Deshalb gibt es in Supermärkten fast nie Fenster

Auf Tageslicht muss man beim Einkaufen in Supermärkten fast gänzlich verzichten.
Auf Tageslicht muss man beim Einkaufen in Supermärkten fast gänzlich verzichten.  © DPA

Berlin – Einkaufen im Supermarkt gleicht den Gang in einen Container. Meist gibt es nur im Eingangsbereich Fenster. Im Verkaufsraum strahlt dann nur künstliches Licht, Tageslicht sucht man vergebens. Aber warum ist das so?

Michaele von Baumgarten, Architektin eines Planungsbüros, welches Konzepte für Supermärkte erarbeitet, nennt gegenüber Business Insider mehrere Gründe. Oft liegt es am Beleuchtungskonzept der Unternehmen.

„dm hat am liebsten nur Tageslicht im Eingangsbereich, und auch nur so viel wie eben gerade nötig ist“, erklärt die Architektin.

Stattdessen werden die Produkte durch Spots ins gewünschte Licht gesetzt.

"Zudem besteht immer die Gefahr, dass ein Kunde ein Produkt, dessen Verpackung womöglich bereits von der Sonne etwas ausgebleicht ist, nicht mehr kauft“, so von Baumgarten.

Aldi Süd experimentiert zunehmend mit Fenstern im Verkaufsraum.
Aldi Süd experimentiert zunehmend mit Fenstern im Verkaufsraum.  © DPA

Ein weiterer Grund sind Kostengründe. Verkaufsflächen sind meist sehr teuer und müssen daher optimal ausgenutzt werden.

"Vor allem große, vertikale Fenster sind fast nicht möglich, da hier meist großflächig Regalflächen stehen. Wenn es sich dann noch um mehrstöckige Gebäude handelt, ist ein Lichteinlass durch die Decke auch keine Option", sagte Mathias Streicher Professor für Management, Marketing und Tourismus an der Universität Innsbruck bei Business Insider.

Weiterhin muss bei Lichteinfall durch Fenster genau berechnet werden, wann wohin welche Sonneneinstrahlung kommt. Es muss verhindert werden, dass etwa Schokolade schmilzt oder Verpackungen ausbleichen.

Es gibt aber auch psychologische Gründe. So erklärt Streicher, Kunden verlieren in abgeschotteten Verkaufsräumen das Gefühl für die Tageszeit und das Wetter. Dadurch könnten Stimmungsschwankungen, etwa bei schlechtem Wetter, ausgeblendet und die Konsumfreudigkeit erhöht werden.

Doch es gibt die ersten Anzeichen dafür, dass sich diese Konzepte künftig ändern könnten und doch auf Fenster gesetzt wird.

Zum Beispiel experimentiert Aldi in Süddeutschland in mehreren neuen Filialen mit Tageslicht durch Fenster. Zum Beispiel in Dillingen, Ingolstadt oder Gaimersheim wurden Suopermärkte gebaut, in denen Betonwände durch Panorama-Fenstern ersetzt werden.

Denn verschiedene Studien legen wiederum das Ergebnis nahe, wonach gerade Tageslicht die Kunden länger im Laden hält, weil sie sich wohler fühlen, als in einem fensterlosen Raum. Das Einkaufen könnte so erlebnisorientierter werden, weil es den Gang auf einen Wochenmarkt ähnlich ist.


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