Meine Meinung: Furchtbares Fußballjahr für Löw und den DFB

Rotterdam - Kein Endspiel! Nach dem 2:0-Erfolg der Niederlande gegen Weltmeister Frankreich am späten Freitagabend ist Deutschland aus der Nations League A abgestiegen.

Die entscheidende Niederlage: Deutschland vergibt gegen die Niederlande reihenweise gute Chancen, bricht am Ende ein und verliert mit 0:3.
Die entscheidende Niederlage: Deutschland vergibt gegen die Niederlande reihenweise gute Chancen, bricht am Ende ein und verliert mit 0:3.  © DPA

Beim DFB hatten alle auf ein Endspiel am Montagabend (20.45 Uhr) in Gelsenkirchen gegen Dauerrivalen Holland gehofft.

Der starke Auftritt der Holländer und der verdiente Sieg gegen Frankreich machten diesen Gedanken allerdings einen Strich durch die Rechnung.

Mehr als ein Prestigeduell ist die Partie also nicht mehr. Dennoch dürfte eine hoch motivierte Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw auf dem Rasen stehen, die zeigen will, dass das 0:3 im Hinspiel in Amsterdam nur ein Ausrutscher war.

Auch wenn Deutschland in dieser Begegnung nicht so schlecht spielte, wie es das Ergebnis vermuten lässt, war die Niederlage aufgrund des Zusammenbruchs am Ende und der mangelhaften Chancenverwertung durchaus verdient.

Gerade letzteres war eine Schwäche, die sich durch das gesamte Jahr 2018 zog.

Während die ersten Testspiele gegen Spanien (1:1) und Brasilien (0:1) noch vergleichsweise wenig Sorgen bereiteten, gab es nach der 1:2-Niederlage in Österreich die ersten öffentlichen Misstöne über den schwachen Auftritt der deutschen Mannschaft, die auch beim äußerst durchwachsenen 2:1-Sieg über Saudi-Arabien nicht leiser wurde.

Ist als Kapitän und Anführer einer jungen, hungrigen Mannschaft weiter gesetzt: Torhüter Manuel Neuer.
Ist als Kapitän und Anführer einer jungen, hungrigen Mannschaft weiter gesetzt: Torhüter Manuel Neuer.  © DPA

Zwar dachten die meisten Fans, Journalisten und leider auch DFB-Verantwortlichen, dass Deutschland wie so oft eine Turniermannschaft sein würde und den Schalter umlegen könnte, was sich aber im Nachhinein als riesengroßer Irrtum erwies.

Im ersten WM-Spiel wurde die deutsche Defensive von den flinken Mexikanern beim 0:1 mitunter vorgeführt, nach dem 2:1-Sieg gegen die Schweden schöpften die Fans kurz wieder Hoffnung, dass die Mannschaft nun in Russland angekommen sei, doch mit einem erschreckenden 0:2 gegen Südkorea, ein Schlag ins Gesicht aller deutschen Fußballfans, musste Deutschland bereits nach der Vorrunde die Segel streichen und nach Hause fahren.

Der Umgang mit dem Foto von Mesut Özil mit dem türkischen Staatschef Recep Tayyip Erdogan war genauso schlecht, wie die äußerst dürftige WM-Analyse.

Diese ungewöhnlich hohe Fehlerzahl führte letztlich auch dazu, dass Deutschland in der Nations League scheiterte.

Denn während das Team am ersten Spieltag beim 0:0 gegen Frankreich bis auf die Effektivität vor dem gegnerischen Tor überzeugte und auch im Testkick gegen Peru (2:1) durchaus gute Momente hatte, war die Niederlande-Niederlage der nächste Tiefpunkt in einem furchtbaren Fußballjahr für den DFB.

Steht im Regen: Bundestrainer Joachim Löw hat sportlich ein Jahr zum Vergessen hinter sich.
Steht im Regen: Bundestrainer Joachim Löw hat sportlich ein Jahr zum Vergessen hinter sich.

Erst bei der 1:2-Niederlage im Rückspiel in Frankreich entschied sich Löw für den dringend benötigten radikalen Schnitt.

Die Blutauffrischung schlug sich zwar noch nicht im Ergebnis wieder, die erfrischende Spielweise der unverbrauchten und hungrigen jungen Kicker machte aber Mut für die Zukunft.

Dieser Eindruck wurde beim 3:0 gegen schwache Russen bestätigt.

Sollte die DFB-Elf auch das letzte Länderspiel des Jahres gegen Holland gewinnen, wäre zumindest der letzte Eindruck ein guter, auf dem für das kommende Jahr aufgebaut werden könnte.

Am sportlich bitteren Abstieg ändert das allerdings nichts. Denn das DFB-Team muss bei der nächsten Austragung der Nations League 2020/21 in der Liga B antreten - gegen zweitklassige Fußball-Nationen wie Finnland.

Natürlich kann sich die junge Spielergeneration auch dort entwickeln, allerdings auf einem niedrigeren Niveau, wo Fehler nicht immer sofort bestraft werden. Auch deshalb wird die DFB-Mannschaft dort in allen Partien immer der klare Favorit sein. Mit diesem Druck selbstbewusst umzugehen, ist dann aber auch ein wichtiger Entwicklungsschritt.

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