Geisteskrank! "Der Leuchtturm" ist einer der wahnsinnigsten Filme des Jahres

Deutschland - Heftige Geschichte! "Der Leuchtturm" von Regisseur Robert Eggers ("The Witch") ist einer der abgedrehtesten Filme des Jahres. Er stellt die Themen Einsamkeit und Wahnsinn in den Fokus.

"Seebär" Thomas Wake (r., Willem Dafoe) und Neuling Ephraim Winslow (Robert Pattinson) kommen bei heftigem Sturm auf der abgelegenen Insel an.
"Seebär" Thomas Wake (r., Willem Dafoe) und Neuling Ephraim Winslow (Robert Pattinson) kommen bei heftigem Sturm auf der abgelegenen Insel an.  © PR/Universal Pictures International France

Schon zu Beginn seines Filmes, der am 28. November in den deutschen Kinos startet, erschafft der Horror-Spezialist eine beklemmende Atmosphäre.

Erstmal ist nur die verstörend anschwellende Musik zu hören, ehe sich auch Soundeffekte in die Geräuschkulisse mischen. Ein Ton ist beinahe die gesamten 110 Minuten über zu hören: Das durchdringende Alarmsignal des Leuchtturms, auf den ein Schiff zusteuert.

Denn die kleine, windumtoste Insel ist das Ziel vom erfahrenen Haudegen Thomas Wake (Willem Dafoe) und Neuling Ephraim Winslow (Robert Pattinson).

Sie sind die Ablösung für die bisherigen Leuchtturmwärter. Für vier Wochen sollen sie alles Instandhalten und für Ordnung sorgen.

Wake macht allerdings gleich zu Beginn klar, dass er der Boss ist, der sich um den Leuchtturm selbst kümmert. So muss Winslow nicht nur dessen Furze und Trinkgelage aushalten, sondern wird von ihm auch noch wie ein Sklave behandelt, der die niederen Arbeiten erledigen soll.

Deshalb entwickelt sich zwischen den beiden ein sehr spezielles Verhältnis. Teilweise mögen sie sich und können einander verstehen, dann gibt es wiederum handfeste Schlägereien und wüste Beschimpfungen. Daran hat auch die magische Anziehungskraft des Leuchtturms entscheidenden Anteil...

Robert Pattinson und Willem Dafoe sind Herz und Seele von "Der Leuchtturm"

Thomas Wake (l., Willem Dafoe) übernimmt sofort die Rolle des Chefs und weist Ephraim Winslow (Robert Pattinson) unwirsch in die Schranken.
Thomas Wake (l., Willem Dafoe) übernimmt sofort die Rolle des Chefs und weist Ephraim Winslow (Robert Pattinson) unwirsch in die Schranken.  © PR/Universal Pictures International France

Diese Geschichte hat Eggers in edlem Schwarz-Weiß gedreht und mit einer fantastischen Kameraführung inszeniert, die für viele großartige cineastische Bilder sorgt. Von Leben erfüllt wird der irre Trip allerdings erst von den beiden kongenialen Schauspielern.

Pattinson ("High Life", "Twilight", "Die versunkene Stadt Z") und Dafoe ("Van Gogh - An der Schwelle zur Ewigkeit", "Spider-Man", "Das Schicksal ist ein mieser Verräter") treiben einander erkennbar zu Höchstform an.

Sie zeigen mitreißende Performances, die das Herz des Filmes sind, der von Anfang bis Ende ein hypnotische Sogwirkung entfaltet, der sich die Zuschauer nicht entziehen können.

Denn zwischen den beiden Weltklasse-Darstellern entsteht eine ambivalente Dynamik, wie man sie selten zu sehen bekommt.

Anfangs ist Winslow noch der Schweigsame, der immer zurücksteckt und Wake die Rolle des Chefs überlässt. Obwohl ihn die Beschimpfungen und schweren Arbeiten verärgern, bewahrt er die Fassung - allerdings nicht für lange!

