Versöhnung und Frieden zum Jahrestag: Gedenken an Zweiten Weltkrieg

Mönchengladbach/Wielun (Polen) – Am 1.September 1939 fiel Nazi-Deutschland in Polen ein. Der Beginn des wohl schrecklichsten Krieges der Menschheitsgeschichte, dem am Ende je nach Zählung 55 bis 80 Millionen Menschen zum Opfer fielen, jährte sich am Sonntag zum 80. Mal.

Bundespräsident Frank Walter Steinmeier bat in Wielun Polen um Vergebung.
Bundespräsident Frank Walter Steinmeier bat in Wielun Polen um Vergebung.  © dpa/Bernd von Jutrczenka

Bundespräsident Frank Walter Steinmeier (63) sprach bei einem Besuch in der polnischen Stadt Wielun über den Terror des Krieges: "Ich verneige mich vor den Opfern des Überfalls auf Wielun. Ich verneige mich vor den polnischen Opfern der deutschen Gewaltherrschaft. Und ich bitte um Vergebung."

Zusammen mit dem polnischen Präsidenten Andrzej Duda besuchten sie drei historische Gedenkorte in der Stadt.

Unter anderem legten sie Blumen am Denkmal des zerstörten Allerheiligen-Krankenhauses nieder, das 1939 das erste Ziel der deutschen Sturzkampfbomber gewesen war.

"Wir sind zutiefst dankbar für diese ausgestreckte Hand, für die Bereitschaft Polens, den Weg der Versöhnung gemeinsam zu gehen", sagte Steinmeier. "Der Weg der Versöhnung hat uns in ein gemeinsames, vereintes Europa geführt."

Von Wielun aus fuhren beide Präsidenten nach Warschau, um dort an der offiziellen Gedenkveranstaltung zum Weltkriegsbeginn teilzunehmen. Dazu wurden auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, US-Vizepräsident Mike Pence und etwa 250 Gäste aus 40 Ländern erwartet.

Sabine Leutheuser-Schnarrenberger, die Antisemitismusbeauftragte Nordrhein-Westfalens.
Sabine Leutheuser-Schnarrenberger, die Antisemitismusbeauftragte Nordrhein-Westfalens.  © dpa/Michael Kappeler

Protestestanten aus Mönchengladbach und dem polnischen Pasym feierten am Sonntag über Skype einen gemeinsamen Gottesdienst.

Die Musik wurde per die Liveübertragung im Internet aus Pasym eingespielt, die Predigt von Präses Manfred Rekowski wiederum auch in Polen gezeigt.

Dort wurde zu den Bildern eine Übersetzung verlesen, wie der Sprecher der Evangelischen Kirche im Rheinland, Jens Peter Iven erläuterte. Rekowski wurde selbst in Polen geboren und verbrachte seine ersten fünf Lebensjahre auf einem Bauernhof in Masuren. Dann wanderte die Familie ins Ruhrgebiet aus.

"Wenn wir uns heute trotz allem, was war, über gut nachbarschaftliche Beziehungen zwischen Deutschland und Polen freuen können, dann ist das nicht selbstverständlich, sondern ein Grund zur Dankbarkeit", sagte Rekowski.

Der Friede zwischen Menschen und Völkern sei kein Zustand, der erreicht sei und nur noch verwaltet werden müsse. Vielmehr müssten Friede und Versöhnung immer wieder neu gesucht und gewonnen werden. Ein besonders umfassendes Friedensprojekt sei Europa.

Im Zuge des Gedenkens an den Zweiten Weltkrieg hat zudem die NRW-Antisemistismusbeauftragte Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (68) die Holocaust-Überlebende Dr. h.c. Inge Auerbacher (84) nach Nordrhein-Westfalen eingeladen.

In der Woche vom 2. bis 8. September wird die Zeitzeugin an mehreren Veranstaltungen in Köln, Düsseldorf, Neuss und Essen teilnehmen.

"Ich freue mich darauf, mit jungen Menschen ins Gespräch zu kommen. Denn ich möchte Jugendlichen klar machen, wie wichtig es ist, dass Kinder ohne Ausgrenzung, Krieg und Gewalt aufwachsen können – ein Leben, das mir nicht immer vergönnt war", sagte die 84-Jährige in einer Mitteilung der Staatskanzlei.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der polnische Präsident Andrzej Duda (r) bei den Gedenkfeierlichkeiten der Stadt Wielun zum 80. Jahrestag.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und der polnische Präsident Andrzej Duda (r) bei den Gedenkfeierlichkeiten der Stadt Wielun zum 80. Jahrestag.  © DPA

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