Kennt Ihr diese Denkmale? Alle sind heute offen!

Das Handwerkerhaus war nach 15 Jahren Leerstand baufällig.
Das Handwerkerhaus war nach 15 Jahren Leerstand baufällig.

Von Antje Meier

Sachsen - Die meisten Dresdner kennen die „20er Kurve“ in Alttolkewitz. Genau an dieser Stelle steht das Handwerkerhaus von Heinz-Josef Chlosta. So genannt, weil zuletzt ein Schuster darin lebte.

Erste Hinweise auf das Haus stammen aus dem Jahr 1885. „Aber die Anfänge sind sicher älter. Alttolkewitz ist achtmal abgebrannt. Da wurde das Haus immer wieder aufgebaut“, erzählt Chlosta.

Und beinahe hätte das Haus dieses Schicksal erneut ereilt. Es sollte abgerissen, wieder originalgetreu aufgebaut werden. Der Denkmalschutz hatte zugestimmt.

„Plötzlich hieß es, wir müssten das Haus erhalten“, sagt Chlosta. Ein Schock!

„Wir haben uns dann dafür entschieden. Aber radikal“, meint der Dresdner, der in einer Gründerzeitvilla in Blasewitz lebt. „Wenn wir schon Denkmalschutz betreiben, dann richtig.“

Architekt Andreas Hirt (44, v.l.) und Bauherr Heinz-Josef Chlosta (62) nehmen Platz auf dem neuen Schmuckstück des Hauses. Die Massivholztreppe aus Eiche kann bei Hochwasser mit wenigen Handgriffen abmontiert werden.
Architekt Andreas Hirt (44, v.l.) und Bauherr Heinz-Josef Chlosta (62) nehmen Platz auf dem neuen Schmuckstück des Hauses. Die Massivholztreppe aus Eiche kann bei Hochwasser mit wenigen Handgriffen abmontiert werden.

So wurde alles auf dem Grundstück verbaut. Die Sandsteinmauer besteht aus gefundenen Steinen. Ebenso das Mauerwerk: Sandstein, Klinker, Hohlkammersteine und Findlinge halten es zusammen.

Kaputtes Holz wurde durch 250 Jahre alte Balken aus einer Scheune ersetzt. „Alles ist schief und krumm. Es gibt kein rechtwinkliges Zimmer.“

Aber auch etwas Luxus hielt Einzug. Ein neuer, moderner Eingangsbereich bietet mehr Platz. Eine Massivholztreppe ist der Hingucker im Flur. Im gesamten Haus sorgt eine Fußbodenheizung für wohlige Wärme, und Schallschutzdämmung höchster Klasse hält den Straßenlärm draußen.

Ganze zwei Jahre dauerten die Arbeiten. Die Kosten liegen im sechsstelligen Bereich.

„Aber es hat sich gelohnt. Das Haus ist einzigartig“, sagt Heinz-Josef Chlosta stolz. Dennoch zogen am Ende Andere ein.

„Wir haben das Haus an eine vierköpfige Familie vermietet. Ich denke, das passt richtig gut zu diesem Haus.“

Heute erstrahlt das Denkmal in neuem Glanz, hat neue moderne Details erhalten.
Heute erstrahlt das Denkmal in neuem Glanz, hat neue moderne Details erhalten.
Früher war hier der Taubenschlag. Heute erinnert daran nichts mehr - Gemütlichkeit hielt Einzug.
Früher war hier der Taubenschlag. Heute erinnert daran nichts mehr - Gemütlichkeit hielt Einzug.

Fluch oder Segen?

Ein denkmalgeschütztes Haus zu besitzen und zu sanieren, ist Fluch und Segen gleichermaßen.

„In der Bauzeit ist es ein Fluch, danach ein Segen“, sagt Architekt Andreas Hirt (44). Das Problem seien oft die Bauherren selbst.

„Man gerät schnell in das Fahrwasser, dass man nach modernsten Normen sanieren will. Aber beim Altbau ist es ein Kampf gegen die Norm. Man muss Abstriche machen und Alternativen finden“, meint Hirt.

Und jeder sollte sich im Klaren sein, dass es viel Zeit, Geld und Ausdauer braucht, um ein altes Haus zu erhalten. „Aber das Ergebnis entschädigt für alles. Diese alten Häuser haben eben ihren eigenen Charme.“

Auch hier lohnt sich ein Besuch

Etwa 730 Objekte in 200 sächsischen Städten und Gemeinden öffnen heute zum „Tag des offenen Denkmals“ unter dem Motto „Handwerk, Technik, Industrie“ ihre Türen. Wir haben drei Tipps ...
Etwa 730 Objekte in 200 sächsischen Städten und Gemeinden öffnen heute zum „Tag des offenen Denkmals“ unter dem Motto „Handwerk, Technik, Industrie“ ihre Türen. Wir haben drei Tipps ...
  • Dresden - 1911 erbaut, ist das Festspielhaus Hellerau heute Rückzugsort für Kunst und Kultur. Der Deutsche Werkbund Sachsen bietet 11 bis 16 Uhr halbstündlich Führungen an. Außerdem gibt‘s die Fotoausstellung „Hit the road Jack“ zur Lebenssituation der Roma zu sehen.
  • Königstein - Einen Blick hinter sonst verschlossene Türen ermöglicht die Festung Königstein von 11 bis 17 Uhr. So führt der Festungsverein durch die aus dem 16. Jahrhundert stammenden Tiefkeller unter dem Torhaus.
  • Großenhain - Sonst nur auf Anfrage geöffnet, können Besucher von 14 bis 17 Uhr die Bunkeranlage Großenhain besuchen. 1972-74 erbaut, diente sie zur Lagerung von Sonderwaffen.

Mehr Infos unter: www.tag-des-offenen-denkmals.de

Auch das sind Denkmäler: Die alte Bunkeranlage auf dem Flugplatz Großenhain kann heute besichtigt werden.
Auch das sind Denkmäler: Die alte Bunkeranlage auf dem Flugplatz Großenhain kann heute besichtigt werden.

Fotos: Petra Hornig, dpa picture alliance/Jan Woitas


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0