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Defekte Haushaltsgeräte: Finger weg oder reparieren?

Jeder kennt es: Wenn ein Haushaltsgerät kaputt geht, dann ist das wie beim Domino-Effekt und es fällt noch viel mehr aus. Aber lohnt sich das reparieren oder sind die Geräte nur noch etwas für den Schrott?
Mit dem richtigen Werkzeug, Geduld und dem gesammelten Web-Wissen Gleichgesinnter lassen sich viele Haushaltsgeräte auch von Laien wieder instandsetzen. Allerdings: Manches lässt sich schlicht und ergreifend nicht mehr reparieren.
Mit dem richtigen Werkzeug, Geduld und dem gesammelten Web-Wissen Gleichgesinnter lassen sich viele Haushaltsgeräte auch von Laien wieder instandsetzen. Allerdings: Manches lässt sich schlicht und ergreifend nicht mehr reparieren.

Es zischt, es rumpelt und manchmal tut sich auch rein gar nichts mehr: Wenn Haushaltsgeräte den Dienst versagen, steht Otto Normalverbraucher oft nur vor zwei Optionen: Neukauf oder Fachmann. Allerdings gibt es angesichts von Online-Lehrvideos und unabhängigen Ersatzteilhändlern auch noch eine dritte Möglichkeit.

Mit ziemlicher Sicherheit stand schon jeder MOPO24-Leser vor diesem Dilemma: Ein beliebiges Haushaltsgerät will nicht mehr, wie sein Besitzer es gerne hätte. Und getreu Murphy’s Gesetz passiert das grundsätzlich meist dann, wenn es am wenigsten passt. Waschmaschinen geben nur dann den geist auf, wenn die Schmitzwäsche sackweise wartet.

Schmutzwäsche sackweise wartet. Und Küchenmaschinen brennen genau dann durch, wenn damit ein Geburtstagskuchen gebacken werden soll. Und der Fernseher? Der will dann nicht mehr, wenn sein Besitzer ihn für das Championsleague-Finale einschalten will. Und selbstverständlich gehört dann auch dazu, dass die Geräte nur wenige Tage aus der Garantiezeit heraus sind. Böse Zungen vermuten hinter solcher Stringenz „geplante Obsoleszenz“ – sagen also den Herstellern nach, dass sie absichtlich so bauen, dass Waren nach einer relativ kurzen Zeitspanne den Dienst einstellen. Den Firmen würde dieses Vorgehen natürlich in die Hände spielen, denn sie wollen verkaufen. Und leider folgen auch viele Verbraucher diesem Credo: Gibt ein Haushaltsgerät auf, sind manche schon auf dem Weg zum Fachmarkt, bevor die einst beweglichen Teile zum Stillstand gekommen sind. Das ist weder Portemonnaie-schonend noch gut für die Umwelt.

Was aber tun? Die andere Option wären Handwerker und die sind teuer. Und oft genug winken sie auch ab: Manches lässt sich einfach nicht reparieren. Sei es, weil vom Hersteller nie Ersatzteile eingeplant wurden, oder weil eine Reparatur den Wert eines Neugeräts bei weitem überschreiten würde. Was aber, wenn man genau diese Lohnkosten, die Reparaturen so teuer machen, eliminieren könnte? Fakt ist: Längst nicht alles lässt sich heute noch reparieren. Manches hingegen schon. Und vieles davon kann auch von Laien in Angriff genommen werden. Was es darüber alles zu wissen gibt, erklärt folgender Artikel.

1. Wie erkenne ich, ob etwas reparierbar ist?

Profis sind teuer – können aber oft ebenfalls nicht helfen. Bei anderen Dingen, wie diesem verstopften Spülmaschinen-Rotor ist Eigenleistung hingegen einfach und genau so erfolgversprechend.
Profis sind teuer – können aber oft ebenfalls nicht helfen. Bei anderen Dingen, wie diesem verstopften Spülmaschinen-Rotor ist Eigenleistung hingegen einfach und genau so erfolgversprechend.