Denn irgendwann fährt auch der zurückhaltende Ephraim aus der Haut und legt sich mit Wake an. Nun verändern sich die Kräfteverhältnisse zwischen den beiden unterschiedlichen Persönlichkeiten alle paar Minuten.

"Der Leuchtturm" von Robert Eggers ist ein spannendes Kammerspiel

Die Einsamkeit und der anhaltende Sturm treiben Thomas Wake (l., Willem Dafoe) und Ephraim Winslow (Robert Pattinson) langsam in den Wahnsinn.
Die Einsamkeit und der anhaltende Sturm treiben Thomas Wake (l., Willem Dafoe) und Ephraim Winslow (Robert Pattinson) langsam in den Wahnsinn.  © PR/Universal Pictures International France

Es ist ein knisternd spannendes Kammerspiel, in dem Eggers seine beiden Hauptfiguren auf abstrakte, teilweise gar surreale Weise aufeinander loslässt. Sie belauern sich wie Raubtiere, die die Schwäche des anderen wittern und dann auf ihre Weise zuschlagen.

Doch nicht nur das treibt sie langsam in den Wahnsinn. Die Einsamkeit setzt ihnen ebenfalls zu. Denn als sie abgelöst werden sollen, verhindert ein anhaltender, heftiger Sturm die Ankunft ihres Schiffes.

So sind sie deutlich länger auf der Insel als geplant und beginnen, zu halluzinieren, woran auch große Saufgelage ihren Anteil haben.

Sie verlieren jegliches Zeitgefühl. Wie lange sind sie schon auf der Insel? Fünf Wochen? Zwei Tage? Sie wissen es nicht.

Dazu wird das Essen knapp. Als wäre das noch nicht genug, machen sie auch merkwürdige Beobachtungen, durch die sich die Frage stellt: Was genau geht im Leuchtturm vor sich?

All das weiß Eggers gekonnt in Szene zu setzen. Mit einem herausragenden Ton, durch den die vielfältige Geräuschkulisse erst so richtig zum Tragen kommt und atmosphärischen, düsteren Locations fasziniert "The Lighthouse", wie er im Original heißt, durchgehend.

"Der Leuchtturm" entführt die Zuschauer an die dunkelsten Orte der menschlichen Seele

Auf der Insel und vor allem im Leuchtturm selbst geht nicht alles mit rechten Dingen zu.
Auf der Insel und vor allem im Leuchtturm selbst geht nicht alles mit rechten Dingen zu.  © PR/Universal Pictures International France

Die Zuschauer werden auf eine atemberaubende Reise an die dunkelsten Orte der menschlichen Seele mitgenommen, auf der ihnen einiges zugemutet wird.

Für sensible Menschen ist das neuste Werk von Eggers daher nichts. Dennoch ist "Der Leuchtturm" nicht so verstörend und nervenzerfetzend, wie er sein könnte. Dafür fehlen schlichtweg die wirklich krassen und überraschenden Schockmomente, die einen wirklich erschüttern.

Gerade gegen Ende hin. Da weiß man längst, in welche Richtung der Film abdriftet, auch wenn Eggers mit Details durchaus zu überraschen weiß.

Doch leider ist es ihm wie schon bei "The Witch" nicht gelungen, einen überzeugenden Schluss zu finden.

Dennoch ist ihm ein überdurchschnittlicher, stimmungsvoller Genremix gelungen, der wohl auch bei den "Oscars" im kommenden Jahr die ein oder andere Nominierung einheimsen dürfte.

Daher ist "Der Leuchtturm" ein surrealer Trip in die tiefsten Abgründe der menschlichen Seele geworden, der zwar krass ist, aber nur bedingt verstört und dessen Auflösung ebenfalls nicht vollends überzeugt. Dank der überragenden schauspielerischen Leistungen von Pattinson und Dafoe, den edlen Bilder und der hypnotischen Sogwirkung, die die Geschichte entfaltet, ist er aber dennoch sehenswert.

Mehr zum Thema Kino & Film News:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0