HSV gegen St. Pauli: Wer holt sich im Derby die Vormachtstellung?

Hamburg - Eigentlich ist alles klar: Der Hamburger SV gewinnt am Samstag (13 Uhr/Sky) im heimischem Volksparkstadion das Derby gegen den Stadtrivalen FC St. Pauli deutlich.

HSV-Trainer Dieter Hecking weiß um die Favoritenrolle seiner Mannschaft.
HSV-Trainer Dieter Hecking weiß um die Favoritenrolle seiner Mannschaft.  © Frank Molter/dpa

Zu krass scheinen die Unterschiede. Der HSV ist Tabellenzweiter und steht auf einem Aufstiegsplatz, ist mit 25 Punkten die zweitbeste Heimmannschaft, hat seit sechs Spielen nicht verloren.

Der FC St. Pauli ist zwei Zähler von einem Abstiegsplatz entfernt, stellt mit vier Punkten gemeinsam mit Dynamo Dresden die schlechteste Auswärtsmannschaft und hat in diesem Jahr noch nicht gewonnen. Was also sollte schiefgehen?

Die Realität, die gerade im Fußball die unglaublichsten Blüten treibt. Fakt ist, in besonderen Partien spielen Statistiken keine Rolle. "Das Stadtderby hat seine eigenen Gesetze, da kann es auch mal einen auf den Hut geben", sagt HSV-Urgestein Charly Dörfel, der von 1958 bis 1972 für den Rauten-Club spielte. Drei siegreiche Stadtderbys hatte der 80-Jährige im Volksparkstadion bestritten.

"Derbys sind Spiele, die nicht an der Tabellensituation festgemacht werden könne", betont auch St.-Pauli-Trainer Jos Luhukay. Sein Gegenüber Dieter Hecking meint: "Wir sind der Favorit, aber sie wollen uns ein Bein stellen."

Auch vor fünf Monaten war der HSV Favorit. Im Hinrundenspiel am Millerntor gab es allerdings ein schmerzhaftes 0:2. "Das brauche ich kein zweites Mal", sagt Hecking, der den Kollegen Luhukay schätzt. "Ich mag Jos. Er ist einer der ganz wenigen, die geradeaus sind, die sich nicht verbiegen lassen."

Qualität des Kaders spricht für den HSV

St.-Pauli-Trainer Jos Luhukay will den HSV wieder ärgern.
St.-Pauli-Trainer Jos Luhukay will den HSV wieder ärgern.  © Daniel Maurer/dpa

Die Mannschaft aus dem Volkspark verfügt über den besser und breiter besetzten Kader - trotz der Verletzungsausfälle von Adrian Fein und Jeremy Dudziak. Die Winterverpflichtungen Louis Schaub, Louis Beyer und Joel Pohjanpalo sind ein Gewinn.

Dagegen wurde die Millerntor-Elf durch den Verkauf des Mittelfeldstrategen Mats Möller Daehli zur Ader gelassen. Zudem hat das Zutrauen in das eigene Vermögen stark gelitten. Die Kiezkicker stecken im Abstiegskampf, eine weitere Niederlage schürt die Krisenstimmung. "Die Saison ist nicht so gelaufen, wie sie sich das vorgestellt haben", sagt Hecking. "Sie spüren den Druck, sich von unten lösen zu müssen."

Die Arena wird mit 57.000 Zuschauern rappelvoll sein. Das Thema Sicherheit steht bei der Risikopartie ganz oben. Alkoholverbot, strikte Trennung der Fangruppen, rund 1500 Polizeibeamte im Einsatz - es knistert wie immer bei den brisanten Stadtderbys.

Die Fanlager, die sich häufig in eine sinnlose Feindschaft hineinsteigern, wurden aufgerufen, nach der Bluttat von Hanau Gemeinsamkeit in wirklich wichtigen Fragen zu zeigen. "Wie wunderbar wäre es übrigens, wenn wir es am Sonnabend bei #HSVFCSP hinkriegen würden, über alle Rivalität hinweg, dass, einen Tag vor der Bürgerschaftswahl, 57.000 Menschen gemeinsam 'Nazis raus!' skandieren", heißt es in einem Tweet. Ein anderer schlägt vor: "Ein gemeinsamer Derbymarsch gegen Nazis."

Zünden die Fanlager wieder Pyro?

Nach dem Derby-Sieg im Hinspiel feierten die St.-Pauli-Spieler vor ihren Fans, die Pyro zündeten.
Nach dem Derby-Sieg im Hinspiel feierten die St.-Pauli-Spieler vor ihren Fans, die Pyro zündeten.  © Daniel Bockwoldt/dpa

Nach dem Pyro-Chaos in den jüngsten Derbys steht das gefährliche Feuer-Thema erneut ganz oben auf der Agenda. Insbesondere der HSV möchte, dass das zarte Pflänzchen kontrollierter Pyro-Shows in den Stadien - wie vor zwei Wochen beim Spiel gegen den Karlsruher SC getestet - nicht sofort wieder zertreten wird. Können sich beide Fangruppierungen am Samstag zügeln?

St. Paulis Präsident Oke Göttlich glaubt nicht. "Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Derby gänzlich ohne alles auskommen wird. Dafür ist es zu emotional, das gehört dann auch zum Fußball dazu. Sollte es zu Strafen kommen, ja, dann müssen wir sie wahrscheinlich tragen, so ungern wir das tun", sagte er dem Hamburger Radio-Sender NDR 90,3.

Nach dem Hinspiel-Derby wurden beide Vereine wegen Pyro-Vergehens ihrer Fans zu hohen Strafen verurteilt worden. Der HSV musste 140.000 Euro zahlen, St. Pauli 90.000 Euro.

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