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Kann die Neuverfilmung von "Der König der Löwen" mit dem Original mithalten?

Der König der Löwen läuft seit dem 17. Juli in den deutschen Kinos

Hohe Messlatte! Der Zeichentrickfilm von Der König der Löwen prägt seit 1994 ganze Generationen von Kindern. Kann die Neuverfilmung ähnlliches erreichen?

Von Stefan Bröhl

Berlin - Hohe Messlatte! Regisseur Jon Favreau ("The Jungle Book") hatte die schwere Aufgabe, einen der größten und noch immer präsenten Klassiker von Walt Disney neu zu verfilmen: "Der König der Löwen", der seit dem 17. Juli in den deutschen Kinos läuft.

Nach einer starken Eröffnung mit dem Song "Ein ewiger Kreis" hält der Mandrill-Affe Rafiki Simba in die Höhe.
Nach einer starken Eröffnung mit dem Song "Ein ewiger Kreis" hält der Mandrill-Affe Rafiki Simba in die Höhe.
Dafür bekam der erfahrene Filmemacher laut "Deadline" ein Budget von 260 Millionen US-Dollar zur Verfügung gestellt und durfte sich in technischer Hinsicht so richtig austoben.

Schon der Beginn ist beeindruckend. In atemberaubenden fotorealistischen Bildern entführt Favreau das Publikum in die endlosen Weiten der afrikanischen Savanne, protzt mit computergenerierten Tieren, die fast nicht mehr von echten Lebewesen zu unterscheiden sind, während sein Kameramann Caleb Deschanel ("Werk ohne Autor") über Zebras, Gnus, Giraffen, Elefanten und viele weitere Kreaturen schweift, ehe er dem Rotschnabeltoko Zazu folgt, der zum Königsfelsen fliegt, wo schon Mufasa auf ihn wartet.

Er verbeugt sich, ehe Mandrill-Affe Rafiki zum König der Löwen und seiner Gefährtin Sarabi geht, ihr Baby Simba holt und unter dem Jubel der anderen Tiere in die Höhe hält, während der legendäre Song "Ein ewiger Kreis" seinen Höhepunkt erreicht.

Dieser Start ist klasse, offenbart aber schon einen Qualitätsunterschied im Vergleich zum Zeichentrickoriginal von 1994, der sich durch den gesamten Film zieht: Die vom Gesangsrhythmus her leicht abgewandelten (deutschen) Songs kommen nicht an ihre Vorgänger heran.

Neuverfilmung von "Der König der Löwen" erreicht nicht die emotionale Tiefe der 1994er Version

Scar (vorne) schmiedet gemeinsam mit den Tüpfelhyänen teuflische Pläne.
Scar (vorne) schmiedet gemeinsam mit den Tüpfelhyänen teuflische Pläne.

Das gilt auch für das Remake an sich. Denn die herausragende emotionale Bandbreite der 1994er Version, die eine Achterbahnfahrt der Gefühle hervorrief wie nur wenige andere Werke, kommt in der 2019er Variante nicht auf.

Das liegt auch daran, dass die Löwenmimik nicht so ausdrucksstark ist, wie in der Zeichentrickfassung, wo sich mehr auf den Zuschauer übertragen hat. Aus den lebensecht animierten Gesichtern sind die unterschiedlichen Stimmungen nur bedingt abzulesen. Dadurch wirkt alles eine Spur gedämpfter.

Hinzukommt, dass sich das Publikum wie in "The Jungle Book" ohnehin erst einmal an die sprechenden und singenden Tiere gewöhnen muss.

Leider wurden auch hinsichtlich der Storyführung einige unglückliche Entscheidungen getroffen: So bekommt es Mufasa bei der Rettung Simbas und Nalas nicht nur mit drei Hyänen zu tun, sondern mit Dutzenden und kann sich dennoch problemlos zu den schutzlosen Jungen durchkämpfen und diese alleine befreien.

Das ist nur eines von mehreren Beispielen, denn natürlich wurden einige Sachen leicht verändert, aufgefrischt und stellenweise auch mit dem ein oder anderen Dialog bzw. der ein oder anderen Szene mehr versehen. Denn während das Original eine Laufzeit von 88 Minuten hatte, ist die Realverfilmung 118 Minuten lang.

Der Kern der Geschichte von Disneys "Der König der Löwen" ist und bleibt derselbe

Mufasa (M.) bringt seinem Sohn und Erben Simba (r.) mit der Hilfe vom Rotschnabeltoko Zazu einiges bei.
Mufasa (M.) bringt seinem Sohn und Erben Simba (r.) mit der Hilfe vom Rotschnabeltoko Zazu einiges bei.

