Missbrauchsfall Lügde: Verschwundene Beweise machen auch Landrat fassungslos

Detmold – Im Skandal um verschwundene Beweismittel im Fall des vielfachen Kindesmissbrauchs in Lügde schließt der Leiter der Kreispolizeibehörde Lippe weitere Konsequenzen nicht aus.

Landrat Axel Lehmann (SPD) ist zu weiteren Konsequenzen bereit.
Landrat Axel Lehmann (SPD) ist zu weiteren Konsequenzen bereit.  © DPA

"Sollten weitere organisatorische oder personelle Maßnahmen nötig sein, werde ich nicht zögern, diese ebenfalls zu ergreifen", erklärte der Behördenchef, Landrat Axel Lehmann (SPD), am Freitag in Detmold.

Dass gravierende Fehler gemacht worden seien, sei unstreitig. Welche das im Einzelnen sind, werde in Zusammenarbeit mit LKA-Mitarbeitern rückhaltlos aufgeklärt. "Bis dahin verbieten sich Schnellschüsse."

Der Sonderermittler, der das Verschwinden von 155 Datenträgern in der Kreispolizeibehörde Lippe seit einigen Tagen untersucht, habe einen ersten Bericht vorgelegt, erklärte Lehmann.

Auf dieser Basis und wegen eines inakzeptablen Informationsflusses zur Behördenleitung sei der Leiter der Direktion Kriminalität von seiner Aufgabe entbunden worden.

"Eklatante Fehlleistungen der Polizei"

155 Beweisstücke sind aus der Kreispolizeibehörde verschwunden.
155 Beweisstücke sind aus der Kreispolizeibehörde verschwunden.  © DPA

Auch bei den Arbeitsabläufen gebe es erste Veränderungen.

"So ist der Kreis der Zugangsberechtigten zu den Asservaten- und Sichtungsräumen deutlich reduziert worden", erklärte der Landrat. Ohnehin sei schon seit November 2018 eine Arbeitsgruppe aktiv, um die Prozesse und Strukturen in der Direktion Kriminalität zu verbessern.

"Die eklatanten Fehlleistungen, die es bei der Polizei in Lippe gegeben hat, machen auch mich fassungslos und sie durften auf keinen Fall geschehen", betonte Lehmann. "Hierfür entschuldige ich mich ausdrücklich bei allen Betroffenen des Verbrechens von Lügde."

Die Gefahr, dass es durch den Verlust der CDs nicht zu einer Verurteilung der Täter kommt, sehe er nicht. Insgesamt lägen rund 15 Terabyte Daten vor. Davon seien maximal 0,7 Terabyte nicht mehr verfügbar. Diese Information sei wichtig, solle aber nicht den Verlust der Datenträger beschönigen. "Dieser ist und bleibt unverzeihlich."

Diebstahl nicht ausgeschlossen

Die Datenträger wurden in der Unterkunft von Andreas V. gefunden.
Die Datenträger wurden in der Unterkunft von Andreas V. gefunden.

Die Staatsanwaltschaft Detmold geht davon aus, dass die Asservate aufgrund nachlässigen Umgangs nicht auffindbar seien. Ein Diebstahl sei aber nicht auszuschließen.

Die verschwundenen Datenträger waren am 20. Dezember vergangenen Jahres zuletzt gesehen worden. Am 30. Januar wurde ihr Verschwinden bemerkt.

Gewerkschaften wiesen auch auf einen Personalmangel bei der Polizei hin. Nach Angaben von Landrat Lehmann hat der Kreis Lippe die niedrigste Polizeidichte in ganz NRW.

Im Fall von Lügde sitzen Verdächtige aus NRW und Niedersachsen im Alter von 56, 33 und 48 Jahren wegen des Verdachts des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern in Untersuchungshaft. Bislang sind 31 Opfer identifiziert (TAG24 berichtete).

Die Staatsanwaltschaft ermittelt auch gegen Polizeibeamte und Mitarbeiter in Jugendämtern in Lippe und Hameln. Dabei geht es um die Frage, ob von ihnen Hinweise missachtet wurden.

Mehr zum Thema OWL Crime:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0