Spitzenpolitiker Hart stolpert über seine eigene Latte!

USA - Furchtbar! Der neue Film mit Hugh Jackman (Wolverine in den X-Men-Filmen, Prisoners, Greatest Showman) ist ein Reinfall und eines der schlechtesten Politik-Dramen der letzten Jahre.

US-Präsidentschaftskandidat Gary Hart (Hugh Jackman) wurde von Journalisten des "Miami Herald" beschattet und des Ehebruchs überführt.
US-Präsidentschaftskandidat Gary Hart (Hugh Jackman) wurde von Journalisten des "Miami Herald" beschattet und des Ehebruchs überführt.  © PR/Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Die Geschichte des heutzutage unbekannten Senators Gary Hart (Hugh Jackman) veränderte die Welt.

Im Jahr 1988 war er als politischer Spitzenkandidat der US-Demokraten auserkoren und sollte nächster Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika werden.

Doch seine eigene Latte wurde ihm in Form von einigen Affären zum Verhängnis. Obwohl er gut aussah, noch besser reden konnte und es so auch schaffte, schwierige Zusammenhänge für fast alle Menschen verständlich zu erklären, beging er einen schlimmen Fehler: Er unterschätzte die Macht der Medien. Denn in den USA war die journalistische Welt im Wandel.

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So verschmolzen erstmals Boulevardjournalismus und ernster politischer Journalismus miteinander.

Damit hatte Hart nicht gerechnet - was zu seinem politischen Untergang führen sollte.

Diese an sich hochinteressante, aktuelle und brisante Story setzt der sonst so großartige Regisseur Jason Reitman (Juno, #Zeitgeist, Up in the Air) so schlecht um, dass die Zuschauer fassungslos und kopfschüttelnd im Kino sitzen.

Colorados Senator Gary Hart (Hugh Jackman) war 1988 der aussichtsreichste Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten. Er sah gut aus, faszinierte die Menschen und war sehr wortgewandt.
Colorados Senator Gary Hart (Hugh Jackman) war 1988 der aussichtsreichste Präsidentschaftskandidat der US-Demokraten. Er sah gut aus, faszinierte die Menschen und war sehr wortgewandt.  © PR/Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Der Film startete am 17. Januar in nur wenigen deutschen Kinos. In die 18:15-Uhr-Vorstellung am Donnerstag verirrten sich in den UFA Kristallpalast in Dresden gerade mal fünf Leute - von denen zwei nach 20 Minuten schon wieder gingen - und das war völlig nachvollziehbar.

Denn der Einstieg ist grottenschlecht. Auf extrem hektische Weise wird ein Gruppen-Meeting nach dem anderen aneinandermontiert. Viel zu viele Personen reden oberflächlich durcheinander, die Gesprächsthemen sind dabei langweilig und schaffen es daher nicht, die Zuschauer zu fesseln oder ihnen auch nur ansatzweise einen Zugang zu diesem langatmigen und äußerst geschwätzigen Werk zu liefern.

Von dieser nervtötenden und öden Inszenierung rückt Reitman in der ersten Hälfte des Films auch nicht ab. Weder er, noch die anderen Verantwortlichen entdecken diese an sich unübersehbaren Fehler in der Inszenierung.

So hat Reitmans Projekt keinen Fokus, weil er lieber Nichtigkeiten und sinnlose Details in den Mittelpunkt stellt, anstatt dem Publikum das große und wichtige Ganze näherzubringen.

So werden mit zunehmendem Verlauf der 114 Minuten zwar einige interessante Geschichten aus Harts Leben preisgegeben, doch hinsichtlich der Charakterdarstellung und -entwicklung hakt es an allen Ecken und Enden, weil sie extrem oberflächlich ist und von Reitman diesmal offenbar auch nicht als wichtig erachtet wurde, was nach seinen vorangegangen Filmen dann doch eine große negative Überraschung ist.

Gary Hart (Hugh Jackman) wurde - wie seine Frau und Tochter - bald von der Presse belagert.
Gary Hart (Hugh Jackman) wurde - wie seine Frau und Tochter - bald von der Presse belagert.  © PR/Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Zu allem Überfluss trägt der hin- und herspringende Schnitt neben der unruhigen Kameraführung einen großen Teil zum Chaos und der Hektik bei, wogegen auch die starke Darsteller-Riege um Jackman, Vera Farmiga (Bates Motel) oder J. K. Simmons (Whiplash) nichts ausrichten kann.

Zwar wurde sich bei der deutschen Synchronisation der Schauspieler erkennbar Mühe gegeben und die besten und passendsten Sprecher verpflichtet, doch auch ihre ausdrucksstarken Stimmen vermögen es nicht, den anstrengenden Dialogen Leben einzuhauchen oder auch nur ansatzweise mitzureißen.

Allgemein müssen sich Reitman und seine Co-Drehbuchautoren Matt Bai und Jay Carson vorwerfen lassen, bei diesem Film einen grausam anzusehenden Stil zu haben, bei dem sich das Publikum das Ende herbeisehnt.

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Glücklicherweise ist die zweite Hälfte, wenn die Konzentration (endlich!) auf den Affären Harts liegt, besser, aber immer noch nicht gut. Denn der Film lässt einen auch weiterhin kalt.

Deshalb sollten Zuschauer um "Der Spitzenkandidat" einen weiten Bogen machen. Weder erklärt er die eigentlich spannenden Hintergründe der Geschichte, noch was die Figuren antreibt. Stattdessen ist er nervtötend, chaotisch, geschwätzig, anstrengend und damit der schlechteste Film von Jason Reitman. Besonders ärgerlich ist, dass das erkennbar vorhandene Potenzial völlig verschenkt wird.

Seine Affären wurden ihm zum Verhängnis und beendeten seine politische Karriere: Gary Hart (Hugh Jackman).
Seine Affären wurden ihm zum Verhängnis und beendeten seine politische Karriere: Gary Hart (Hugh Jackman).  © PR/Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

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