Grundsätzlich darf davon ausgegangen werden, dass Klein- oder Billiggeräte nicht dafür gedacht wurden, repariert zu werden. Das lässt sich unter anderem erkennen an:

  • Verklebte Gehäuse
  • Einsatz von nicht geläufigen Schraubenköpfen
  • Sollbruchstellen
  • Keine Hotline in der Gebrauchsanweisung

Praktisch jedes Haushaltsgerät verfügt über ein Typschild, auf dem die genaue Bezeichnung zu finden ist. Diese sollte einfach im Schadensfall in die Suchmaschine der Wahl eingegeben werden. Finden sich brauchbare Ergebnisse – also nicht Shopping-Seiten, sondern Foren etc. - existiert zumindest die theoretische Möglichkeit, dass eine Reparierbarkeit gegeben ist. Was allerdings generell Reparaturen ausschließt:

  • Nicht im Fachgeschäft, sondern Supermarkt etc. gekauft („Noname-Produkt“)
  • Lange zurückliegendes Kaufdatum
  • (Leider) „Made in China“

Vor allem letzteres ist ein Phänomen: Denn auch heute noch und entgegen anderslautender Kampfansagen aus der Volksrepublik stimmt leider viel zu oft das Klischee vom billigen „Chinaböller“, der schlecht verarbeitet wurde.

Aber es gibt auch eine gute Nachricht: Stammt das Gerät vom Markenhersteller, ist die Möglichkeit hoch, dass sich dafür Ersatzteile finden.

2. Was kann ich überhaupt selbst reparieren?

Großgeräte wie Waschmaschinen gehören fast immer zur Kategorie 1 oder 2 denn sie enthalten sowohl Verschleiß- als auch austauschbare Bauteile.
Großgeräte wie Waschmaschinen gehören fast immer zur Kategorie 1 oder 2 denn sie enthalten sowohl Verschleiß- als auch austauschbare Bauteile.

Doch auch, wenn ein Markenprodukt kaputt geht, steht längst nicht fest, dass es auch in Eigenregie zerlegt, instandgesetzt und wieder zu einem funktionierenden Ganzen zusammengebaut werden kann.

  1. Die einfachsten Reparaturen sind die von Verschleißteilen wie Antriebsriemen im Wäschetrockner oder Glübirnen im Kühlschrank. Denn bei diesen ist von vornherein sicher, dass der Hersteller deren Ausfall explizit eingeplant hat. Das bedeutet (zumindest bei relativ neuen Geräten): Es gibt Ersatzteile, Reparaturanleitungen und auch die Möglichkeit, die Teile beschädigungsfrei auszutauschen.
  2. Etwas schwieriger sind Arbeiten an austauschbaren Bauteilen im Inneren. So sind beispielsweise bei Waschmaschinen Magnetventile, Wasserpumpen und Türschlösser mit Steckverbindungen an den Kabeln ausgestattet und in der Maschine angeschraubt oder –geklippt: Das Gerät muss also nur zerlegt, das schadhafte Teil von den Kontakten getrennt und durch ein neues ersetzt werden.
  3. Die nächste Stufe stellen mechanische Bauteile dar. Also etwa die Zahnräder in einem Handrührgerät oder der Schließmechanismus der DVD-Player-Schublade. Auch diese können ausgebaut und ausgetauscht werden. Im Notfall könnten sie sogar durch Teile aus einem 3D-Drucker ersetzt werden.
  4. Die schwierigste und auch am seltensten von Erfolg gekrönte Variante sind elektronische Probleme. Sie reichen vom Heizelement im Fön bis zum durchgebrannten Widerstand auf der Leiterplatte im Fernseher. Rein theoretisch lassen sich hier Erfolge erzielen, denn Widerstände, Kondensatoren usw. werden meist von den Herstellern zugekauft und können durch Exemplare mit gleichen Werten ersetzt werden. Aber erst einmal auf einer Leiterplatte das schadhafte Teil zu finden, ist die Schwierigkeit.

