Ohne Klo und Bett: Greta Thunberg wagt krassen Segeltörn über den Atlantik

Hamburg – Sein Arbeitsplatz sind die Weltmeere: Boris Herrmann aus Oldenburg will als erster Deutscher an der härtesten Regatta der Welt teilnehmen, doch vorher steht dem Segelprofi noch eine ganz besondere Aufgabe bevor.

Greta Thunberg (r-l) begibt sich mit ihrem Vater Svante Thunberg und Boris Herrmann auf große Reise.
Greta Thunberg (r-l) begibt sich mit ihrem Vater Svante Thunberg und Boris Herrmann auf große Reise.  © dpa/Team Malizia/Christian Krüg

Die Vendée Globe führt ihre Herausforderer unter Segeln solo, nonstop und ohne Hilfe von außen in unter 80 Tagen um die Welt.

Vor der ab Ende 2020 geplanten Bewährungsprobe hat der 38-Jährige aber noch einen ganz besonderen Gast an Bord der Hochseejacht "Malizia".

Herrmann und sein Co-Skipper, Segelfreund und Förderer Pierre Casiraghi, werden die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg voraussichtlich ab dem kommenden Mittwoch von einem Hafen im Süden Englands aus über den Atlantik bringen.

An Bord werden sich neben Herrmann, Casiraghi und Thunberg auch ihr Vater Svante sowie der Filmemacher Nathan Grossman befinden, der die große Reise über den großen Teich dokumentieren will.

Etwa zwei Wochen lang werden sie mit der "Malizia" unterwegs sein. In Übersee warten auf die Schwedin dann unter anderem der UN-Klimagipfel in New York im September sowie die Weltklimakonferenz in Chile im Dezember.

"NUR MINIMALSTE AUSSTATTUNG"

Die Rennyacht "Malizia" ist nur mit dem nötigsten ausgestattet.
Die Rennyacht "Malizia" ist nur mit dem nötigsten ausgestattet.  © Dpa/Team Malizia/Andreas Lindlahr

Was nach großem Abenteuer klingt, ist für Herrmann auch eine große Verantwortung.

Für Thunberg ist es der erste Segeltörn ihres Lebens - ein krasserer Einstieg als der Transatlantik-Törn auf Herrmanns 18 Meter langem Kohlefaser-Geschoss ist kaum vorstellbar.

Doch der deutsche Segelprofi hat schon drei Weltumseglungen absolviert und mehr als eine Viertelmillion Seemeilen Erfahrung. Angst vor der Verantwortung für seinen prominenten Passagier hat Herrmann deshalb nicht.

Thunberg fliegt nicht, weil Flugreisen immense Mengen an Treibhausgasen ausstoßen. Die High-Tech-Jacht ist mit Solarpaneelen und Unterwasserturbinen ausgestattet, mit denen der an Bord benötigte Strom erzeugt wird. Viel Komfort bietet sie dagegen nicht.

"Eine Rennjacht ist nie komfortabel, sondern bietet im Bestreben um Leichtigkeit nur die minimalste Ausstattung", erzählt Herrmann. Toiletten gebe es an Bord keine, statt Betten nur zwei Rohrkojen. Es wird laut und unbequem für Thunberg, bei Sturm auch ruppiger.

Seemannsherz in Wiege gelegt

Profi-Segler Boris Herrmann sitzt in seinem Boot.
Profi-Segler Boris Herrmann sitzt in seinem Boot.  © dpa/borisherrmannracing/Andreas Lindlahr

Anders als Thunberg saß Herrmann schon als Baby auf einem Segelboot: Im Alter von sechs Wochen nahmen ihn seine Eltern mit auf ihre Familien-Jacht.

Später erkundete der Vater mit ihm erst das Wattenmeer hinter den Ostfriesischen Inseln, dann die Nordsee und in den Schulferien auch skandinavische Gefilde. Das Seemannsherz habe er von Zuhause mitbekommen, sagt er.

Selbst steuern lernte Herrmann klassisch in der Kinderjolle Optimist. Bei seiner Mini-Transat-Premiere als jüngster und einziger deutscher Regattateilnehmer machte ihm kurz nach der Jahrtausendwende und dem bestandenen Abitur Platz elf Lust auf mehr Meer.

Auch der dreimalige Olympiasieger und zweimalige America's-Cup-Gewinner Jochen Schümann half, indem er den jungen Herrmann vor Jahren als Nachwuchs-Navigator in seine Crew holte.

Nun folgt der Törn mit Thunberg. "Sie ist bereit, das Unbekannte und ein Stück weit auch Unkontrollierbare für ihre Mission in Kauf zu nehmen. Das zeigt, wie weit Greta für ihre Botschaft bereit ist, zu gehen", sagt Herrmann.

Gefahr bestehe für sie keine, sagt auch die Britin Dee Caffari, die die Welt als erste Frau in beiden Richtungen nonstop und solo umsegelt hat. In einer Botschaft an Thunberg schrieb sie: "Du bist bei Boris in guten Händen, also genieße die Reise."

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