Der Zentralrat der Muslime ist empört über Anne Will!

Vorsitzender des Zentralrates der Muslime, Aiman Mazyek (47, re.) übt heftige Kritik an der ARD. (links: Anne Will, 50)
Vorsitzender des Zentralrates der Muslime, Aiman Mazyek (47, re.) übt heftige Kritik an der ARD. (links: Anne Will, 50)

Dortmund/Berlin - Der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime, Aiman Mazyek (47), kritisiert die ARD-Talkshow "Anne Will", bei der am Sonntag die vollverschleierte Muslimin Nora Illi zu Gast war.

"Das war Agitprop statt Bildungsfernsehen", sagte er im Interview der in Dortmund erscheinenden "Ruhr Nachrichten" am Donnerstag. " 

Auf dem Rücken von Millionen von Muslimen und noch mehr Ahnungslosen wird so versucht, Neo-Salafismus in Deutschland salonfähig zu machen."

Die Sendung habe ein Zerrbild gezeichnet. 

"Dadurch war die Empörung nicht nur unter den Muslimen groß, weil dort radikale Minderheitspositionen eine Deutungsmacht zugesprochen wird, die die mehrheitlich friedliebenden Muslime ablehnen."

Kritik übte Mayzek auch an dem "Tatort" aus Kiel mit Axel Milberg als Hauptkommissar Borowski, der Anlass für das Thema der jüngsten "Anne Will"-Talkshow war. Borowski hatte es in dem jüngsten Fall mit einer Schülerin aus Kiel zu tun, die zum Islam konvertiert und sich in einen Dschihadisten verliebt. 

"Nicht nur die Talkshow Anne Will, auch bereits der Tatort davor war zum Beispiel voller Klischees über den Islam", sagte Mazyek.

Muslime seien in den Rundfunk- und Fernsehräten nicht adäquat vertreten. "Da gibt es ebenso keine ausreichende Mitsprache beim Programm, zumal Muslime genauso Gebühren abtreten. Hier muss es ein Umdenken geben. Da fehlt es an der notwendigen Sensibilität."

Kritik übte Mazyek auch am "Tatort": Thema war eine Schülerin aus Kiel, die zum Islam konvertierte und sich in einen Dschihadisten verliebte.
Kritik übte Mazyek auch am "Tatort": Thema war eine Schülerin aus Kiel, die zum Islam konvertierte und sich in einen Dschihadisten verliebte.  © ARD

So reagiert Anne Will

Der Redaktionsleiter der "Anne Will"-Sendung, Andreas Schneider, wies in einer Stellungnahme der Redaktion den Vorwurf zurück, man habe die Frauenbeauftragte des IZRS eingeladen, obwohl die Bundesanwaltschaft der Schweiz davon abgeraten habe. Das sei unzutreffend. Man sei lediglich über Ermittlungen gegen das Vorstandsmitglied des IZRS, Naim Cherni, informiert worden. "Ein Ermittlungsverfahren gegen Nora Illi hätte natürlich ihre Einladung in die Sendung ausgeschlossen."

Anne Will sagte: "Wir wollten zeigen: Wie denkt Frau Illi in der von uns diskutierten Frage? Ich hätte es als journalistisches Versäumnis ersten Ranges empfunden, wenn wir genau das nicht gezeigt hätten." 

Und: "Wenn wir uns gar nicht mehr anschauen, wie die radikalisierten Kräfte in unserer Gesellschaft denken, berauben wir uns in einer demokratischen Gesellschaft eines wesentlichen Mittels."

Die Grenze sei da erreicht, wo zu Gewalt aufgerufen werde. "Das hat Frau Illi aber nicht getan", betonte Will. "Sie glauben doch nicht ernsthaft, dass sich irgendjemand vor dem Fernseher spontan radikalisiert hätte, als er Frau Illi gesehen hat. Das glatte Gegenteil ist der Fall. Man hat verstanden, welchem Irrglauben Frau Illi aufsitzt."

Am 2. Dezember will sich der NDR-Rundfunkrat mit dem Auftritt Illis und der Kritik daran beschäftigen.

Allerdings ist diese Sendung nicht nur ein Fall für den NDR-Rundfunkrat: Eine Neuruppiner Rechtsanwältin habe nun gegen Anne Will und "gegen die weiteren verantwortlichen Entscheidungsträger" Strafanzeige erstattet, die den Auftritt "ermöglichten". Das berichtet die "Frankfurter Allgemeine Zeitung".


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