Mutter und Sohn getötet? Dieser Mensch steckt hinter Thomas T.

Thomas T. wurde eine Persönlichkeitsstörung attestiert.
Thomas T. wurde eine Persönlichkeitsstörung attestiert.  © Polizei Bielefeld

Detmold - Der Mord an der türkischstämmigen Bulgarin Hatice B. (24) und ihrem sechsjährigen Sohn Ahmet, der gerade erst eingeschult wurde, erschütterte am Dienstag ganz Deutschland.

Thomas T., der mutmaßliche Mörder und Nachbar der beiden, war tagelang auf der Flucht. Dann ging er der Polizei am Donnerstag in Hamburg ins Netz.

Der 53-Jährige galt schnell als dringend tatverdächtig: Bereits in der Vergangenheit saß er wegen versuchten Mordes und Vergewaltigung einer damaligen Nachbarin in Bad Salzuflen sechs Jahre in Haft.

2010 kam er vorzeitig aus dem Gefängnis: Gutachter bescheinigten ihm, dass er ungefährlich sei. Sollte er tatsächlich der Mörder von Mutter und Sohn sein, war das offensichtlich ein Irrtum!

Das Leben von T., der im Kalletal aufwuchs, war nicht immer einfach: 1996 starb seine Mutter, zu der er laut dem Westfalen-Blatt ein gutes Verhältnis hatte. Von seinem Stiefvater kann man das nicht behaupten. Deshalb kam er als Schüler nach Lemgo ins betreute Wohnen.

Als kleiner Junge blieb er bereits in der Grundschule mehrfach sitzen. In der Hauptschule änderte sich nichts daran. Das Lernen fiel ihm immer schwer. Vom Landgericht Detmold wurde ihm wegen seiner leichten Intelligenzminderung eine Persönlichkeitsstörung attestiert. Nach der sechsten Klasse wurde er aus der Schule entlassen.

Hatice B. und ihr Sohn wurden Opfer des 53-Jährigen.
Hatice B. und ihr Sohn wurden Opfer des 53-Jährigen.

Bei einer Armaturenfirma lernte er das Drehen. Drei Jahre lang war er Teil des Unternehmens, bis es Konkurs anmelden musste. Die "Arbeitsgemeinschaft für Arbeit" in Detmold ordnete ihn 1989 der Abteilung für psychisch Kranke zu und ließ ihn einfache Handwerksarbeiten verrichten.

Dafür zog er in eine Betreuungseinrichtung in Bad Salzuflen in eine eigene Wohnung. Zu seinen Hobbys zählten normale Tätigkeiten wie Fußball oder Schwimmen. Außerdem liebte er Action- und Horror-Filme und konnte eine DVD-Sammlung sein Eigen nennen.

Zum Filmegucken bekam er des Öfteren Besuch von einer 24-jährige Nachbarin. Im August 2004 ging er wohl zu weit: Nachdem sie zwei Horror-Filme geguckt hatten, lud T. sie ein, mit ihm die Nacht zu verbringen.

Das lehnte die Nachbarin allerdings ab. Sie wollte zurück in ihre Dachgeschoss-Wohnung gehen. Vermutlich auch aufgrund seiner Persönlichkeitsstörung reagierte der 53-Jährige nicht angemessen auf die Zurückweisung: Nach mehr als 20 Messerstichen am ganzen Körper sowie Schlägen mit der Faust verlor die junge Frau das Bewusstsein. Anschließend vergewaltigte T. die 24-Jährige.

Da er glaubte, dass sie tot sei, wischte er die Blutlache weg, packte die blutverklebte Kleidung der Frau in eine Tüte und ging duschen. Doch die vermeintlich Tote überlebte und schleppte sich schwer verletzt aus der Wohnung zu einem anderen Nachbarn.

Sieben Jahre nach der vorzeitigen Entlassung aus der Haft, zu der er für dieses Vergehen verurteilt wurde, soll er jetzt Hatice B. und ihren Sohn getötet haben. Wann das genau geschah, ist noch unklar. Die Polizei vermutet aber, dass die Tat schon am Wochenende begangen wurde.