Zusammengefasst lässt sich also sagen: Sind lediglich Verschleiß- oder austauschbare Bauteile betroffen, kann in den überwiegenden Fällen selbst repariert werden. Bei den beiden anderen Punkten sind meist umfangreichere Werkzeuge und Kenntnisse vonnöten, die bei Laien meist nicht vorhanden sind.

3. Woher weiß ich, wie ich vorgehen muss?

Vor jedem Reparaturversuch sollte der Blick in entsprechende Webforen obligatorisch sein. Schon allein, weil es hier für viele Markenprodukten Anleitungen gibt.
Vor jedem Reparaturversuch sollte der Blick in entsprechende Webforen obligatorisch sein. Schon allein, weil es hier für viele Markenprodukten Anleitungen gibt.

Gesetzt dem Fall, dass es sich bei dem Schaden wirklich um einen der Kategorie 1 oder 2 handelt, sind die Chancen sehr groß, dass es im Web Antworten gibt: Dazu sollten zunächst entsprechende Foren aufgesucht werden, etwa

Mit etwas Glück findet sich dort bei entsprechenden Markenprodukten auch gleich eine Reparaturanleitung. Zumindest aber in den meisten Fällen jemanden, der weiterhelfen oder einem zumindest einige Tipps geben kann. Wichtig ist allerdings folgendes:

  • Es kann Stunden oder Tage dauern, bis eine passende Antwort kommt
  • Es werden alle Informationen vom Typschild benötigt
  • Es besteht die Möglichkeit von Falschinformationen

Eine weitere Option kann es zudem durchaus sein, wenn sowieso schon die Gerätebezeichnung in der Suchmaschine eingegeben wurde, gleich auf die Video-Suchfunktion zu schauen. Oft stellen Findige nämlich auch ganze Reparaturvideos ins Netz, bei denen einfach nur alle Schritte nachgemacht werden müssen.

4. Woher bekomme ich Werkzeug – und welches?

Werkzeugkoffer und ähnliche Behältnisse sind die beste Basis, um seinen Grundstock auch zusammenzuhalten und das Werkzeug übersichtlich zu sortieren.
Werkzeugkoffer und ähnliche Behältnisse sind die beste Basis, um seinen Grundstock auch zusammenzuhalten und das Werkzeug übersichtlich zu sortieren.

Bei vielen Laien besteht das einzige Werkzeug im Haushalt in einem nie verwendeten Schraubenzieher am Taschenmesser. Und es wird ja auch nicht erwartet, dass jeder

einen prall gefüllten Werkzeugkoffer im Keller stehen hat, der einen Profi neidisch machen würde.

Das Gute: Alles was es an Haushaltsgeräten, die zur Reparatur vorgesehen sind, zu flicken gibt, lässt sich mit frei erhältlichem Werkzeug durchführen. Jedoch hängt bei Werkzeugen die Qualität stark von dem ab, was der Käufer bereit ist, auszugeben. Zwölfteilige Schraubendreher-Sets aus dem Euro-Shop erreichen meist nicht einmal die minimalen Qualitätsstandards, die für eine einmalige Benutzung benötigt werden. Aus diesem Grund sollte von solchem Billigst-Gerät grundsätzlich die Finger gelassen werden.

Die beste Option ist Baumarktwerkzeug: Praktisch jeder Anbieter führt auch eine eigene, günstige Linie von Werkzeug (etwa Bauhaus: Wisent, Praktiker: Faust, Obi: Lux-Tools). Und das reicht qualitativ meist vollkommen für jegliche Maßstäbe, die ein Laie anlegt.

