Randale-Bilanz der "Indymedia"-Demo in Leipzig: 13 verletzte Polizisten, sechs Festnahmen

Leipzig - Vor der Indymedia-Demonstration in Leipzig hatten Politik und Polizei zur Friedlichkeit gemahnt. Doch die Appelle nützten nichts. Die Polizei spricht von 13 verletzten Beamten und mehreren Festnahmen.

Etwa 1600 Menschen zogen Samstagabend als Teil der Demo gegen den Verbot von "Indymedia" durch den Leipziger Süden.
Etwa 1600 Menschen zogen Samstagabend als Teil der Demo gegen den Verbot von "Indymedia" durch den Leipziger Süden.  © Silvio Bürger

Die Demonstration gegen das Verbot der Internet-Plattform "Linksunten.Indymedia" am Samstagabend in Leipzig ist aus dem Ruder gelaufen (TAG24 berichtete). Vermummte Demonstranten zündeten immer wieder Böller und Bengalos. Außerdem rissen sie Pflastersteine aus dem Boden und zertrümmerten das Glas eines Wartehäuschens der Straßenbahn sowie Autoscheiben.

Als an der Kreuzung Karl-Liebknecht-/Richard-Lehmann-Straße in der Südvorstadt ein regelrechter Stein- und Flaschenhagel auf Polizeiautos niederging, stoppte die Demo. Im Laufe der Demonstration wurden laut Polizei 13 Beamte leicht verletzt - elf durch Bewurf von Gegenständen, zwei durch Einwirkung von Pyrotechnik. Ob es auch unter den Demonstranten Verletzte gab, war der Polizei in der Nacht zum Sonntag nach eigenen Angaben nicht bekannt.

"In dem Moment, wo Straftaten begangen werden, kann man nicht mehr vom friedlichen Verlauf einer Veranstaltung sprechen", sagte Leipzigs Polizeisprecherin Silvaine Reiche. Sechs Tatverdächtige seien vorläufig festgenommen worden, weil ihnen unter anderem Landfriedensbruch, Körperverletzung und Sachbeschädigung vorgeworfen werde.

"Indymedia"-Demo in Leipzig: Polizei mit Großaufgebot im Einsatz

An der Kreuzung Karl-Liebknecht-/Richard-Lehmann-Straße eskalierte die Situation dann. Steine und Flaschen wurden auf Polizeiwagen geworfen.
An der Kreuzung Karl-Liebknecht-/Richard-Lehmann-Straße eskalierte die Situation dann. Steine und Flaschen wurden auf Polizeiwagen geworfen.  © Silvio Bürger

Anlass der Demonstration war die Verhandlung über das Verbot von "Linksunten.Indymedia" am Bundesverwaltungsgericht in der nächsten Woche.

Behelmte Polizisten mit Schutzschilden und Demonstranten standen sich nach den Steinwürfen eine ganze Weile gegenüber. Laut Polizei und Versammlungsbehörde hatten sich ungefähr 1600 Menschen an der Demo beteiligt. Angemeldet waren 500. Linke Gruppen und Netzaktivisten hatten bundesweit dafür mobilisiert.

Nach einigem Hin und Her wurde nach dem Stopp der ersten Demonstration eine Fortsetzung bis zum linksalternativen Stadtviertel Connewitz angemeldet. Dort löste sich die Versammlung schließlich auf.

Zur Höhe des angerichteten Sachschadens konnte die Polizei zunächst noch keine Angaben machen.

Die Polizei war mit einem Großaufgebot im Einsatz - nicht zuletzt wegen der Eskalation in der Silvesternacht in Connewitz. Unterstützung erhielt Sachsens Polizei dabei von Einsatzkräften aus Bayern, Brandenburg, Thüringen, Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und der Bundespolizei (TAG24 berichtete).

UPDATE, 10.30 Uhr: Wöller verurteilt Gewalt bei Indymedia-Demo

Sachsens Innenminister Roland Wöller (CDU) hat die Gewalt bei der Indymedia-Demonstration in Leipzig scharf verurteilt. Wer Journalisten und Polizisten angreift, greife die Meinungsfreiheit und die friedliche Gemeinschaft an, erklärte der Minister auf Twitter.

"Wir werden nicht hinnehmen, dass Leipzig das Ziel gewalttätiger Linksextremisten aus ganz Deutschland wird", so Wöller.

UPDATE, 14.05 Uhr: Oberbürgermeister Jung entsetzt über Gewalt bei Indymedia-Demo

Der Leipziger Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) hat entsetzt auf den Gewaltausbruch bei der Indymedia-Demonstration reagiert. "Was geht in Menschen vor, die so hassen? Sie wüten gegen alles, alles, für das wir täglich eintreten: gegen Respekt, gegen Demokratie und Rücksicht und Toleranz", erklärte der Stadtchef am Sonntag.

Eine "verbrecherische Gruppe" habe am Samstagabend das Recht auf freie Meinungsäußerung und friedliche Demonstration hemmungslos und gewalttätig ausgenutzt. "Auf diese Kriminellen kann es nur eine Antwort geben: einen starken Staat", erklärte der Oberbürgermeister.

Im Laufe der Demo sollen 13 Polizisten leicht verletzt worden sein. Die Polizei sprach von sechs Festnahmen. Ob es auch auf Seiten der Demonstranten Verletzte gab, war zunächst nicht bekannt.
Im Laufe der Demo sollen 13 Polizisten leicht verletzt worden sein. Die Polizei sprach von sechs Festnahmen. Ob es auch auf Seiten der Demonstranten Verletzte gab, war zunächst nicht bekannt.  © Silvio Bürger
Nachdem der Zug zunächst gestoppt war, zogen die Demonstranten weiter bis nach Connewitz, wo die Demo schließlich für beendet erklärt wurde.
Nachdem der Zug zunächst gestoppt war, zogen die Demonstranten weiter bis nach Connewitz, wo die Demo schließlich für beendet erklärt wurde.  © Silvio Bürger
Mehrere Autos, die an der Straße geparkt waren, wurden während der Demo beschädigt.
Mehrere Autos, die an der Straße geparkt waren, wurden während der Demo beschädigt.  © Einsatzfahrten Leipzig
Ebenso wie die kürzlich erneuerte Straßenbahnhaltestelle an der Kreuzung Karli/Richard-Lehmann-Straße.
Ebenso wie die kürzlich erneuerte Straßenbahnhaltestelle an der Kreuzung Karli/Richard-Lehmann-Straße.  © Sören Müller

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