Stiftung Warentest: Auch gängige Schmerzmittel bergen große Gefahren

Deutschland - Jeder kennt es: Eine unangenehme Weißheitszahn-OP, eine Verletzung beim Fußball oder die Verkrampfung am Rücken, weil man wieder zu lange gebeugt vor dem PC saß. Schmerzen sind in unserem Leben allgegenwärtig, manche gar so unerträglich, dass einfache Ablenkung keine Abhilfe mehr schafft.

Schnell ein Medikament gegen belastende Schmerzen einnehmen kann Wunder wirken. Ganz unbedenklich ist es allerdings nicht. (Symbolbild)
Schnell ein Medikament gegen belastende Schmerzen einnehmen kann Wunder wirken. Ganz unbedenklich ist es allerdings nicht. (Symbolbild)  © 123RF/Antonio Guillem

Für diesen Fall gibt es inzwischen nicht wenige Schmerzmittel auf dem Markt, die den Gesundheits- aber vor allem den Gemütszustand wieder verbessern sollen. Ibuprofen, Paracetamol - die gängigen Medikamente kennt inzwischen jeder, viele Deutsche hatten bereits Kontakt mit ihnen.

Dass Schmerzmittel allerdings auch zur Gefahr werden können, wird jetzt in einem groß angelegten Vergleich von Stiftung Warentest deutlich.

Gerade starke, rezeptpflichtige Arznei kann bedenkliche Langzeitprobleme schaffen, die weit über das eigentliche Problem, aus dem man die Mittel genommen hat, hinausgehen können.

Laut der Welt­gesund­heits­organisation (WHO) werden die Mittel je nach Stärke in drei unterschiedliche Stufen eingeteilt. Nicht-Opioide, schwache Opioide und starke Opioide Schmerzmittel.

Zur Gruppe der Nicht-Opioiden Mittel gehören die gängigen Medikamente wie ASS, Ibuprofen, Diclofenac und Paracetamol.

Laut den Testern würden einige der Wirkstoffe in den Medikamenten Ibuprofen und Diclofenac laut neuen Studien das Risiko für einen Herz­infarkt oder Schlag­anfall erhöhen. Acetylsalicylsäure (ASS) schlägt hingegen besonders auf den Magen. Der Klassiker Paracetamol kann im Übermaß sogar ernsthafte Leberschäden nach sich ziehen.

Rezeptpflichtige Medikamente nur auf kurze Dauer einsetzen

Rezeptpflichtige Schmerzmittel können bei längerer Einnahme großen Schaden anrichten. (Symbolbild)
Rezeptpflichtige Schmerzmittel können bei längerer Einnahme großen Schaden anrichten. (Symbolbild)  © 123RF/Antonio Guillem

"Bei Schmerzen durch Krebs, in der Akut- und Notfall­medizin und für schmerzarmes Operieren sind Opioide oft unver­zicht­bar", sagte Professor Christoph Maier, lang­jähriger leitender Arzt an der Schmerz­klinik der Uni Bochum in einem Interview. Dennoch ist bei der Einnahme von verordneten Medikamenten große Vorsicht geboten.

Selbst schwache Opioide (Tramadol, Codein) könnten nach einer gewissen Einnahmedauer bereits abhängig machen. Es wird zudem empfohlen, die Medikamente zu festen Zeiten einzunehmen und bei Entzugserscheinungen die Dosis schleichend abzusetzen. Wichtig ist, wie bei den starken Opioiden auch, dass der Arzt den Verlauf regelmäßig kontrolliert.

Morphin, Oxycodon oder Fentanyl, die zur Gruppe der starken Opioide gehören, bekommt man in Deutschland nur mit einem Betäubungsmittelrezept. Auch hier gilt die Einnahme besonders kurz zu halten, da das Suchtpotenzial sehr groß ist.

Bedenklich ist das Ergebnis der Stiftung Warentest besonders aus dem Grund, da sich der Körper, egal bei welcher Stärkestufe, an die Medikamente gewöhnen kann. Das kann so weit gehen, dass die Schmerzmittel selbst irgendwann Schmerzen verursachen können. Als Ausweg bliebe dann nur ein Entzug.

Um dem zuvorzukommen raten die Experten deshalb, Schmerzmittel ohne ärztlichen Rat höchstens vier Tage am Stück zu nehmen. Mehr als zehn Tage im Monat sollte die Einnahmedauer zudem nicht sein.

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