Deutsche Bürger kaufen mehr Gold denn je

Berlin - In Deutschland wird eine Menge Gold gehortet. Anstatt Aktien und Wertpapieren wird vermehrt zu greifbaren Wertanlagen wie Edelmetallen gegriffen. Der Trend bleibt konstant.

Es ist nicht alles Gold, was glänzt. Im Falle der deutschen Bundesbürger anscheinend doch: Im Kollektiv verfügen wir über den größten Goldbestand im internationalen Vergleich. Dies belegt eine Studie, die das Research Center for Financial Services (CFin) der Steinbeis-Hochschule Berlin im Auftrag der Reisebank durchgeführt hat.

Gold, vor allem in Barren oder Münzen, ist ein äußerst beliebte Geldanlage in Deutschland.
Gold, vor allem in Barren oder Münzen, ist ein äußerst beliebte Geldanlage in Deutschland.  © reverent / pixabay.com (CC0 1.0)

Insgesamt besitzen Deutsche somit im Jahr 2019 über 8.900 Tonnen Gold in Privathaushalten. Dabei haben Münzen und Goldbarren als Anlageformen den häufig geerbten Goldschmuck mit etwas über 50 Prozent der Anteile überholt. Wichtig dabei ist die physische Form der Anlage – nur etwa 10 Prozent der Goldkäufer greifen zu goldgesicherten Wertpapieren. Die Anteile der Personen, die ein Bankschließfach oder lieber einen Tresor in den heimischen vier Wänden zur Verwahrung nutzen, halten sich mit 39 respektive 38 Prozent etwa die Waage.

Um diese Zahlen etwas in einen Kontext zu bringen: Das ist mehr als die gut 8.100 Tonnen, die die amerikanische Notenbank (Federal Reserve System) zur Wertsicherung hinterlegt hat. Im berühmten Fort Knox beispielsweise lagern „nur“ etwa 4.500 Tonnen. Dabei haben die Bürger auch die Reserven der Bundesbank längst weit überholt: Diese besitzt etwa 3.370 Tonnen. Zählt man dies zum Gold im Privatbesitz hinzu, so sind 6,5 Prozent des weltweit verfügbaren Goldes in deutscher Hand – ein monetärer Gegenwert von etwa 450 Milliarden Euro (laut dem Goldpreis vom 15. April 2019).

Der absolute Löwenanteil an Goldkäufern ist glücklich mit der Investition und 78 Prozent aller Käufer möchten noch mehr Gold erwerben.
Der absolute Löwenanteil an Goldkäufern ist glücklich mit der Investition und 78 Prozent aller Käufer möchten noch mehr Gold erwerben.  © istara / pixabay.com (CC0 1.0)

Dank der Studien aus vergangenen Jahren zeichnet sich ein klarer Trend ab, der das Erreichen dieser hohen Anteile erklärt: Die Goldkäufer sind mehr und mehr zufrieden mit ihrer Anlage. 2014 gaben noch 71 Prozent der Befragten an, das Gold behalten zu wollen – bei der jüngsten Befragung in diesem Jahr war diese Zahl bereits auf 82,5 Prozent gestiegen. Die Zahl der Käufer, die mit der Investition zufrieden sind, ist sogar noch größer: 91 Prozent sind glücklich mit der Wahl von Gold als Anlageform.

Das Wachstum der Kennzahlen in jüngster Vergangenheit ist rasant: In der entsprechenden Studie aus dem Jahr 2010 gaben die Befragten noch einen Gesamtbesitz von 7.557 Tonnen an. In dieser Erhebung lässt sich auch im Vergleich mit den Nachbarländern gut sehen, wo die Prioritäten der Deutschen liegen: Während in Frankreich und Italien der Besitz von Goldschmuck ähnlich hoch oder gar höher als hierzulande ausfiel, lag Deutschland bei Gold als Kapitalanlage mit über der doppelten Menge bereits sehr deutlich an der Spitze.

Goldmünzen sind eine schöne Alternative zu Barren. Häufig werden sie als monetäres Zahlungsmittel akzeptiert.
Goldmünzen sind eine schöne Alternative zu Barren. Häufig werden sie als monetäres Zahlungsmittel akzeptiert.  © PublicDomainPictures / pixabay.com (CC0 1.0)

Greifbare Wertanlagen haben also im Vergleich zu Aktien Hochkonjunktur: Nur 10,3 Millionen Bundesbürger legen Geld in Aktien an, während 26 Millionen zu Goldbarren oder -münzen als Wertanlage greifen. Weitere physische Wertträger wie Metalle aus der Gruppe der seltenen Erden oder Platin kommen hier noch hinzu. Auch Silber, sehr häufig in Form von Silbermünzen, ist eine beliebte Anlageform in Deutschland. Für Erstkäufer hat Silber den Vorteil, dass die Kosten zum Einstieg wesentlich geringer sind und dabei dennoch greifbare Rohstoffmengen erstanden werden können. Übrigens ist es empfehlenswert, bei Silber zu Münzen anstatt Barren zu greifen, da diese steuerlich begünstigt sind.

Ähnlich teuer wie Gold ist Palladium – das von der Industrie benötigte Edelmetall hat jedoch einen weniger stabilen Wert. Dieser ist in den letzten Jahren zwar stark angewachsen, verzeichnete aber Anfang 2019 einen plötzlichen Absturz um etwa 14 Prozent.

Wenig überraschend: Im durchschnittlich wohlhabenderen Süden von Deutschland liegt deutlich mehr Gold als Wertanlage als beispielsweise im Osten des Landes. Mit 89 Gramm pro Person (Bayern und Baden-Württemberg) ist es fast doppelt so viel Gold als die 55 Gramm in den neuen Bundesländern. Im Bundesdurchschnitt verfügen volljährige Bürger über 71 Gramm Gold in Barren oder Münzen. Dazu kommen 58 Gramm an Goldschmuck.

Gründe für die Beliebtheit in Deutschland von Edelmetallen als Geldanlage, insbesondere Gold, kann man in unserer Geschichte vermuten. Unsere Urgroßeltern-Generation durchlebte zuletzt eine Hyperinflation in den frühen 1920er-Jahren – dadurch ist uns der unsichere Wert von Währungen immer noch in Erinnerung geblieben. Auch die häufigeren Wechsel der Währung – selbst die jüngere Generation machte zuletzt 2002 mit der Einführung des Euro einen solchen mit – lassen uns stets daran denken, dass das Geld keine konstante Wertrepräsentation ist. So sammelten schon unsere Großeltern greifbare Wertanlagen wie etwa teures Porzellan, um im Notfall eine Absicherung zu haben.

Für Interessierte – egal ob Erstanleger oder für eine Erweiterung des Portfolios – ist es besonders wichtig, die Trends bezüglich der Goldkäufe zu verfolgen. Sollte der Goldrausch ein jähes Ende finden und möglicherweise eine große Zahl an Verkäufern auf den Markt treten, so kann dies natürlich große Auswirkungen auf den Goldpreis haben. Dieser ist übrigens in den letzten 16 Jahren stark angewachsen, ist jedoch seit etwa 2011 eher stabil. Das macht Gold zu einer ungünstigen Wertanlage, wenn schnelle Gewinne erzielt werden sollen. Die Absicherung gegen Inflationen und andere Markteinflüsse ist so häufiger die größte Motivation.

Titelfoto: istara / pixabay.com (CC0 1.0)


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