Flüchtlingshelfer soll Asylbewerber zur Flucht verholfen haben: Jetzt muss er dafür blechen

Detmold - Weil ein Mitarbeiter der Flüchtlingshilfe Lippe einem Asylbewerber bei der Flucht geholfen und dabei Gewalt gegen die Polizei ausgeübt haben soll, muss er nun eine saftige Geldstrafe zahlen.

Der Richter sah die Schuld des Angeklagten als erwiesen an. (Symbolbild)
Der Richter sah die Schuld des Angeklagten als erwiesen an. (Symbolbild)  © 123RF

Am 17. Januar wollte die Ausländerbehörde, einen zuvor schon abgelehnten und untergetauchten Flüchtling abschieben lassen.

Da der Mann aus Ghana nicht in seiner Flüchtlingsunterkunft anzutreffen war, gingen die Beamten davon aus, dass er aber am besagten Tag beim Ausländeramt auftauchen würde, um einen Termin wahrzunehmen, bei dem seine Duldung in Deutschland verlängert werden sollte.

Als ein Mitarbeiter der Ausländerbehörde auf dem Parkplatz des Amtes gerade noch den Einsatz mit der zur Hilfe gezogenen Polizei besprach, sah er durch eine Scheibe den Asylbewerber, der sich bereits im Inneren des Gebäudes befand und auf den Ausgang zusteuerte. Dabei wurde er von dem angeklagten Flüchtlingshelfer (31) begleitet.

Sofort stürmten drei Polizisten los und versperrten dem Afrikaner und dem Deutschen den Weg.

Vor Gericht gab ein 59-jähriger Polizist laut Informationen des Westfalen-Blattes an: "Als der Angeklagte mich sah, schubste er den Afrikaner von sich weg und rief: 'Lauf!'." Daraufhin rannte der Afrikaner zum Hintereingang, wo sich zwei hintereinanderliegende Glasschiebetüren befinden.

Der Ghanaer machte sich aus dem Staub und seitdem nicht wieder aufgetaucht. (Symbolbild)
Der Ghanaer machte sich aus dem Staub und seitdem nicht wieder aufgetaucht. (Symbolbild)  © 123RF

"Ich rief: 'Halt, stehenbleiben, Polizei!', aber das interessiert ja heute niemanden mehr", erklärte der Polizeibeamte weiter und fuhr fort: "Die erste Glastür öffnete sich sofort, aber dann knallte der Afrikaner gegen die zweite und fiel hin."

Als der Ghanaer hilflos am Boden lag, soll der Flüchtlingshelfer seine Arme ausgebreitet haben und sich mit dem Rücken zu den Polizisten aufgestellt haben."Dann hat er sich mit seinen ausgestreckten Armen umgedreht und mich an der Brust getroffen", erläuterte der 59-Jährige weiter.

Laut seiner Aussage hätte ihn dieses Manöver gestoppt und dem Afrikaner gereicht, um sich zu sortieren, aufzustehen und die Flucht durch die zweite Glastür zu ergreifen.

Während die Staatsanwaltschaft vor Gericht von einem "tätlichen Angriff" sprach und fünf Monate auf Bewährung für den 31-jährigen Angeklagten verlangte, gab dessen Anwalt Sebastian Nickel bekannt, dass er auf Freispruch plädiere.

Er bezog sich auf ein Urteil des Bundesverfassungsgerichts, das besagt, dass jemand, der sich irgendwo aufhalte und dort absichtlich ein Hindernis darstelle, keine Gewalt im Sinne des Gesetzes ausübe.

Das sah der Vorsitzende Richter Björn Weber letzten Endes allerdings anders und verurteilte den Angeklagten wegen Widerstandes gegen die Staatsgewalt zu einer Geldstrafe von 3600 Euro.

In seinem Urteilsspruch erklärte Weber: "Es ist gut, dass es Menschen wie sie gibt, die sich um Flüchtlinge kümmern. Aber die Gesetze gelten für alle." Der Asylbewerber ist bis heute verschwunden.

Titelfoto: 123RF

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