Bleibt die Frage nach dem „Was“, denn prinzipiell kann man zwar nie zu viel Werkzeug besitzen, aber eben doch auch bei günstigen Produkten schnell mehrere hundert Euro versenken. Ein guter Grundstock, mit dem Laien für die meisten Reparatursituationen gerüstet sind, enthält die folgenden Werkzeuge:

  • Ein mehrteiliger Satz Schraubenzieher (meist acht- oder neunteilig). Enthält vier Schlitz- und vier Kreuzschlitz-Schraubendreher sowie einen Bithalter mit Griff, der als Universaldreher fungiert.
  • Ein Bit-Set mit Innensechskant- („Inbus“) und Torx-Bits. Meist gehören hier auch weitere Schlitz- und Kreuzschlitz-Bits mit zum Set.
  • Ein Elektro-Schraubendreher mit Prüflampe (zur Spannungsprüfung von 230-Volt-Geräten).
  • Ein Set Micro-Schraubenzieher (werden u.a. für Handys etc. benötigt)
  • Zwei Spitzzangen, eine gerade, eine gebogene. Mit integriertem Seitenschneider.
  • Ein Kunststoffkeil zum Lösen von Clip-Verbindungen
  • Zwei Wasserpumpenzangen (können notfalls auch als Schraubenschlüssel fungieren)
  • Ein kleiner Hammer (250 Gramm)
  • Ein ausziehbarer Magnet mit Teleskopstange.
  • Eine Dose WD-40 zum Lösen von festgerosteten Schraubverbindungen
  • Eine Dose Ballistol zum Schmieren
  • Eine Rolle „Panzertape“ zum Fixieren
  • Eine LED-Taschenlampe mit Geschirr für die Stirn (ermöglicht Arbeiten mit freien Händen)
  • Zwei Schraubzwingen (alternativ Spannzwingen), zwei Federzwingen (als „dritte Hand“ zum Festhalten)
  • Ein Spachtel (zum Entfernen von alten Dichtungen, Verklebungen usw.
  • Ein passender Werkzeugkoffer

Elektrisches Werkzeug wie Bohrmaschinen, Akkuschrauber usw. ist prinzipiell nicht für die Reparatur von Haushaltsgeräten notwendig, denn es erlaubt nicht das gewisse Fingerspitzengefühl, das meist notwendig ist, um Schrauben nicht zu fest anzuziehen. Wichtig ist jedoch, dass alle Werkzeuge sich im Koffer an einem zentralen Ort befinden, damit im Schadensfall nicht erst lange danach gesucht werden muss

5. Nur Mut

Bit-Sets sind die ideale Ergänzung zum Schraubendreher. Und sie erlauben nicht nur die Reparatur, sondern können auch als qualitativ hochwertigere Alternative beim Aufbau von typischen Discounter-Möblen fungieren.
Bit-Sets sind die ideale Ergänzung zum Schraubendreher. Und sie erlauben nicht nur die Reparatur, sondern können auch als qualitativ hochwertigere Alternative beim Aufbau von typischen Discounter-Möblen fungieren.

Die goldene Regel bei allen Reparaturversuchen ist: Immer zuerst vom Strom trennen. Und dann heißt es: Nur Mut. Meist ist es in der Praxis längst nicht so schwer, wie es in einer Reparaturanleitung aussieht. Zudem: Das Haushaltsgerät ist sowieso schon kaputt. Noch kaputter kann man es also nicht machen – wer über seinen eigenen Schatten springt, kann jedoch viel erreichen.

Fazit

Leider leben wir im Zeitalter der Wegwerfware. Doch gibt es dazwischen immer noch genügend Haushaltsgeräte, die sich, ein wenig Fingerspitzengefühl vorausgesetzt, durchaus auch von Laien reparieren lassen. Wer sich die Mühe macht und vorher im Internet ausgiebig recherchiert und dann auch noch auf die richtigen Werkzeuge zurückgreifen kann, kann in vielen Fällen Reparaturen oder Neukäufe im Wert von hunderten Euros sparen.

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