Der Arzt, dem kein Patient vertrauen sollte

12 Monate Haft auf Bewährung. Da ist Bernd K. noch einmal davon gekommen.
12 Monate Haft auf Bewährung. Da ist Bernd K. noch einmal davon gekommen.

Von Steffi Suhr

Dresden - „Ich hatte eine rosarote Brille auf“, sagte Bernd K. (61) im Amtsgericht. Der Lehrer gab sich als Psychiater mit eigener Praxis aus. Am Montag wurde er wegen Titelmissbrauch und Betrug verurteilt.

Im Sommer 2011 schraubte der Hochstapler in Laubegast ein Schild ans Haus: Dr. Bernd K., Facharzt für Psychotherapie und Psychiatrie.

Um sich die Praxis einzurichten, organisierte er sich über 10.000 Euro Kredit bei der Ärztebank. „Aber die nachgereichten Arztunterlagen kamen mir suspekt vor“, so eine Mitarbeiterin.

Approbationsurkunde und Weiterbildungsdiplom waren Totalfälschungen!

Die Frage, warum Bernd K. sich als Arzt ausgab, wurde leider nicht beantwortet.
Die Frage, warum Bernd K. sich als Arzt ausgab, wurde leider nicht beantwortet.

„Die habe ich im Internet gefunden“, so Bernd K., der Patienten akquirierte, um „Förderdiagnostik" zu betreiben. Das Gesundheitsamt machte dem Spuk ein Ende - noch bevor er praktizieren konnte.

Wieso Bernd K. zum Arzt wurde, blieb er schuldig, erzählte lieber aus seinem Leben: „Ich war politischer Häftling in Bautzen, wurde freigekauft. War Sanitäter bei den Maltesern.

Ich war Mediziner bei der Feuerwehr in New York. Dann leitete ich den Rettungsdienst in Oschersleben. Und war lange als Dozent in Schulen beschäftigt.“

Kopfschüttelnd sagte seine Ex-Lebensgefährtin (60): „Er war weder in Haft noch in Amerika.“

Für den Auftritt als Arzt kassierte Bernd K. gestern zwölf Monate Haft. Die Strafe wurde aber zur Bewährung ausgesetzt.

Fotos: Holm Helis


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