Löws Risiko zahlt sich aus: Darum könnte DFB-Erfolg ein Meilenstein gewesen sein!

Amsterdam (Niederlande) - Welch ein Prestigeerfolg für die deutsche Nationalmannschaft! Der am Ende etwas glückliche 3:2-Triumph beim Erzrivalen Niederlande könnte ein Meilenstein in der Entwicklung der jungen Wilden sein. Ein Kommentar.

Hollands starker Angreifer Memphis Depay (r.) trifft mit einem verdeckten Schuss zum 2:2-Ausgleich für die "Elftal".
Hollands starker Angreifer Memphis Depay (r.) trifft mit einem verdeckten Schuss zum 2:2-Ausgleich für die "Elftal".  © DPA

Spätestens, als Hollands groß aufspielender Offensivkicker Memphis Depay mit seinem verdeckten 14-Meter-Schuss in der 63. Minute den 2:2-Ausgleich für die Hausherren erzielte, sah es nicht mehr danach aus, dass Deutschland in Amsterdam überhaupt noch etwas holen könnte.

Zu stark spielten die Gastgeber nach der Pause auf, zu sehr drängten sie die deutsche Elf in die Defensive. Obwohl die Löw-Mannen auch weiterhin kämpften und alles in die Waagschale warfen, konnten sie die Spielfreude der "Elftal" nicht eindämmen.

Erst in der Schlussphase, als die Niederländer langsam müde wurden, konnte Deutschland wieder für Entlastung - und nach einer starken Kombination für den Siegtreffer durch Nico Schulz sorgen.

Das kam völlig überraschend. Gerade nach dem verkorksten Länderspieljahr 2018. Dort hätte Deutschland so ein Spiel wie am Sonntagabend vermutlich noch verloren.

2019 scheint anders zu werden. Während sich das Team beim 1:1 gegen Serbien wegen wiederholten Chancenwucher noch nicht für eine starke zweite Hälfte belohnen konnte, sah das beim ersten Pflichtspiel des Jahres ganz anders aus.

Machten allesamt ein überragendes Spiel, von links: Nico Schulz, Leroy Sané und Serge Gnabry.
Machten allesamt ein überragendes Spiel, von links: Nico Schulz, Leroy Sané und Serge Gnabry.

Deutschland spielte eine grandiose erste Hälfte, zeigte die beste Leistung seit mehr als einem Jahr.

Das Umschaltspiel, das hohe Tempo, die Variabilität und die Torgefahr waren auf Weltklasse-Niveau, was auch die Niederlande nach den beiden Spielen in der Nations-League zu überraschen schien.

Als deren Coach Ronald Koeman die Taktik in der Halbzeitpause änderte, wurde wiederum Deutschland im zweiten Abschnitt überrascht. Und es dauerte lange, bis der Druck der Niederlande abebbte.

Dass Deutschland dann jedoch nochmal die Kraft, den Willen und die spielerischen Fähigkeiten hatte, diese wichtige Partie für sich zu entscheiden, spricht für das Team - und auch dafür, dass Jogi Löw seine Elf erreicht und die Spieler ihm folgen.

Denn seine Taktik, die Holländer früh anzugreifen, nicht zur Entfaltung kommen zu lassen und über die pfeilschnellen Außenbahnspieler anzugreifen, zahlte sich ebenso aus wie das Risiko, auf die drei gestandenen Bayern-Stars Mats Hummels, Thomas Müller und Jérôme Boateng zu verzichten.

Dieser Erfolg könnte nachhaltige Wirkung haben, die neuformierte Mannschaft eng zusammenrücken lassen und Fußball-Deutschland sportlich wieder bessere Zeiten bescheren.

Er ist wieder da! Manuel Neuer (r.) zeigte gegen die Niederlande, warum er vierfacher Welttorhüter ist.
Er ist wieder da! Manuel Neuer (r.) zeigte gegen die Niederlande, warum er vierfacher Welttorhüter ist.  © DPA

Denn gerade Leroy Sané und Serge Gnabry bewiesen, dass sie in der Lage sind, auf Weltklasse-Niveau zu agieren und auch gestandene Abwehrreihen kräftig durcheinanderzuwirbeln.

Wenn sie so gut in Form- und so fit sind, wie in Amsterdam, wird es für jede Mannschaft schwierig, diese beiden zu stoppen.

Dazu meldeten sich auch die erfahrenen Akteure wie Manuel Neuer und Toni Kroos zurück.

Während Neuer gleich mehrfach herausragend parierte und unter Beweis stellte, warum er bereits vier Mal Welttorhüter des Jahres war, zeigte Kroos endlich wieder seine herausragenden Fähigkeiten als Spielgestalter.

Die Entdeckung des Abends war allerdings Nico Schulz, der schon immer extrem schnell war, dem aber gerade bei Hertha BSC Torgefahr, Defensivverhalten und Konstanz abgingen, weshalb er an Borussia Mönchengladbach für vier Millionen Euro verkauft wurde.

Dort konnte er aber auch nicht dauerhaft überzeugen und entfaltete sein volles Potenzial erst nach seinem Wechsel zur TSG 1899 Hoffenheim (für drei Millionen Euro) unter Trainer Julian Nagelsmann.

Starke Leistungen zeigt er nun auch in der Nationalelf. Wenn sich noch einige andere Akteure so entwickeln und Deutschlands Mannschaft wieder eine echte Einheit wird, dürfte einer überzeugenden EM-Qualifikation 2020 bei Gruppengegnern wie Nordirland, Estland und Weißrussland nichts mehr im Wege stehen.

Jogi Löws später Umbruch mit einigen umstrittenen Entscheidungen hat sich bislang ausgezahlt.
Jogi Löws später Umbruch mit einigen umstrittenen Entscheidungen hat sich bislang ausgezahlt.  © DPA
Kommentar von TAG24-Autor Stefan Bröhl.
Kommentar von TAG24-Autor Stefan Bröhl.  © Holm Röhner

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