Hier liegen die Geheimnisse, die niemand kennen sollte

Sandra Buchler (34) kennt sich aus in den Stasi-Akten. Sie führt regelmäßig Bürger durch das Archiv und berät zur Akteneinsicht.
Sandra Buchler (34) kennt sich aus in den Stasi-Akten. Sie führt regelmäßig Bürger durch das Archiv und berät zur Akteneinsicht.  © Uwe Meinhold

Chemnitz – Die DDR lebt – in 7,5 Kilometern Stasiakten und 2,3 Millionen Karteikarten. Seit 25 Jahren arbeitet die Stasi-Unterlagenbehörde Chemnitz das DDR-Unrecht im früheren Bezirk Karl-Marx-Stadt auf. Vor allem arbeiten hier tausende Bürger ihr eigenes Leben auf. Der Andrang ebbt nicht ab.

Bis 2016 schauten 312.971 Bürger von Plauen bis Freiberg in ihre persönliche Akte. Allein im Vorjahr stellten 4000 Menschen einen Antrag auf Akteneinsicht. Genauso wichtig sind die zwei öffentlichen Führungen im Monat, die die Mitarbeiter in der Jagdschänkenstraße anbieten. TAG24 war bei einer der Führungen dabei. 15 Rentner wollten hören, was sie in der DDR nie erfahren durften.

Sandra Buchler (34), Mitarbeiterin für politische Bildung: „Die Staatssicherheit wollte verängstigen, überwachen und verfolgen“, sagt sie. „Eine Geheimpolizei ohne Kontrolle.“

Sandra Buchler und ihre Kollegin Katja Riedel (30) zeigten den Besuchern Aktenberge, berichteten von 4000 abgefangenen Briefen (täglich!), zeigten Lappen im Marmeladenglas mit Geruchsproben, erstaunten mit einer verwanzten Wohnungstür aus dem Raum Schwarzenberg. „Die Familie war nur verdächtig, weil sie nahe der Wismut wohnte. Die Wanzen flogen erst 2005 bei einer Haussanierung auf.“

Mancher Besucher nutzte die Führung zum Antrag auf erneute Akteneinsicht. Wie Hans-Jürgen Fischer (65) aus Oberwiesenthal. 2002 hatte der frühere Umweltaktivist im „Grünen Kreuz“ Annaberg seine Akte eingesehen.

„Da stand nicht viel drin. Vielleicht hat die Behörde jetzt mehr gefunden, damit ich mein Leben in der DDR nachvollziehen kann.“

Hans-Jürgen Fischer (65) mit seiner Akte.
Hans-Jürgen Fischer (65) mit seiner Akte.  © Uwe Meinhold
Jeden Monat bietet die Behörde zwei öffentliche Führungen an.
Jeden Monat bietet die Behörde zwei öffentliche Führungen an.  © Uwe Meinhold

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