.) "Brustbild eines Unbekannten Herrn mit Hut und Handschuhen" von Frans Hals, "Heilige Katherina" von Hans Holbein und das Gemälde "Alter Mann" von Jan Lievens.
Diese Bilder wurden 1979 gestohlen: (v.li.) "Brustbild eines Unbekannten Herrn mit Hut und Handschuhen" von Frans Hals, "Heilige Katherina" von Hans Holbein und das Gemälde "Alter Mann" von Jan Lievens.

Bis zur Nacht zwischen dem 13. und 14. Dezember 1979 hatten die Werke Alter Meister im Schloss Friedenstein in Gotha gehangen und dort für viele Besucher gesorgt.

In der verhängnisvollen Nacht stiegen die bis heute unbekannten Täter dann mit Steigeisen und einem Blitzableiter in die zweite Etage des Schlosses ein. Sie nahmen alle fünf Gemälde mit - plus Rahmen. Eigentlich ungewöhnlich, denn bei den einem normalen Kunstraub werden die Bilder für den besseren Transport aus dem Rahmen herausgeschnitten.

Die Polizei rückte in den Morgenstunden an, die Täter waren da schon auf der Flucht, auch Spürhunde konnten sie nicht mehr finden. Die letzte Spur führte zu einem Lkw-Parkplatz, so der MDR, auf dem auch in der besagten Nacht ein Laster aus dem Westen parkte. Ob die Gemälde aber wirklich über die Grenze gebracht wurden, konnte nie geklärt werden.

Auch halten sich die Gerüchte und Beweise hartnäckig, dass die Staatssicherheit der DDR einen Anteil an dem Diebstahl hatte. Doch die Polizeiakten aus den Jahren sind zu 90 Prozent verschwunden, die Tat verjährt - eine Aufklärung nach dieser langen Zeit scheint fast unmöglich.

Bilder brauchen Restauration

Das Schloss Friedenstein ist eines der am besten erhaltenen Barockschlösser in Deutschland.
Das Schloss Friedenstein ist eines der am besten erhaltenen Barockschlösser in Deutschland.

Im Sommer 2018 tauchten die Gemälde dann in einer Hollywoodreifen Aktion wieder auf, als Geras Oberbürgermeister plötzlich fünf Farbfotos von den sonst nur in Schwarz-Weiß abgebildeten Werken von einem Rechtsanwalt auf den Tisch gelegt wurden. Eine Erbengemeinschaft hatte die Bilder im Nachlass eines Verwandten erhalten, wollte sie für fünf Millionen Euro wieder an die Stadt zurückgeben.

Nach Informationen des MDR kam es nie zu einer Geldübergabe, vielmehr habe man sich in Berlin getroffen, um die Echtheit der Bilder in den Staatlichen Museen bestimmen zu lassen und verschloss die Bilder dabei hinter sicheren Türen, sobald sie die Hände gewechselt hatten.

Einem Kunstkenner scheinen sie in den letzten Jahren aber nicht gehört zu haben, denn aus Gotha wurde bekannt, dass die Bilder dringend aufwendig restauriert werden müssen, bevor sie wieder ausgestellt werden können. Genaueres soll aber bei einer Pressekonferenz in Berlin und in der darauffolgenden Woche in Gotha bekannt gegeben werden.

Für die Erbengemeinschaft könnte die Sache nun aber noch haarig werden, denn die Polizei hat die Ermittlungen gegen sie aufgenommen. Allerdings ist unklar, ob diese auch weitergeführt werden, oder die Anbieter der Bilder einen Finderlohn bekommen.

Klar ist aber: Die Bilder sind echt und sollen noch in dieser Woche wieder in ihre Heimat ins Schloss Friedenstein in Gotha zurückkehren.

Auch diese Bilder waren damals verschwunden: (v.li.) "Selbstbildnis mit Sonnenblume" von Anthonis van Dyck und "Landstraße mit Bauernwagen und Kühen" von Jan Brueghel.
Auch diese Bilder waren damals verschwunden: (v.li.) "Selbstbildnis mit Sonnenblume" von Anthonis van Dyck und "Landstraße mit Bauernwagen und Kühen" von Jan Brueghel.  © ---/Stiftung Schloss Friedenstein Gotha/dpa

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