Unsere Kinder werden immer dicker, doch warum?

Deutschland - Warum leiden immer mehr Kinder an Fettleibigkeit? Die Zahlen sind erschreckend, die Folgen auch.

Zu viel Zucker, Salz und Fett in Nahrungsmitteln tragen zum Übergewicht unserer Kinder bei.
Zu viel Zucker, Salz und Fett in Nahrungsmitteln tragen zum Übergewicht unserer Kinder bei.  © Anna Bizoń , 123rf

Laut dem Bundesgesundheitsministerium sind in Deutschland bereits 8,7 % der Kinder und Jugendlichen zwischen 3 und 17 Jahren übergewichtig.

Bei 6,3 % der Kinder liegt sogar schon eine adipöse Fettleibigkeit vor.

In einer Studie des Fachblatts Jama Pediatrics wird berichtet, dass die dicksten Kinder Europas erstaunlicherweise im Süden Europas leben. Rund ums Mittelmeer leidet jedes dritte Kind an Übergewicht.

Das mag auch mit der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes und der sozialen Herkunft der Kinder zusammenhängen.

Gesunde Ernährung hat ihren Ursprung am Familientisch

5 Portionen Obst und Gemüse am Tag tragen effektiv zur Gesundheit bei.
5 Portionen Obst und Gemüse am Tag tragen effektiv zur Gesundheit bei.  © 123rf.com/Alexander Raths

Wann sprechen wir bei Kindern von krankhafter Fettleibigkeit? Bei Erwachsenen sprechen Mediziner ab einem Body-Mass-Index von 30 von Adipositas.

Bei Kindern spielen das Alter, Gewicht, Größe und Geschlecht eine entscheidende Rolle. Am besten kann der Kinderarzt die sogenannten Perzentilen- oder Wachstumskurven auswerten.

Ein guter Ansatzpunkt für gesunde Ernährung sind die gemeinsamen Mahlzeiten in der Familie. So dienen Eltern als Vorbild und können schon ihren kleinen Kindern abwechslungsreiches und gesundes Essen nahebringen.

Das gemeinsame Zubereiten der Speisen lässt die Kleinen die Zutaten und Speisen mit all ihren Sinnen entdecken.

unicef berichtet über die Situation der Kinder in der Welt

Vielen Kindern fehlt es an Zugang zu gesundem Obst und Gemüse.
Vielen Kindern fehlt es an Zugang zu gesundem Obst und Gemüse.  © Oksana Kuzmina/123RF

Jährlich veröffentlicht unicef den Bericht zur Situation der Kinder in der Welt.

Unzureichende oder schlechte Ernährung führt dazu, dass weltweit 340 Millionen Mädchen und Jungen Mangelerscheinungen haben.

Häufig fehlen den Kleinen Vitamin A und Eisen. Das liegt auch daran, dass in vielen Ländern dieser Erde Kinder einfach keinen regelmäßigen Zugang zu nährstoffreichen Lebensmitteln haben.

Neben dem großen Problem der Unterernährung breitet sich weltweit aber auch das Problem des Übergewichts aus.

Trotz der technologischen Weiterentwicklung und aller wissenschaftlichen Erkenntnisse gelingt es nicht, diesen schädlichen Trend aufzuhalten.

Bei den unter 5-Jährigen gibt es weltweit 40 Millionen Kinder, die übergewichtig oder fettleibig sind.

Stillen und Beikost: der Start in ein gesundes Leben

Muttermilch gibt dem Baby die wichtigsten Nährstoffe, die es für eine gesunde Entwicklung braucht.
Muttermilch gibt dem Baby die wichtigsten Nährstoffe, die es für eine gesunde Entwicklung braucht.  © 123rf.com/golubovy

Stillen ist die beste Ernährungsgrundlage für Babys in den ersten Lebensmonaten. Die WHO empfiehlt, 6 Monate lang voll zu stillen. Ist die Mutter in der Lage sich ausgewogen und nährstoffreich zu ernähren, erhält auch das Kind durch die Milch den besten Start ins Leben.

Laut Quarks & Co ist außerdem das Risiko an Übergewicht zu leiden für gestillte Kinder deutlich geringer. Und das auch über die Zeit des Stillens hinaus. Der Stoffwechsel der Kinder wird durch die Hormone und Nährstoffe der Muttermilch optimal auf Spur gebracht.

Trotzdem führen Marketingkampagnen für Milchpulver etwa in Brasilien und China dazu, dass Frauen ihre Kinder weniger stillen. Dabei lernen Kinder beim Stillen am besten, ein eigenes Sättigungsgefühl zu entwickeln. Sie hören auf zu trinken, wenn sie satt sind und nicht wenn das Fläschchen alle ist.

Nutri-Score® Ampel soll Transparenz beim Kauf von Lebensmitteln schaffen

Chips, Cola und Co: Fast Food und vor allem Limonaden enthalten viele Kalorien.
Chips, Cola und Co: Fast Food und vor allem Limonaden enthalten viele Kalorien.  © 123rf.com/belchonock

In den ersten zwei Lebensjahren wird der Grundstein für eine gesunde Ernährung gelegt. Obst und Gemüse gehören auf den täglichen Speiseplan. Sind es aber längst nicht bei allen Kindern.

Stattdessen werden industriell verarbeitete Lebensmittel, die häufig versteckten Zucker enthalten und zuckerhaltige Getränke bevorzugt. Am 30.09. verkündete Bundesministerin Julia Klöckner Nutri-Score® einführen zu wollen. Jedoch bleibt die Kennzeichnung auf den Verpackungen vorerst freiwillig, ist also nicht für alle Unternehmen verpflichtend.

Die Nährwertkennzeichnung auf Produkten soll bei der besseren Ernährung helfen. Der Konsument soll anhand des Ampelsystems den Gehalt von Zucker, Fett und Salz sofort einschätzen können. Jahrelang stritten sich die Lebensmittelindustrie und Verbraucherschützer um die Kennzeichnung.

Ursachen der Fettleibigkeit

Fast Food und zuckerhaltige Getränke sind die falsche Wahl für dicke Kinder.
Fast Food und zuckerhaltige Getränke sind die falsche Wahl für dicke Kinder.  © 123rf.com/dolgachov

Fettleibigkeit kann viele Ursachen haben:

• Mangelnde Bewegung

• Falsche Ernährung

• Familiäre Situation

• Fehlende Aufklärung über gesunde Ernährung

• Lebensmittel mit Geschmacksverstärker, Konservierungsstoffen und zu viel Zucker

Übergewicht ist häufig auch ein soziales Problem. Das Gewicht der Mutter und die soziale Stellung der Familie beeinflussen das Körpergewicht der Kinder ebenso.

Neben der genetischen Komponente spielen oft auch psychologische Faktoren eine Rolle.

Fettleibige Kinder und Jugendliche haben vermehrt seelische Leiden, die sie mit manchmal mit massenhaftem Essen kompensieren.

Folgen für übergewichtige Kinder

Die Fakten sind erschreckend: Diabetes Typ 2, bekannt als Alterszucker, tritt immer häufiger auch bei Jugendlichen auf. Hoher Blutdruck, Gefäßverkalkungen, Depressionen, Gicht und Stoffwechselerkrankungen sind nur einige der schwerwiegenden gesundheitlichen Folgen von mangelnder Bewegung und falscher Ernährung.

Leider werden aus übergewichtigen Kindern meist auch dicke Erwachsene. Und das hat fatale Folgen für die Gesundheit, das Lebensgefühl und die sozialen Aufstiegschancen.

Titelfoto: Bildmontage: 123rf.com/belchonock

Mehr zum Thema Gesundheit:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0