Deutschkenntnisse bei Einschulung gefordert: CDU-Politiker erntet Shitstorm

Dresden - Der CDU-Fraktionsvize Carsten Linnemann hat offenbar in ein Wespennest gestochen: Mit seiner Forderung, Kinder, die kaum Deutsch sprechen, nicht regulär einzuschulen, hat er einen regelrechten Shitstorm entfesselt.

Grundschüler ohne Deutschkenntnisse unerwünscht: Linnemann will die Einschulung in solchen Fällen zurückstellen.
Grundschüler ohne Deutschkenntnisse unerwünscht: Linnemann will die Einschulung in solchen Fällen zurückstellen.  © Marcus Führer/dpa

Am Tag nach dem Tabubruch melden sich Politiker aus allen möglichen Parteien zu Wort und knöpfen sich Linnemann vor.

Selbst aus den eigenen Reihen fing sich der CDU-Fraktionsvize Kritik ein. Aus dem hohen Norden wurde sein Vorschlag als "populistischer Unfug" abgekanzelt - die Bildungsministerin Schleswig-Holsteins, Karin Prien, äußerte sich gegenüber der „Süddeutschen Zeitung" entsprechend deutlich.

Noch einen drauf setzte die SPD-Bildungspolitikerin Marja-Liisa Völlers, die Linnemanns Äußerungen zum „Fremdschämen“ nannte und ihnen entgegensetzte: „Die Kinder sind genau richtig da, wo sie sind.

Ein besseres Lernumfeld für alle Kinder gibt es doch gar nicht."

Die schärfste Attacke kam naturgemäß von Linken-Chefin Katja Kipping, die Linnemann Kalkül unterstellte: Der CDU-Politiker ginge mit seinen Aussagen auf „Stimmenfang im rechten Sumpf".

Migranten-Gewalt als Aufhänger?

Linnemann hatte in der "Rheinischen Post" wörtlich gesagt: „Ein Kind, das kaum Deutsch spricht und versteht, hat auf einer Grundschule noch nichts zu suchen“. Für Kinder, auf die das zutrifft, schlug der CDU-Politiker eine Vorschulpflicht vor. Notfalls müsse eine Einschulung auch zurückgestellt werden. In seinem Vorschlag bestätigt sah sich Linnemann offenbar auch durch den Kindsmord am Frankfurter Hauptbahnhof und den Schwert-Mord in Stuttgart-Fasanenhof: All das wühle die Menschen auf und befeuere die Sorge, dass neue Parallelgesellschaften entstehen könnten.

Der Vorstoß des CDU-Politikers sei auch als Warnung vor „neuen Parallelgesellschaften" zu verstehen.
Der Vorstoß des CDU-Politikers sei auch als Warnung vor „neuen Parallelgesellschaften" zu verstehen.  © Guido Kirchner/dpa

Genau diese Verknüpfung brachte Kipping auf die Palme: Sie warf dem CDU-Politiker vor, das Einschulungs-Thema mit den Gewaltexzessen erwachsener Migranten zu vermischen: "Ist ihm nicht bekannt, dass der Täter von Frankfurt, der offensichtlich eine psychotische Störung hatte, fließend Deutsch spricht und als Schweizer praktisch den gleichen Migrationshintergrund hat wie Alice Weidel?"

Abseits des üblichen Parteien-Gezeters wies auch die Bundesvorsitzende des Grundschulverbandes, Maresi Lassek, Linnemanns Vorschlag zurück.

Dem SWR sagte sie, dass Schulen darauf eingestellt seien, Kinder mit unterschiedlichen Sprachkenntnissen zu empfangen.

Auch in deutschsprachigen Familien gäbe es eine Reihe von Kindern, die große sprachliche Probleme hätten.


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