Vorsicht! Bei Frauen wirken Medikamente oft anders

Dresden - Der Männerschnupfen, wer kennt ihn nicht? An der Behauptung, dass die Herren der Schöpfung etwas zimperlicher sind, ist tatsächlich ein kleines Fünkchen Wahrheit. In der Tat ist der Krankheitsverlauf bei Männern und Frauen unterschiedlich. Doch nicht nur das - auch Medikamente wirken je nach Geschlecht anders. Leider hängt die Forschung bei dem Thema hinterher.

In medizinischen Studien werden Frauen nur selten berücksichtigt.
In medizinischen Studien werden Frauen nur selten berücksichtigt.  © 123rf.com/mimagephotography

Leitlinien an Männern getestet

Was bei Männern zur schnellen Genesung beiträgt, kann sich im weiblichen Körper komplett anders entfalten und unerwünschte Nebenwirkungen hervorrufen.

Über geschlechtsspezifische Medikation ist bisher wenig bekannt. Dafür gibt es Gründe: Tests in der Medikamentenentwicklung werden bei Freiwilligen durchgeführt.

Und das sind nun einmal überwiegend junge Männer, Frauen stellen sich für solche Studien seltener zur Verfügung.

Lange galt der männliche Körper als Norm für Arzneimittel-Studien. Seit dem Contergan-Skandal der 50er- und 60er-Jahre scheuen sich Pharmahersteller oft, gesunde Frauen in medizinische Tests einzuschließen.

Keine Hinweise auf dem Beipackzettel

Wirkstoffe verteilen sich im weiblichen Körper anders als bei Männern.
Wirkstoffe verteilen sich im weiblichen Körper anders als bei Männern.  © imago images/Science Photo Library

Worin liegt der Unterschied?

Fakt ist: Frauen haben öfter Nebenwirkungen. Meist haben sie einen höheren Körperfettanteil auf geringerer Größe - so verteilen sich Wirkstoffe unterschiedlich schnell im Gewebe.

Der genetische Unterschied ist nicht zu unterschätzen. Eine Tablette braucht bei einer Frau doppelt so lange durch den Körper als bei einem Mann. Enzyme im Körper sorgen dafür, dass Wirkstoffe aufgenommen werden. Frauen und Männer haben meist unterschiedlich viele Enzyme.

Ein Blick auf Beipackzettel verrät: All diese Fakten werden selten bei den Dosierungsangaben berücksichtigt. Hinzu kommen Faktoren wie Hormonschwankungen, Wechseljahre und Verhütungsmittel.

Ein Beispiel: Ein Wirkstoff, der auch in Aspirin enthalten ist, kann Männer vor Herzinfarkten schützen. Bei Frauen ist das nicht der Fall. Bei ihnen stellten Wissenschaftler allerdings fest, dass dieser Wirkstoff das Schlaganfall-Risiko senkt.

Andere Studien zeigen aber eben auch, dass einige Herzmedikamente das Leben von Frauen verkürzen, jedoch nicht das von Männern.

Darauf sollten Frauen achten

Vertrauen Sie nicht auf gefährliches Halbwissen in Internetforen. Sollten Nebenwirkungen unangemessen stark erscheinen, sprechen Sie sich unbedingt mit dem Arzt ab. Gleiches gilt auch, falls Sie die Dosierung eigenmächtig absetzen wollen.

Wahrnehmung schärfen: Der Körper zeigt meist Signale, sollte die empfohlene Medikation doch zu hoch dosiert sein.

Die korrekte Dosierung sollte unbedingt mit einem Arzt abgesprochen werden.
Die korrekte Dosierung sollte unbedingt mit einem Arzt abgesprochen werden.  © 123rf.com/puhhha

Titelfoto: 123rf.com/puhha/arcady31,imago images/Science Phot

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