Wenn sich ein Schatten auf die Seele legt

Prof. Ulrich Hegerl (62), Direktor der psychiatrischen Klinik der Uni Leipzig.
Prof. Ulrich Hegerl (62), Direktor der psychiatrischen Klinik der Uni Leipzig.

Von Antje Meier und Pia Lucchesi

Sachsen - Es ist nicht einfach nur ein Stimmungstief, wie es wohl jeder kennt. Auch keine Trauer nach einem Todesfall. Wer an Depressionen leidet, scheint innerlich zu sterben. Ein dunkler Schatten legt sich auf die Seele, lässt keine Freude mehr zu. Selbstzweifel und Hoffnungslosigkeit kämpfen um die Vorherrschaft.

„Die Depression sucht sich immer die Probleme, die das Leben gerade bietet, nimmt sie, vergrößert sie und rückt sie ins Zentrum des Lebens“, sagt Prof. Ulrich Hegerl (62), Direktor der psychiatrischen Klinik der Uni Leipzig.

Die WHO schätzt, dass inzwischen etwa 350 Millionen Menschen weltweit an der tückischen Krankheit leiden. Bis zum Jahr 2020 wird es wohl die zweithäufigste Volkskrankheit sein.

Auch in Deutschland sind mehrere Millionen Menschen betroffen. Das sollten Sie über die Krankheit wissen...

Amy Winehouse (†27) litt an schweren Depressionen, die mit heftigen Drogenexzessen einher gingen.
Amy Winehouse (†27) litt an schweren Depressionen, die mit heftigen Drogenexzessen einher gingen.

Der Auslöser

Eine Depression kann man meist nicht auf einen einzigen Auslöser zurückführen. So gibt es einerseits den Faktor der Veranlagung. Heißt: Ein Mensch trägt die Veranlagung genetisch in sich. Aber auch frühere traumatische Erlebnisse tragen dazu bei. Negative wie auch positive Lebensereignisse – beispielsweise eine bestandene Prüfung, ein Umzug, eine Hochzeit, eine Kündigung oder auch Partnerschaftskonflikte – können schließlich das Ausbrechen der Depression begünstigen.

Die Anzeichen

Von einer Depression spricht man erst, wenn eine Reihe von Krankheitszeichen über mindestens 14 Tage vorhanden sind. Dazu zählen die drei Kern-Symptome depressive Stimmung, Antriebsstörung sowie Interessen- und Freudlosigkeit. Davon müssen mindestens zwei permanent vorhanden sein. Hinzu treten Zusatz-Symptome wie Konzentrations-, Schlaf- oder Essstörungen, die Neigung zu Schuldgefühlen und die Hoffnungslosigkeit. Letzteres führt oft zu Suizidgedanken.

Schauspieler Jim Carrey (54, „Truman Show“) kämpft seit Jahren gegen Depressionen an.
Schauspieler Jim Carrey (54, „Truman Show“) kämpft seit Jahren gegen Depressionen an.

Die Krankheit

Bei der Gehirnerkrankung geraten Botenstoffe ins Ungleichgewicht, verändern dadurch Abläufe im Gehirn und im Körper. So ist zum Beispiel die Muskelspannung verändert, die Herzrate erhöht und es werden mehr Stresshormone ausgeschüttet. Das versetzt den Erkrankten in einen Erschöpfungszustand unter zeitgleicher andauernder Anspannung, wie etwa vor eine Prüfung. Eine genaue Ursache für das Ungleichgewicht im Gehirn konnte die Forschung bislang nicht ausmachen. Eine depressive Episode kann Wochen bis mehrere Monate dauern, je nach Form und Schwere.

Die Formen

Die häufigste Erkrankungsform ist die unipolare Depression, bei der die Erkrankung häufig wiederkehrt. Zwischen den Episoden ist der Betroffene vollkommen gesund. Bei manisch-depressiven Erkrankungen wechseln sich depressive und manische Phasen, teils schlagartig, ab. Manie zeichnet sich durch Tatendrang, Größenwahn und Ruhelosigkeit aus. Die „Dysthymie“ ist schließlich weniger stark ausgeprägt, zieht sich aber über einen viel längeren Zeitraum. Die Diagnose kann erst nach zwei Jahren gestellt werden.

Eine Stele mit einem Bild von Robert Enke. Der Fußballprofi hatte sich am 10.11.2009 im Alter von 32 das Leben genommen.
Eine Stele mit einem Bild von Robert Enke. Der Fußballprofi hatte sich am 10.11.2009 im Alter von 32 das Leben genommen.

Die Häufigkeit

Fakt ist: Es kann jeden treffen! Denn es gibt kein Depressions-Gen, meint Prof. Ulrich Hegerl, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Sogar Kleinkinder bleiben nicht verschont. Mit der Pubertät nimmt die Wahrscheinlichkeit dann schlagartig zu. So liegt das Erkrankungsrisiko für Frauen bei 21 bis 23 Prozent und für Männer bei 11 bis 13 Prozent. Heißt: Jede vierte Frau und jeder achte Mann ist im Laufe des Lebens betroffen. Sind Eltern oder Geschwister erkrankt, ist das Risiko gleich dreimal höher.

Behandlung

Eine Depression sollte nie selbst, sondern immer durch einen Arzt behandelt werden! Die Behandlung erfolgt medikamentös und oft in Kombination mit Psychotherapie. Antidepressiva wirken dabei auf die aus dem Gleichgewicht geratenen Botenstoffe ein. In der Psychotherapie lernen die Patienten, ihr Leben in Einklang zu bringen. Heißt: Die Patienten lernen „Nein“ zu sagen, ihre Interessen zu verfolgen und beim berüchtigten „Burnout“, ein Modebegriff für Depression, Selbstüberforderung im Beruf zu meiden. Die saisonale Winterdepression wird zudem mittels Lichttherapie behandelt.

Infos unter: www.robert-enke-stiftung.de, diskussionsforum-depression.de, deutsche-depressionshilfe.de

Fotos: imago, dpa


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