Einige der neuen Sequenzen sind sinnvolle Erweiterungen. So wird erstmals Nalas Weg zu Simba nachgezeichnet und visuell eindrucksvoll gezeigt, wie trostlos die Zustände im geweihten Land sind.

Andererseits gibt es Szenen, die nur dazu dienen, die Animationen zur Schau zu stellen und bei den Zuschauern für "Wie-niedlich"-Effekte zu sorgen. Stichwort: Maus.

Diese Momente fügen sich nicht immer fließend in den Film ein, stören aber glücklicherweise auch nicht. Unnötig sind sie dennoch, weil die nachhallende Geschichte schon für mehr als genug technisch bahnbrechende Sequenzen sorgen darf.

Ohnehin stehen die Chancen auf eine "Oscar"-Nominierung und auch einen Gewinn in der Kategorie "Beste visuelle Effekte" sehr gut.

Denn neben den Effekten begeistern auch die grandiose Kameraarbeit und die naturgetreuen, exotischen, abwechslungsreichen und perfekt ausgeleuchteten Locations, ihre Vielfalt und die der Tiere.

Es gibt auch mehrere Abschnitte, die für Gänsehaut sorgen, spannend sind und vollends mitreißen. Denn die Geschichte von "Der König der Löwen" ist auch in der Neuverfilmung auf unaufdringliche Art weise, vielschichtig, lehrreich und verliert nichts von ihrer qualitativen Wucht.

Jon Favreaus Stil blitzt in "Der König der Löwen" zu selten auf

Simba (l.) schließt sich Erdmännchen Timon (oben) und Warzenschwein Pumbaa an und lernt eine alternative Lebensweise kennen.
Simba (l.) schließt sich Erdmännchen Timon (oben) und Warzenschwein Pumbaa an und lernt eine alternative Lebensweise kennen.

Dennoch wird man das Gefühl nicht los, dass sich Disney und Favreau für eine Sicherheitsvariante entschieden haben, getreu dem Motto: "Nur nichts versauen!"

Diese Mission ist gelungen, dennoch wäre mehr drin gewesen. Wer Favreaus Independent-Hit "Kiss the Cook" gesehen hat, weiß, was der Schauspieler aus "Spider-Man: Far From Home" zu leisten imstande ist.

Das bedeutet allerdings nicht, dass "Der König der Löwen" ein schlechter Film geworden ist. Davon ist er meilenweit entfernt. Doch der Vergleich mit dem Original ist naheliegend - und den verliert Favreaus Werk.

Natürlich verwundert es da nicht, dass es für Gesprächsstoff sorgt und bei vielen Kritikern nicht gut weggekommen ist, was schlichtweg auch daran liegt, dass Disney den Markt mit mehr oder weniger sinnvollen Remakes in letzter Zeit geradezu überschwemmt und kein Ende in Sicht ist.

Das Risiko ist gering, der finanzielle Gewinn gewaltig - und das wird auch bei diesem Film nicht anders sein, bei dem wohl wieder Einnahmen in Milliardenhöhe herauskommen werden.

Wer die Neufassung von "Der König der Löwen" als eigenständigen Film ansehen kann, wird Spaß haben

 Simba (r.) mit seinem "Beschützer" Zazu.
Simba (r.) mit seinem "Beschützer" Zazu.

Wer sich davon allerdings lösen und die Neufassung als eigenständigen Film anzusehen vermag, bekommt viele sehenswerte Momente geboten, in denen modernste Technik und die altbekannte Story ineinandergreifen und bestens funktionieren, in den stärksten Szenen sogar für Gänsehaut-Feeling sorgen.

Dazu kommt eine gute Situationskomik mit einigen zündenden Gags, die die mitunter gedrückte Stimmung gekonnt auflockern.

Außerdem ist "Der König der Löwen" durchgängig unterhaltsam, kurzweilig und erklärt den ewigen Kreislauf des Lebens auch anhand einiger neuer Sequenzen (Stichwort: Fellbüschel) großartig.

Von großartig ist die deutsche Synchronfassung allerdings ein Stück weit entfernt. Gerade für Mufasa hätte man sich eine kernigere Stimme gewünscht. Immerhin wird er im englischen Original von James Earl Jones gesprochen, der dem Löwenkönig bereits 1994 seine Stimme lieh und auch Star-Wars-Bösewicht Darth Vader vertonte. Da fällt die deutsche Version leider ein wenig ab.

Insgesamt gesehen ist Disney hier ein guter Film gelungen, der aber das Problem hat, das Remake eines unübertrefflichen Zeichentrickklassikers zu sein, an den er qualitativ nicht ganz herankommt. Als eigenständiges Werk gesehen ist er dennoch sehenswert.

Fotos: PR/Disney/Disney Pixar

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