Der geilste Jubel aller Zeiten

Die Erlösung: Sylvano Comvalius köpft den Ball an Torhüter Phillip Pentke vorbei.
Die Erlösung: Sylvano Comvalius köpft den Ball an Torhüter Phillip Pentke vorbei.

DRESDEN - Eine Achterbahnfahrt der Gefühle: im Sachenderby liegen Freud und Leid nah beisamen. Sylvano Comvalius schießt Dresden zum Sieg und fliegt dann vom Platz.

27.000 Fans zittern bis zur Schlussminute und feiern den 1:0 Heimsieg gegen die Gäste aus Chemnitz.

Der Holländer hatte gerade das entscheidene 1:0 geköpft, einen groben Patzer von CFC-Torhüter Philipp Pentke zum Siegtreffer in der 86. Minute genutzt.

Comvalius ließ seinen Emotionen freien Lauf, riss sich das Trikot vom Oberkörper und hechtete direkt in den Fanblock, um dort mit den Anhängern ausgelassen zu jubeln.

Tragischer Held Comvalius

Bei seiner Rückkehr auf den Rasen wartete schon die Ernüchterung in Form einer kopfschüttelnden Bibiana Steinhaus auf ihn.

Die gab ihm sein Trikot wieder und zeigte mit entschuldigendem Gesichtsausdruck zweimal Gelb - damit Gelb- Rot, Platzverweis.

„Das war nicht gut von mir, was ich da gemacht habe. Unglaublich dumm. Aber ich kannte die Regel wirklich nicht. So lerne ich mit 27 Jahren immer noch dazu“, meinte Dynamos Torschütze nachher geknickt.

Er wird seiner Mannschaft beim Auswärtsspiel in Bielefeld fehlen, weil Gelb-Rot bekanntlich ein Spiel Sperre nach sich zieht.

Die arme Bibi war danach natürlich die Buhfrau, dabei hatte sie alles richtig gemacht - zumindest regeltechnisch.

Stefan Böger wollte denn auch nicht so hart mit Comvalius ins Gericht gehen: „Ich freue mich erstmal über Sylvanos Leistung, nachdem er die Woche mit einem mürrischen Blick rumgelaufen ist, weil der Trainer ihn in Halle nicht aufgestellt hat."

Comvalius' Jubel wird mit Sicherheit zu den Bildern des Jahres gehören.
Comvalius' Jubel wird mit Sicherheit zu den Bildern des Jahres gehören.

Von den Mitspielern wurde Comvalius sofort aufgemuntert. „Da sind mit ihm beim Jubeln die Emotionen durchgegangen“, meinte Justin Eilers.

Und Nils Teixeira hatte Verständnis für die blonde Bibi: „Sie hat einen sehr guten Job gemacht, sehr souverän. Bei der Gelb-Roten konnte sie nichts machen, so sind nun mal die Regeln, das sind Dinge vom DFB."

Teixeira weiter: "So ist das leider. Natürlich gehört diese Regel abgeschafft, das ist wie Elfmeter plus Rot für den Torwart.“

Dabei hatte „Tex“ noch versucht, das Schlimmste zu verhindern und auf die 35-jährige Polizeiobermeisterin eingeredet:

„Die Bibi ist schon in Ordnung. Ich kenne sie auch privat ein bisschen, habe sie mal am Flughafen getroffen. Außerdem habe ich sie schon ein paarmal gehabt - also, als Schiedsrichterin natürlich.“

Nackte Tatsachen: Bibiana Steinhaus schickt den trikotlosen Torschützen vom Platz.
Nackte Tatsachen: Bibiana Steinhaus schickt den trikotlosen Torschützen vom Platz.

Keine Chance gegen Sinnlos-Sperre

Szabolcs Huszti feierte vor zwei Jahren auf dem Zaun und Oberkörper frei. Dafür bekam er erst Gelb, dann Rot.
Szabolcs Huszti feierte vor zwei Jahren auf dem Zaun und Oberkörper frei. Dafür bekam er erst Gelb, dann Rot.

Die lustig-tragische Gelb-Rote Karte des Sachsenderbys: Kein Einzelfall, kein Novum - Sylvano Comvalius hat hierzulande einen prominenten Vorgänger. Der heißt Szabolcs Huszti.

Vor fast exakt zwei Jahren ereilte den Ungarn das gleiche Schicksal. Er hatte mit einem sensationellen Fallrückzieher zum 3:2- Sieg gegen Bremen getroffen.

Und nach einer ebenfalls emotionalen Partie jubelte Huszti ausgelassen, zog sein Trikot aus, kletterte auf den Zaun.

Schiri Deniz Aytekin griff in seine Brusttasche, fingerte die Gelbe Karte heraus und zeigte sie dem Torschützen. Dann holte er auch noch die Rote raus - einmal Gelb fürs Trikotausziehen, einmal für das Jubeln auf dem Zaun, machte in der Summe Gelb-Rot.

Dieser Platzverweis sorgte seinerzeit für Aufsehen und kontroverse Diskussionen. „Das tut einem fast schon ein wenig weh. Mir blieb aber gar nichts anderes übrig“, entschuldigte sich Aytekin.

Übrigens hatte Huszti - wie jetzt Comvalius - von dieser Regelauslegung noch nichts gehört.

Hannover legte damals Protest gegen die Sinnlos- Sperre ein. Begründung: „Zwei vermeintliche Vergehen gewissermaßen in einem Zug zu ahnden, empfinden wir als unzulässig, da Huszti durch die erste Gelbe Karte nicht gewarnt bzw. ermahnt wurde.“

Das DFB-Sportgericht blieb allerdings hart und entschied humorlos: Einspruch abgelehnt!

Fotos: Hentschel, Picture Point, imago


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